Professor Green - Alive till I'm dead

Professor Green- Alive till I'm dead

Virgin / EMI
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bauernschlau im Großstadtdschungel

Das Leben meinte es nicht immer gut mit Stephen Paul Manderson. Ein weißer Junge aus Hackney, einem der ärmsten Stadtbezirke Londons, der in einer zerrütteten Familie aufwuchs, die durch den Selbstmord des Vaters endgültig zerbrach. Manderson, der den Großteil seiner Jugend bei seiner gutmütigen Großmutter verbrachte, fing an Drogen zu verticken und an Rap-Wettbewerben teilzunehmen. Irgendwann kam der Erfolg: Er gewann ein Battle nach dem anderen und hörte mit der Dealerei auf. So weit, so archetpyisch. Man denkt an Eminem und seinen Oscar-prämierten Blockbuster "8 Mile" und fragt sich insgeheim, ob auch ohne eine solche Vergangenheit eine große Rap-Karriere möglich ist.

Erblickt man das Cover das Debüts von Manderson a.k.a. Professor Green, so fällt einem die zentimeterlange Narbe auf, die er provokant zur Schau stellt: Das Resultat einer Rangelei, in die er einst verwickelt war und dabei unliebsame Bekanntschaft mit einer abgebrochenen Bierflasche machte. Trotz dieser rauen Vergangenheit wirkt sein programmatisch betiteltes Debüt "Alive till I'm dead" ungewöhnlich zutraulich. Professor Green flirtet auf jedem der zwölf Tracks mit dem bunten Vogel Pop und treibt diese Liaison mit dem prächtigen Single-Hit "Just be good to Green" auf die Spitze: Gemeinsam mit Zuckerschnute Lily Allen wird das Beziehungsleben gelangweilter, britischer Mittzwanziger auf ironische Weise beleuchtet. Dabei klingt Professor Green immer wie das uneheliche Kind von Mike Skinner und Eminem. Wie auch immer die beiden das geschafft haben.

Im derben, rockigen "City of gold" sucht Green keineswegs das Eldorado, sondern stellt vielmehr mit ernüchterten Worten fest: "The city I'm in / Is less like the city of gold / More like the city of sin." Als typischer Working-Class-Hero erzählt Manderson Geschichten aus den entlegensten und gefährlichsten Winkeln Londons, wirkt dabei aber stets charmant und oft auch etwas bauernschlau. Das zurückgelehnte, soulig-verspielte "Where do we go" zeigt die weiche Seite eines toughen Typens, der auch mal einer Verflossenen nachtrauern kann: "She's so much more than a body / She's perfect / I knew it would hurt / But it was worth it." In solchen Momenten manfestiert sich die Größe dieses jungen Rappers, der eben weit mehr ist als der neueste UK-Rap-Import.

So präsentiert "Alive till I'm dead" viele Facetten eines Künstlers, der nicht nur stolz seine Narben zeigt, sondern auch sein Innenleben nach außen kehrt und dabei selten den unverletzlichen Macker markieren muss. Für einen ziemlich typischen Rapper ist Professor Green geradezu untypisch. Sein Wesen bringt er indes am besten selbst auf den Punkt: "My angel face is disguise for the devil inside."

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Kids that love to dance (feat. Emeli Sandé)
  • Just be good to Green (feat. Lily Allen)
  • I need you tonight (feat. Ed Drewett)
  • Where do we go (feat. Shereen Shabanaa)

Tracklist

  1. Kids that love to dance (feat. Emeli Sandé)
  2. Just be good to Green (feat. Lily Allen)
  3. I need you tonight (feat. Ed Drewett)
  4. City of gold
  5. Oh my god (feat. Labrinth)
  6. Jungle (feat. Maverick Sabre)
  7. Do for you
  8. Falling down
  9. Monster (feat. Example)
  10. Closing the door (feat. Fink)
  11. Where do we go (feat. Shereen Shabanaa)
  12. Goodnight

Gesamtspielzeit: 42:52 min.

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