Mando Diao - MTV unplugged - above and beyond

Mando Diao- MTV unplugged - above and beyond

Vertigo / Universal
VÖ: 12.11.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wahre Größe

Großmäulig waren sie schon immer. Bereits nach Veröffentlichung ihres Klassiker-Debütalbums "Bring 'em in" verkündeten Mando Diao, dass ihr Aufstieg zur größten Band des Planeten eh nur eine Frage der Zeit sei. Die Beatles und Oasis? Klar, Vorbilder, und schon irgendwie erfolgreich und so. Aber Mando Diao würden das alles sowieso in den Schatten stellen. Die Weltherrschaftspläne muteten immer niedlicher an, je regelmäßiger die Schweden solide bis ziemlich gute Garage-Britpop-Platten nachschoben, die zwar großen Anklang fanden, aber weit von riesigen Blockbuster-Verkäufen entfernt waren. Bis Anfang des letzten Jahres "Give me fire" inklusive der Hitsingle "Dance with somebody" um die Ecke kam.

Die Disco-Hymne stürmte sämtliche Radiosender und Charts und zog das Album mit auf Spitzenpositionen in ganz Europa. Mit dem fünften Album schienen Mando Diao endgültig den Weg in den Pop-Olymp eingeschlagen zu haben. Da ergibt ein Unplugged-Album als nächster Schritt absolut Sinn. Wer nun aber deswegen die einst so rüpelhaften Garagenrocker endgültig in einer Reihe mit anderen Akustik-Sündern aus dem Mainstream platzieren will, wird überrascht feststellen, dass Mando Diao das Unplugged-Abenteuer erfreulich souverän und unpeinlich meistern.

Denn das Quintett nutzt den Akustik-Rahmen nicht wie so manch anderer Künstler als schamlose Werbung für das aktuelle Album. Vielmehr haben Mando Diao tief in der eigenen Schatzkiste gewühlt und für das 24 Songs starke Set einige Juwelen vergangener Tage ausgegraben. Das tolle "Mr. Moon" etwa, das Björn Dixgard und Gustaf Norén eigentlich gar nicht mehr so gerne live spielen. Oder B-Seiten wie "How we walk", "Hail your sunny days", "Chet Baker" und "Your lovers nerve". Zudem zerren sie mit "No more tears" ein halbfertiges, ziemlich altes Demo aus der Schublade und machen daraus eine schmissige Schunkelnummer.

Überhaupt gehören neue Arrangements von bekannten Gassenhauern bei Unplugged-Shows zum guten Ton. Und auch wenn es auf den ersten Blick schockieren mag, dass Mando Diao ausgerechnet das herrlich rotzige "Sheepdog" in einen Mundharmonika-Blues ummodeln - es funktioniert. Ebenso wie "Dance with somebody" als eindringlich vorgetragene Klavier- und Streicherballade. Nicht nur hier haucht der reduzierte Rahmen einem ausgelutschten Lied neues Leben ein. "Gloria" zum Beispiel ist in dieser Fassung der Studioversion klar überlegen, auch die Single "Down in the past" groovt noch großartiger als das ohnehin schon gute Original.

Auch bei den unvermeidlichen Gastfeatures können die Schweden positiv überraschen. Mit ihrem Idol, Kinks-Frontmann Ray Davies, intonieren die beiden Frontmänner eine zackige Version seines Sixties-Klassikers "Victoria". Juliette Lewis versucht sich als Femme Fatale an einem verruchten Duett mit Norén, sorgt aber mit "High heels" für den einzigen kleinen Schwachpunkt eines erstaunlich großen Musik-Dokuments. Die größte Überraschung gelingt Mando Diao jedoch mit dem Auftritt von Daniel Haglund: Bei Bandgründung war er noch Stammkeyboarder, später wurde er eher unschön weggemobbt, war jahrelang spinnefeind mit Dixgard und Norén und ist nun aber als Gastmusiker wieder dabei.

Man sieht: Das gesamte Konzert umgibt eine herzliche, stimmungsvolle und entspannte Atmosphäre. Mando Diao scheinen mit sich, ihrer Vergangenheit und der möglicherweise strahlenden Zukunft im Reinen, haben ihre rüpelhafte Großmäuligkeit aber nicht völlig abgelegt. File under: "Stilvolle Beschallung fürs Auspacken der Weihnachtsgeschenke". Wer sich eingehender mit "Above and beyond" beschäftigen will, sollte sich jedoch unbedingt die Limited Edition mit dem kompletten Konzert zulegen, auf der sich unter anderem leidenschaftlich vorgetragene Versionen von "Song for Aberdeen", "Mean street" und "Ochrasy" befinden. Oder gleich das Konzertvideo auf DVD, um sich von der pompösen Bühnenkonstruktion davon überzeugen zu lassen, dass Mando Diao immer noch größenwahnsinnig sind.

(Mark Read)

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Highlights

  • Sheepdog
  • Dance with somebody
  • Down in the past
  • Victoria

Tracklist

  1. Long before rock'n'roll
  2. Sheepdog
  3. Losing my mind
  4. Gloria
  5. All my senses
  6. Dance with somebody
  7. High heels
  8. Down in the past
  9. How we walk
  10. No more tears
  11. Mr. Moon
  12. Hail the sunny days
  13. Victoria
  14. If I don't live today, then I might be here tomorrow
  15. God knows

Gesamtspielzeit: 55:38 min.

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