Die Charts - Chartism

Die Charts- Chartism

Dian / Broken Silence
VÖ: 29.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Die Hinterlistigen

Immer diese Listen. Schlimm ist das. Besonders zum Jahresende, wenn einen jeder nach seinen liebsten Alben, Songs, Filmen und Schmusedecken der letzten zwölf Monate fragt und das Ganze am besten noch in schriftlicher Form haben möchte. Die Charts machen da schon lange nicht mehr mit: Sie sind ihre eigene Liste. Ob sie ihren Namen nun als hämische Antithese zu den Hitparaden verstehen, die sie im Leben nicht auch nur aus der Ferne sehen werden, oder als Kommentar zu den während der Finanzkrise ins Bodenlose gefallenen Börsenkursen - das bleibt genauso unklar wie der Fortbestand von Schneller Autos Organisation, der Band, aus der diese etwas anderen Hamburger Diskursrocker hervorgingen. Falls diese Bezeichnung hier überhaupt gerechtfertigt ist.

Denn unrockistischer als die Band um Nils Schuhmacher und Rebecca Oehms kann man wahrlich kaum zu Werke gehen. Bereits ihr erstes Album "Die guten und die schlechten Zeiten sind vorbei" bestritten Die Charts mit weit nach vorne gemischtem, akzentuiertem Gesang, Tastenvariationen von Dampforgel bis Pianoklimpern und ohne Gitarre - und wichen so entscheidend vom punkigen, dunkelgrauen Indie-Rock von Schneller Autos Organisation ab. Dass das Line-Up nun um einen Schlagzeuger und einen Bassisten erweitert wurde, hat schon fast etwas von einem Zugeständnis. Nicht, dass noch irgendjemand sagt "Ich verachte Euch für Eure Kleinkunst zutiefst".

Aber sollen sie doch alle reden. Das können Die Charts nämlich schon lange. Schuhmacher skandiert und philosophiert listig über Filmfestivals als Spiegel der Realität, Unzulänglichkeiten des Kulturbetriebes und eine Welt, mit der man sich wohl oder übel arrangieren muss: "Hallo Herbst / Du bist mein Freund jetzt / Was bleibt mir übrig? / Du bist in jedem Fall ja da." Oehms spielt dazu loopige Pianolinien und verdichtet zusammen mit der Rhythmusgruppe diesige Orgelwölkchen zu einem absonderlichen Groove. Postmoderner Electro-Pop? Hamburger Chanson-Schule? Intellektueller Tanztee? Man sieht schon: Diese Band bringt jede Schublade zum Klemmen.

Und kocht dabei ihr Süppchen auf so kleiner Flamme, dass es zwar selten überschäumt, dafür aber beständig brodelt. Wie der kreiselnde Opener "Kopfding" oder der vergleichsweise groß angelegte Refrain von "Noch ein Satz mit ich", das genauso zögerliche Schritte Richtung Tanzfläche wagt wie das bassig pumpende "Im Staub". Nur vereinzelt schleichen sich Dissonanzen ein: "Siegen mit der Kunst" humpelt zunächst auf dem Backbeat von "Break on through" vorwärts und lässt dann ungemütlich schmorendes Georgel auf zweistimmigen Gesang prallen, und im letzten Drittel des Rausschmeißers "Ruinien" ätzt wie zum Hohn eine Gitarre, mit der nun wirklich niemand mehr gerechnet hat. Die Charts werden das grinsend zur Kenntnis nehmen - und am Ende vielleicht doch noch auf der einen oder anderen Bestenliste landen. Für "Chartism" hätten sie es mal wieder verdient.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Kopfding
  • Noch ein Satz mit ich
  • Siegen mit der Kunst
  • Im Staub

Tracklist

  1. Kopfding
  2. Hals
  3. Europäischer Film
  4. Noch ein Satz mit ich
  5. Trüffelschwein
  6. Warmer See
  7. Siegen mit der Kunst
  8. Im Staub
  9. Chartism
  10. City Nord und etc.
  11. Ruinien

Gesamtspielzeit: 37:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
retro
2010-12-10 08:58:13 Uhr
mich würde eher interessierten, wie denn die "schneler autos organisation" so war?
Frollein
2010-11-25 22:26:02 Uhr
DIE CHARTS haben eine neue platte raus, "Chartism". kann einer von euch was damit anfangen oder hat sie schon gehört?

die charts sind das "neue" projekt vom sänger der schneller autos organisation. ich fand die erste charts-platte "die guten und die schlechten zeiten sind vorbei" schon sehr gut.

also. fans?
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