Nouvelle Vague - Couleurs sur Paris

Nouvelle Vague- Couleurs sur Paris

Kwaidan / Barclay / Universal
VÖ: 12.11.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Entendez-vous français?

Quizfragen: Hat irgendwer schon einmal von Etienne Daho oder Elli & Jacno gehört? Kennt jemand Les Dogs, TC Matic oder Wunderbach? Bei wem klingelt es bei Namen wie Lili Drop, Jad Wio oder Marie-France? Langsam wird es klar: Hier geht's gerade sehr französisch zu. Alle genannten hatten zwischen 1977 und 1989 Hits in unserem größten Nachbarland. Wie gut, dass Frankreich eine Band hervor gebracht har, die nicht nur ihre Existenz, sondern auch ihren Namen der Musik verdankt, die damals en vogue war. Es war an der Zeit, dass sich Nouvelle Vague mit der New-Wave-Historie ihrer Heimat befassen.

Im Gegensatz zu "3", der angeblich letzten Platte mit New-Wave-Bezug, die Nouvelle Vague jemals machen wollten, bleiben musikalische Amerikanismen diesmal außen vor. Es ist wieder der trikolorisierte Bossanova, der für die weiche Klangtapete sorgt. Und so unterziehen Marc Collien und Olivier Libaux diesmal eben Songs mit Namen wie "Oublions l'Amérique", "L'aventurier" oder "Voilà les anges" ihrer Milchschaumkur. Jede Menge populärer Landsmänner und vor allem -frauen ließen sich gern ins Studio karren, um für "Couleurs sur Paris" die Gassenhauer ihrer Jugend zu recyceln.

Es sind nicht Frankreichs Markus', Hubert Kahs und Nenas, die hier mit Coverversionen bedacht werden. Auf Deutschland übertragen würde sich ein "Farben über Bonn" eher den Songs von Fehlfarben, Rheingold, Spliff oder Ideal widmen. Erfolgreich ja, aber niemals penetrant. Aber Namen wie Les Rita Mitsouko, KaS Product oder Indochine kennt man vielleicht doch auch hierzulande, ohne allzu frankophiler Popconnaisseur zu sein. Mit Songs von Taxi Girl und Mano Negra sind auch die ehemaligen Bands von Mirwais und Manu Chao dabei. Und eigentlich fehlen nur die großartigen Noir Desir für die Vollbedienung.

Es sind interessante Erst- und Zweitbegegnungen, die auf "Couleurs sur Paris" warten. Julien Doré sucht mit "Anne chercait l'amour" den Ausweg aus dem Liebeskummer. Helena Noguerra flirtet in Indochines "L'aventurier" mit Louis Ronan Choisy und natürlich dem Abenteuer. Yelle hat mit "Ophélie" ein nachtschwarzes Chanson dabei. Stephan Eichers "2 people in a room" ist zwar kein zweiter "Eisbär", aber Cocoon orientieren sich ohnehin eher an den Violent Femmes. "Oblions l'Amérique" hat auch ohne Punkeinschlag den nötigen Nachdruck. "Sandy Sandy" eiert charmant um eine knirschende Gitarre herum. "Sur ma mob" ist ein dubbiges Unterwelt-Dramolett. Coralie Clément bringt Taxi Girls "Je suis d´jà parti" eine resignierte Schlagseite bei. Und wenn es in "Mala vida" spanisch wird, ahnt man, wie spannend Manu Chaos Karriere vor "Bongo bong" war.

Doch nicht jeder Hüftschwung ist ein Treffer. Vanessa Paradis haucht "Week-end à Rome" über einer lieblos laminierten Straßenkarte. Die spannende Fusion von Bossanova mit Disco gerät mit "Putain putain" leider eher ungelenk. Und Adrienne Pauly geht für Les Rita Mitsoukos Überhit "Marcia baïla" der laszive Wahnsinn einer Catherine Ringier leider ab. Was natürlich auch am allzu braven Arrangement liegt. Dennoch bleiben Nouvelle Vague natürlich stets très doux. Es liegt nicht an ihnen, dass Deutsche den nötigen Nostalgie-Vorsprung für die Songs von "Couleurs sur Paris" einfach nicht besitzen. Tu étais jeune à l'époque?

(Oliver Ding)

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Highlights

  • L'aventurier (feat. Helena Noguerra & Louis Ronan Choisy)
  • Ophélie (feat. Yelle)
  • Mala vida (feat. Olivia Ruiz)
  • Oblions l'Amérique (feat. Nadeah Miranda)
  • 2 people in a room (feat. Cocoon)

Tracklist

  1. Voilà les anges (feat. Cœur de Pirate)
  2. L'aventurier (feat. Helena Noguerra & Louis Ronan Choisy)
  3. Week-end à Rome (feat. Vanessa Paradis)
  4. Putain putain (feat. Camille)
  5. Marcia baïla (feat. Adrienne Pauly)
  6. Anne cherchait l'amour (feat. Julien Doré)
  7. Ophélie (feat. Yelle)
  8. So young but so cold (feat. Charlie Winston)
  9. Sandy Sandy (feat. Soko)
  10. Mala vida (feat. Olivia Ruiz)
  11. Oblions l'Amérique (feat. Nadeah Miranda)
  12. Amoureux solitaires (feat. Hugh Coltman)
  13. 2 people in a room (feat. Cocoon)
  14. Sur ma mob (feat. Mareva Galanter)
  15. Déréglée (feat. Mélanie Pain)
  16. Je suis d´jà parti (feat. Coralie Clement)

Gesamtspielzeit: 57:19 min.

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