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And So I Watch You From Afar - And So I Watch You From Afar

And So I Watch You From Afar- And So I Watch You From Afar

Smalltown / Cargo
VÖ: 23.04.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gute Besserung

Postrock ist krank, und das nicht erst seit gestern. Seit langer Zeit schon sitzt ihm ein hartnäckiger Husten im Hals, die Nase tropft, die Knochen hängen bleischwer am müden Körper herunter. Was ist passiert? Es scheint gar nicht lange her zu sein, da ging es ihm richtig gut, er war bei einer kleinen, aber sehr feinen Gruppe äußerst beliebt. Die größten und tapfersten Jungs konnten ihm lauschen und dabei heimlich, still und gar nicht leise ein paar Tränen verdrücken. Mogwai, Mono und Múm waren gute Freunde, ebenso The Appleseed Cast oder natürlich auch Godspeed You! Black Emperor, einer seiner engsten Vertrauten. Und jetzt? Postrock kann sich nur mit Mühe und Not auf den Beinen halten. Er ist ausgebrannt, müde, verbraucht. Zu viele Bands mit sehr langen und bedeutungsvollen, oft gar unheilsschwangeren Namen, haben sich an ihm bedient, keiner wollte mehr etwas Neues ausprobieren, jeder nur noch wie einer seiner alten Bekannten sein, ohne etwas dafür zu tun. Und jetzt haben wir den Salat.

Immerhin gibt es eine kleine Band aus dem grünen Irland, die sich an der Heilung versucht. And So I Watch You From Afar aus Belfast gibt es bereits seit fünf Jahren, ihr selbstbetiteltes Debütalbum gibt es international aber erst seit letztem Jahr. Hierzulande kam es mit etwas Verspätung 2010 auf den Markt, und so wissen Kenner natürlich längst: Ganz neu ist deren medikamentöse Musik für den guten Postrock nicht, gut und stellenweise mehr als das ist sie aber trotzdem. "Set guitars to kill" macht den Anfang, und dessen Titel darf angesichts des brachialen Schlagzeuginfernos und der hypnotischen Gitarrenriffs eher als arschtretende Aufforderung denn als zarte Empfehlung angesehen werden. And So I Watch You From Afar vergeuden keine Zeit, und sie tun gut daran. Statt sich wie so viele andere vor ihnen zu lange mit Experimenten herumzuschlagen, hauen die Iren, wie man es gewohnt ist, lieber gleich auf den Putz.

"theseRIOTSareJUSTtheBEGINNING" übt sich zunächst in einem eher passiv-aggressiven Aufbäumen, nur um kurz nach dem erlösenden Donnerschlag wieder abzuebben. Das Schlagzeug wirbelt hektisch den Sand auf, die Gitarristen Rory Friers und Tony Wright spielen sich die Finger blutig, und zum Schluss weiß wahrscheinlich keiner der beiden mehr, wo doch gleich das Krankenbett vom guten Postrock steht. Macht nichts, dem geht es nämlich schon viel besser, und so tanzt und springt er zum anfänglich recht poppigen "Tip of the hat, punch in the face" munter herum. Die frohlockende Stimmung währt indes nicht lange, schon bald fegt der im Titel genannte Schlag in die Fresse den Hut vom Kopf. Frühestens zum atmosphärischen "The voiceless" kann man ihn dort wieder hinsetzen, um Postrock zuzuschauen, wie er sich ob der irischen Medizin langsam erholt, die zum Schluss wieder mit einer Aufforderung durch die Krankenstation fegt: "Eat the city, eat it whole" sollte man vielleicht nicht wörtlich nehmen, die Mathrock-Anleihen dabei aber bitte trotzdem beachten. Der Patient ist wieder auf der Piste und trinkt mit seinen neuen Freunden ein Guiness. Hier jetzt bitte einmal feucht durchwischen. Cheers!

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Set guitars to kill
  • Clench fists, grit teeth...Go!
  • If it ain't broke, break it
  • The voiceless

Tracklist

  1. Set guitars to kill
  2. A little bit of solidarity goes a long way
  3. Clench fists, grit teeth...Go!...
  4. I capture castles
  5. Start a band
  6. Tip of the hat, punch in the face
  7. If it ain't broke, break it
  8. theseRIOTSareJUSTtheBEGINNING
  9. Don't waste time doing things you hate
  10. The voiceless
  11. Eat the city, eat it whole

Gesamtspielzeit: 64:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

pounzer

Postings: 71

Registriert seit 24.08.2019

2021-04-18 15:34:10 Uhr
Unglaublich tolle Band. Besonders live ein absolutes Brett. Ich habe sie inzwischen 10 Mal gesehen und bisher war noch kein schlechter Gig dabei.

Das Debut ist auch immer noch grandios, wobei die Produktion natürlich stellenweise ziemlich lo-fi ist.

The Endless Shimmering ist definitiv das am besten klingende ASIWYFA-Album bisher.

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 2833

Registriert seit 15.06.2013

2021-04-18 12:18:14 Uhr
Die Mathrockelemente sind natürlich unüberhörbar, aber, wie gesagt, finde ich sie bei ASIWYFA immer noch eher gemäßigt eingesetzt, wenn man den Vergleich zu Bands wie DON CABALLERO oder BRONTIDE zieht. Schau dir gerne mal dieses (ganz exzellente) Video der tollen Brontide an, lohnt sich:

https://youtu.be/PnN_-HzhWas

Leech85

Postings: 180

Registriert seit 15.03.2021

2021-04-18 11:52:32 Uhr
Ja ist für mich schon eher im Math zugeordnet mit Post Rock Einschlag.
The Voiceless ist auch mein Favorit und einer der Top 5 Songs überhaupt für mich.
Das Debut finde ich auch der Hammer aber auch etwas überladen. Gangs so wie Endless Shimmering gefallen mir etwas besser.
Für mich auch eine der Top Live Bands!

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 2833

Registriert seit 15.06.2013

2021-04-18 10:01:27 Uhr
Wobei der ironischerweise wohl am wenigsten nach ASIWYFA sondern vielmehr nach EITS klingt :D

Der Wanderjunge Fridolin

Postings: 2833

Registriert seit 15.06.2013

2021-04-18 09:54:07 Uhr
Ich finde bei ASIWYFA vor allem die leichte, aber nie zu dominante, manchmal sogar eher zart vorgetragene mathige Schlagseite sehr charmant. Mein Favorit ist THE VOICELESS.
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