Emiliana Torrini - Rarities

Emiliana Torrini- Rarities

One Little Indian / Rough Trade
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ein Teller Eiswasser

Einmal Hit, immer Hit, oder? Da ging Emiliana Torrinis "Jungle drum" letztes Jahr durch die Decke, und alle Welt fragte sich, wo diese junge Frau auf einmal herkam und warum sie nicht früher Gehör fand. Dabei hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon fünf Alben auf dem internationalen Markt, in ihrer Heimat Island sogar noch mehr und auch bereits einen Track für Kylie Minogue geschrieben. Und für letzteren brauchte sie nicht einmal eine Stunde. Der Sprung zu den Mechanismen eines Popsongs fällt Torrini schließlich nicht sonderlich schwer, auch wenn ihre Wurzeln bei elektronischen Klängen liegen: Ihr internationales Debüt "Love in the time of science" erschien 1999 und rief sofort Assoziationen zu Björk wach. Dies jedoch nicht wegen der Stimme, sondern der Stimmung und der Klangwelten, die sich dort auftaten.

"Rarities" bietet nun elf Jahre später eine muntere Sammlung an Tracks und (Re-)Mixes, die ihren Ausgangspunkt bei ebendiesem Debüt haben. Fideles Schälen und Fummeln findet man in allen Winkeln dieser Compilation. So wird etwa "To be free" im "Futureshock to be free vocal mix" sein TripHop-Untergerüst genommen und durch kalte Beats ersetzt, nachdem der "Tore Johansson radio edit" dem Track zuvor kantigere Takte und mehr Dynamik spendierte. Dabei startet "Rarities" mit den Originalen, die sich im weiteren Verlauf weiter und weiter verfremden. Alleine "To be free" und "Unemployed in summertime" finden sich hier in sechs unterschiedlichen Versionen - doch allzu viel Einfallsreichtum und Spannung können die Remixes den Tracks nicht hinzufügen.

Die Tür zum Club wird ein ums andere Mal aufgestoßen, doch mit der Handvoll über den Dancefloor gejagten Nummern lässt sich nur wenig ausrichten. Zumal die Anordnung auch noch etwas unglücklich gewählt ist, wenn etwa "Unemployed in summertime" gleich vier Mal aufeinander folgt. Dabei ist nicht alles belangloses Füllmaterial, aber etwas mehr Abwechslung wäre dann doch schön gewesen. So stellt sich eher das Gefühl ein, man sei in einer Endlosschleife aus Maxi-CDs gefangen. Die besten Momente bieten Originalsongs wie "Baby blue", das sich in seinen Breiten verliert - hier wird deutlich, wie sehr Torrinis Stimme fehlt, wenn der "Dillon & Dickens"-Mix von "To be free" sie vollkommen verschluckt und als bloßen Effekt wieder ausspuckt.

Überhaupt hat Torrini das Ruder hier weit von sich weg ins Eiswasser gestoßen oder gar ganz verloren. Je weiter die Remixes fortschreiten, umso mehr bleibt ihre Stimme auf der Strecke. Darf nur noch ab und an auftauchen, während die Produzenten sich mit ihren monotonen Rhythmen selbst den Bauch pinseln. Einzig im "Runaways mix" von "Baby blue" geht das Spiel auf, denn dort zurrt es in den Takten. Ansonsten bleibt alles in seinem Tempo, in seinen Linien und Strukturen. Nie besteht die Gefahr, dass etwas zu sehr umgekrempelt wird und etwas Spannendes dabei herauskommt. Dafür kann Torrini freilich wenig. Doch es bleibt das Gefühl, die Sache hätte interessant werden können, wenn sich die Dinge ein wenig über den Tellerrand verschoben hätten. Hits gibt es auf jeden Fall keine. Am Ende bleibt nämlich die Erkenntnis, dass sich diese nicht einfach so aus dem Hut zaubern lassen. Hier wird eben auch nur mit Eiswasser gekocht.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Wednesday's child
  • To be free
  • Baby blue
  • Baby blue (Runaways mix)

Tracklist

  • CD 1
    1. Dead things
    2. Wednesday's child
    3. Tuna fish
    4. To be free
    5. If you go away
    6. Weird friendless kid
    7. To be free (Futureshock vocal mix)
    8. To be free (Dillon & Dickens vocal remix)
    9. To be free (Raw Deal mix)
    10. Baby blue
    11. Baby blue (Rae & Christian remix)
    12. Baby blue (Runaways mix)
    13. Easy (Tore Johansson mix)
    14. Easy (Album version)
    15. Flirt (Slow blow)
    16. Easy (In the sunshine acoustic)
    17. Easy (In the rain acoustic)
  • CD 2
    1. Easy (Video version)
    2. Unemployed in summertime (Tore Johansson mix)
    3. 7-up days
    4. Tuna fish (Acoustic version)
    5. Unemployed in summertime (Dreemhouse radio mix)
    6. Unemployed in summertime (Dreemhouse mix)
    7. Unemployed in summertime (Junior's summertime mix)
    8. Unemployed in summertime (Batucada mix)
    9. To be free (Tore Johansson radio edit)
    10. To be free (Futureshock to be free vocal club mix)
    11. Unemployed in summertime (Dreemhouse unemployed club mix)

Gesamtspielzeit: 125:33 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
neeuw
2016-10-19 07:41:17 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=-8R2-s5pMI0
KaiPiranha
2010-10-09 20:51:34 Uhr
Seh ich das richtig, daß hier o.g. Album bisher nicht erwähnt wurde?

Liegt es daran, daß das Songmaterial nicht neu ist, oder ist die Frau nicht mehr "Indie" genug, weil sie das Pech hatte von einigen Radiosendern gespielt zu werden ?
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