Gregory And The Hawk - Leche

Gregory And The Hawk- Leche

Fat Cat / Rough Trade
VÖ: 16.12.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Warten auf Godreau

Namen sind Schall und Rauch. Blendwerk in einer oberflächlichen Gesellschaft, die sich auf äußere Fassaden konzentriert, den Blick hinter die Kulissen jedoch oftmals scheut. Menschen, die heute Jacqueline oder Jerome heißen, haben es in Schule, Studium und Beruf schwerer, an ihrer Kompetenz wird in höherem Maße gezweifelt. Ein Alias ist eine Möglichkeit, sich dieser Despektierlichkeit eben nicht zu beugen, sondern ihr die lange Nase zu zeigen. Dass solche Pseudonyme oft auch in die Irre führen können, zeigt Gregory And The Hawk. Hinter dem klangvollen Namen verbirgt sich nicht etwa eine Band, sondern die New Yorker Songwriterin Meredith Godreau, die auf ihrem dritten Album "Leche" erneut eine kleine Kerze für zerbrechlichen Folkpop zündet.

Die zwölf Stücke auf "Leche" sind in Watte gepackte, höchstsensible Gebilde, getragen von Streich- und Zupfinstrumenten und der himmlisch verführerischen Stimme der per se himmlisch verführerischen Meredith Godreau. Uneitel und sanft wird den kleinen Folkperlen eine atemlose Pop-Verliebtheit eingepflanzt, die Songs bekommen viel Zeit, sich zu entfalten, manche bleiben dabei skizzenhaft. Als Rezipient wartet man stets auf den kleinen Kniff, den feinen Melodiebogen, der dem Song - als Beispiel sei hier das luftige "Soulgazing" genannt - Glanz und Aura verleiht. Keine großen Gesten, eher verschmitztes Augenzwinkern und langsam kullernde Tränen spielen eine Rolle in dieser speziellen Version von gutmütigem Kammerpop. Weniger orchestral als Stars, weniger verkopft als Björk oder Joanna Newsom: Sämtlicher Ballast, der gegen die Leichtigkeit des Seins wirkt, wird hier über Bord geworfen. Ähnlich gut funktionierte das dieses Jahr auf dem hervorragenden Debüt der Dänin Agnes Obel, die ebenso unaufgeregt zu Werke geht.

Das bittersüße Eröffnunsstück "For the best" stellt Fragen, die von so fundamentaler Verzweiflung sind, dass dem Hörer ganz mulmig wird: "Do I dance inside your head / As our looks are crossed / Cause all I feel is that I'm caught in it". So berührend und zartbesaitet hier auch gelitten wird, nie läuft Godreau Gefahr, kitschige Bilder zu evozieren oder selbstmitleidig zu wirken. Wenn sich nicht nur das Herz, sondern auch der Verstand am rechten Fleck befindet, dann entsteht dabei solche Musik. Songs wie "Over and over" oder "Leaves" sind Allzweckwaffen: Egal ob Sommer, Herbst, Winter oder Lenz, ob frisch verliebt, mittendrin oder frisch getrennt - "Leche" ist das perlmuttfarbene Elixier, das Seelen streichelt, Augen trocknet und Wärme spendet. Das aufrichtige Statement einer jungen Großstadtbewohnerin, ohne Netz und doppelten Boden, offenherzig und ehrlich. Und mal ganz unter uns: Meredith Godreau wäre auch ein schöner Name.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • For the best
  • Over and over
  • Soulgazing
  • Leaves

Tracklist

  1. For the best
  2. Landscapes
  3. Over and over
  4. Soulgazing
  5. Geysir nationale
  6. Frebeight
  7. Olly olly oxen free
  8. A century is all we need
  9. Leaves
  10. Puller return
  11. Hard to define
  12. Dream machine

Gesamtspielzeit: 36:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Castorp
2012-04-20 13:34:21 Uhr
Das ist es tatsächlich. Hat auch ein bisschen was von der "Harfen-Trulla"(TM), finde ich. ;)

Ich bin hier gelandet, weil ein englischer Rezensent behauptet hat, "Sorrow be gone" von Gemma Hayes würde an Gregory and the hawk erinnern.
Leatherface
2010-12-27 18:58:37 Uhr
Sehr schön ist das.
Kyuss
2010-12-20 20:51:13 Uhr
Na dann mach ich mal das Ding auf :)
Sehr gelungene Platte. Interresante Mischung der genannten Interpreten in der Rezzesion.
Mich mich ne glatte 8, schön!
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