Norah Jones - ...Featuring

Norah Jones- ...Featuring

Blue Note / EMI
VÖ: 12.11.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Zwischen den Etagen

Norah Jones hat ein Problem, und das seit mittlerweile vier Alben. Auf ihrem ersten Album "Come away with me" von 2002 war es schon erkennbar, und es wuchs und wuchs und wuchs. Diese verzwickte Niedlichkeit. Nichts dass Norah Jones irgendwann einmal nicht vom Feuilleton gefeiert wurde, doch erntete ihre Nennung unter den Liebslingsmusikern eher ein Lächeln auf der anderen Seite der Konversation. Zu sanft sind ihre Töne, zart ihre Stimme. Ihre Musik ist so harmlos, man möchte sie im ersten Moment zwangsläufig mit einem rosa Pony in ein Poesiealbum kleben. Es ist die Stärke von Norah Jones, dass sie ihren Weg trotzdem unbeirrt gegangen ist, und auch auf ihrem letzten Werk "The fall" hielt sich der Wandel im Rahmen. Fahrstuhlmusik mag da jemand schimpfen, aber Norah Jones ist mehr. Das ist auch in der Musikerwelt bekannt, und so schaffte es Mrs. Jones, auf zahllosen Alben als Feature geführt zu werden. Die Liste der Kollaborationen ist lang und daher "...Featuring" nicht nur ein fanfreundliches Geschenk, das alle Nummern auf einer Platte vereint, sondern auch ein Mix an unterschiedlichen Stilen, die doch irgendwie zu einander gehören.

Da stehen die Foo Fighters mit der süßelnden Ballade "Virginia moon" so selbstverständlich drauf wie Outkast mit dem entspannten "Take off your cool". Und Jones' Stimme bettet sich selbst in beide Nummern wunderbar ein. Ein wenig schunkelt es sich dann in "Ruler of my heart" hin und her, wenn die Dirty Dozen Brass Band die Schallbecher quaseln lässt vor der verspielten Melodie. Belle And Sebastian lullen mit ihrem IndiePop ein. Die Drums werden gestreichelt, ein Klavier verirrt sich im Hintergrund, und die Orgel darf im Refrain summen. Alle Ansätze verschmelzen zu diesem runden Sound, der "...Featuring" bis zum Ende durchziehen könnte, doch das wäre zu simpel gestrickt. Deswegen bietet Mrs. Jones mit "Life is better" einen freshen HipHop-Track auf. Beats, Rhymes von Q-Tip und die Hook kommt von Norah. Das geht unglaublich gut zusammen. Doch nicht nur neben dieser Legende besteht die gute Frau. Die langsamen Takte von "Here we go again" dominieren Ray Charles und sie, auch wenn der Altmeister die Nummer schlussendlich doch irgendwie an sich reißen kann. Dafür säuselt Norah Jones dann in "Court & spark" von Herbie Hancock über lässige Jazz-Rhythmen.

Auch die hauseigenen Bands El Madmo und die Little Willies reihen sich ohne Probleme ein. Letztere spielen ihr Gemisch aus Pop und Country, auf und die Indie-Rock-Garagen-Formation um Mrs. Jones knapst mit Gitarre und simplen Takt. So richtig böse geht es an keiner Stelle zu, und "...Featuring" verkauft sich dann manchmal doch unter Wert. Experimente sind auch in den Gastauftritten von Norah Jones nicht zu finden, und trotzdem harmonisieren hier die Melodien. Jeder Ton greift in den nächsten, und der Gedanke, dass es sich bei dieser Platte um eine Zusammenstellung handelt, kommt gar nicht auf. Norah Jones verfestigt ihre Stil und lässt ihren weichen Sound die Gäste einfach schlucken. Weder die Foo Fighters, noch Outkast können sich da wirklich frei strampeln, jedoch passen sie gut in diese Klangwelten, die zwischen den Etagen schweben. Kein Oben, kein Unten. Bei Norah Jones gibt es selbst bei diesem fröhlichen Beerensammeln aus der Vergangenheit nur das Jetzt, dieses eine Tempo, diese eine Stimmung. Country, Pop und entfernte Jazzklänge reichen sich hier die Hände. Probleme lösen sich so trotzdem nicht. Dafür sind Fahrstuhlfahrten aber auch nicht gemacht.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Life is better (Q-Tip feat. Norah Jones)
  • Little Lou, ugly Jack, prophet John (Belle And Sebastian feat. Norah Jones)
  • Here we go again (Ray Charles feat. Norah Jones)

Tracklist

  1. Love me (The Little Willies)
  2. Virginia moon (Foo Fighters feat. Norah Jones)
  3. Turn them (Sean Beans feat. Norah Jones)
  4. Baby it's cold outside (Willie Nelson feat. Norah Jones)
  5. Bull rider (feat. Sasha Dobson)
  6. Ruler of my heart (Dirty Dozen Brass Band feat. Norah Jones)
  7. The best part (El Madmo)
  8. Take off your cool (OutKast feat. Norah Jones)
  9. Life is better (Q-Tip feat. Norah Jones)
  10. Soon the new day (Talib Kweli feat. Norah Jones)
  11. Little Lou, ugly Jack, prophet John (Belle And Sebastian feat. Norah Jones)
  12. Here we go again (Ray Charles feat. Norah Jones)
  13. Loretta (Live 2004, Norah Jones & The Handsome Band)
  14. Dear John (Ryan Adams feat. Norah Jones)
  15. Creepin' in (feat. Dolly Parton)
  16. Court & spark (Herbie Hancock feat. Norah Jones)
  17. More than this (Charlie Hunter feat. Norah Jones)
  18. Blue Bayou (Live in Austin, feat. M.Ward)

Gesamtspielzeit: 71:01 min.

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