Ray Davies - See my friends

Ray Davies- See my friends

Universal
VÖ: 05.11.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Kommt halt vorbei

Der Mann, der laut eigenen Angaben Heavy Metal erfand und lange Zeit das Sprachrohr der Arbeiterklasse in England war, ist nun zurück. Endlich, möchte man meinen. Im Zeitalter von Web 2.0 und Online-Streams wird es nämlich langsam Zeit, dass Ray Davies einen Wink an alte Fans von sich gibt und gleichzeitig neue gewinnt. Selbst die Beatles finden ja heute auf iTunes statt, und vor zwei Jahren kamen auch die remasterten Alben seiner Band The Kinks auf den Markt. Doch alte Hits mit alten und neuen Freunden erneut einspielen bereitet sicherlich genauso viel Spaß. Guten Freunden gibt man ein Küsschen, oder nicht? Töpfchen oder Kröpfchen, das ist hier die Frage - die auf "See my friends" ziemlich leicht zu beantworten ist.

Denn wie es Davies und Freunden gelungen ist, alte Kinks-Songs so lieblos zu inszenieren wie hier, bleibt ein Rätsel. Viele riecht nach Auftragsarbeit, auch wenn die Linernotes anderes verheißen. Wer sich an "You really got me" mit Metallica und an "Victoria" mit Mando Diao ergötzen kann, der muss schon hartgesotten sein oder schlicht vergessen haben, dass sich diese Songs einst auch durch Charme und nicht nur durch Power auszeichneten. Und wer diese beiden Stücke in der Neuauflage schon bestenfalls mäßig findet, wird bei "Celluloid heroes" nur noch mit dem Kopf schütteln können. Jon Bon Jovi und Richie Sambora machen den Song zu Popcorn-Breitwand-Pop, der auch zur Eiskonfektwerbung im lokalen Großraumkino laufen könnte. Doch es gibt auch Positives aus dem Hause Davies. Gewöhnlich ist eine zweite Stimme der große Hoffnungsträger, wenn es im Alter allein nicht mehr funktioniert - und "Waterloo sunset" im Duett mit Jackson Browne ist dann glücklicherweise eine auf Akustik- und Baritongitarre reduzierte Wohltat, die eine magische Stimmung erzeugt. Ebenfalls glänzen kann das eher auf das Wesentliche beschränkte und mit Banjo versehene "Days / This time tomorrow" dank der Mithilfe von Mumford & Sons. Ein Zweiteiler, der in dieser Form sogar auf "Sigh no more" einen guten Eindruck gemacht hätte. Der einzige Moment, warum "See my friends tatsächlich in Erinnerung bleiben wird, ist jedoch ein tragischer: "'Til the end of the day" ist wahrscheinlich die letzte Aufnahme von Alex Chilton, dem kürzlich verstorbenen Sänger von Big Star. Und welch eine Fügung, dass es hier heraussticht! Chilton hat sich dieses Kunstwerk das erste Mal schon vor 35 Jahren angeeignet und zaubert hier in Zusammenarbeit mit Davies einen kongenialen Zweieinviertelminüter aufs Parkett.

Wenn dieser verklungen ist, sollte deutlich geworden sein, wie bereichernd Duette sein können, wenn sie stilvoll und dezent eingesetzt werden. Auf "See my friends" ist leider oftmals nicht zu verstehen, wieso gerade diese oder jene Band in den Genuss eines Gastauftritts kommt - ebensowenig, warum fürs Booklet lediglich Davies und kein einziger seiner Mitstreiter abgelichtet wurde und man dort auch Kommentare und Anmerkungen der Gäste vergeblich sucht. So ist das Kröpfchen am Ende besser gefüllt als das Töpfchen. Und für manche Freunde hilft wohl eher ein Schüsschen. Zum Schöntrinken.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Days / This time tomorrow (feat. Mumford & Sons)
  • Waterloo sunset (feat. Jackson Browne)
  • 'Til the end of the day (feat. Alex Chilton)

Tracklist

  1. Better things (feat. Bruce Springsteen)
  2. Celluloid heroes (feat. Jon Bon Jovi & Richie Sambora)
  3. Days / This time tomorrow (feat. Mumford & Sons)
  4. Long way from home (feat. Lucinda Williams)
  5. You really got me (feat. Metallica)
  6. Lola (feat. Paloma Faith)
  7. Waterloo sunset (feat. Jackson Browne)
  8. 'Til the end of the day (feat. Alex Chilton)
  9. Dead end street (feat. Amy Macdonald)
  10. See my friends (feat. Spoon)
  11. This is where I belong (feat. Black Francis)
  12. David Watts
  13. Tired of waiting (feat. Gary Lightbody)
  14. All day and all of the night / Destroyer (feat. Billy Corgan)
  15. Victoria (feat. Mando Diao)

Gesamtspielzeit: 52:39 min.

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