Soundgarden - Telephantasm

Soundgarden- Telephantasm

A&M / Universal
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Für den Moment

Als Grunge noch nicht wusste, wer oder was er war, und vor allem MTV noch nicht wusste, zu wem oder was er werden muss - da war all der Druck noch zugegen, all die Wut, all der Wahnsinn zwischen Metal, Punk und Blues. Bei allem Superstardom wird oftmals auch die nervöse Wucht vergessen, die Soundgarden in ihrer Frühphase auf dem Hörer abluden. Und auch später war Power-Riffing à la Nirvana weder ihr einziges Mittel noch überhaupt Ansatz ihrer Musik. Dennoch meint manch einer noch heute, das ganze Elend habe begonnen, als Chris Cornell sich nicht nur die Haare stutzte, sondern auch noch wusch, seine Hosenbeine scherenschnittfrei beließ und zu allem Überfluss seine Hemden zuknöpfte, den Poritzenbart aber stehenließ. Also so ziemlich genau zu Zeiten von "Superunknown" und "Black hole sun". "I'm looking California / And feeling Minnesota." Schon klar.

"Telephantasm" widmet Debüt und Nachfolger auf Doppel-CD und DVD nun ein gutes Viertel seiner Spielzeit und macht als dieses komische, halbgare Ding, das es geworden ist, auch sonst erstaunlich viel Spaß. Weil sich der Rückblick auf diese Band von vornherein lohnt: An der Art und Weise, wie Matt Camerons Schlagzeug die Tribalansätze von "Jesus Christ pose" und "Spoonman" oder die ungeraden Takte von "My wave" und "Outshined" in klotzenden Groove verwandelt, lässt sich abschätzen, was sich etwa Neurosis, die Foo Fighters oder gar Sepultura dabei gedacht haben. Dass Chris Cornells Stimmbänder ebenso konsequent auf Led Zeppelin feuern wie Kim Thayils Leadgitarre, wäre selbst dann nicht weniger wert, wenn beides nicht in derart perfekter Manier aufspielen würde. Und auch all die Staubschlucker von Kyuss und den Folgenden waren sich mit Soundgarden nicht nur in der Wüstenthematik, sondern auch musikalisch überaus einig.

So kann der Hörer auch auf der nahezu kompletten Videographie dem multiplen Stilwechsel hinterherspüren. Vom verwaschenen Schwarz-Weiß der Frühzeit, durch das Soundgarden ihre Matten schüttelten und in abgewrackten Industrieanlangen vandalierten, zu den blindmachenden Farben von "Jesus Christ pose" war der Schritt letztlich kein besonders großer. Gleichzeitig schafft es auch das Multicolor von "Black hole sun" und "Burden in my head" erstaunlich gut, hinter der Musik zurückzutreten. Dass Soundgarden bis zum allerletzten Ton viel besser klangen, als sie sich inszenierten, ist eine schöne, nahezu versöhnliche Erkenntnis. Und die wäre ohne dieses Paket höchstens an einem nostalgischen Abend zwischen Stereoanlage, YouTube und YourFavouriteRauschmittel zu haben gewesen.

Sprich: "Telephantasm" funtioniert, und zwar obwohl der Hörer ganze vier Mal "Pretty noose" um die Lauscher bekommt - und so manch anderes doppelt bis dreifach. Obwohl erneut bewiesen wird, dass Soundgarden zum Video von "The day I tried to live" erstmals nach Nirvana aussahen, um in einem unendlich schwachen Moment wie "Fell on black days" auch noch nach ihnen zu klingen. Obwohl das Photoshop-Gestammel von Neurosis-Hausdesigner Josh Graham keinesfalls zum Verweilen einlädt und sich "Telephantasm" nie so recht zwischen A-Seiten-Sammelwahn, Versionen-Tetris und Diskographiesnippets entscheiden mag. Die Song-Auswahl bleibt jedoch sehr ordentlich, zeigt sich keinesfalls als reine Cornell-Show und produziert angenehme Kurzweil. Für den Moment darf das durchaus ausreichen. Denn einen Moment in eine Retrospektive zu stanzen - das will auch erst einmal geschafft sein.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Beyond the wheel
  • Hands all over
  • Room a thousand years wide (Single version)
  • Slaves & bulldozers
  • Jesus Christ pose (live)
  • My wave
  • Superunknown
  • Spoonman
  • Dusty

Tracklist

  • CD 1
    1. All your lies
    2. Hunted down
    3. Fopp
    4. Beyond the wheel
    5. Flower (BBC session)
    6. Hands all over
    7. Big dumb sex
    8. Get on the snake (live)
    9. Room a thousand years wide (Single version)
    10. Rusty cage
    11. Outshined
    12. Slaves & bulldozers
  • CD 2
    1. Jesus Christ pose (live)
    2. Birth ritual
    3. My wave
    4. Superunknown
    5. Spoonman
    6. Black hole sun
    7. Fell on black days (Video version)
    8. Burden in my hand
    9. Dusty
    10. Pretty noose (live on SNI)
    11. Blow up the outside world (MTV Live 'N' Loud)
    12. Black rain
  • DVD 1
    1. Flower
    2. Hands all over
    3. Loud love
    4. Jesus Christ pose (Original version)
    5. Outshined
    6. Rusty cage
    7. My wave
    8. Spoonman
    9. The day I tried to live (uncensored)
    10. Black hole sun
    11. Fell on black days
    12. Pretty noose (uncensored)
    13. Burden in my hand
    14. Blow up the outside world (uncensored)
    15. Spoonman (Mash-up version)
    16. The day I tried to live (European version)
    17. Superunknown
    18. Pretty noose (International version)
    19. Pretty noose (Alternate ending)
    20. Blow up the outside world (censored)

Gesamtspielzeit: 209:41 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Rainer der Dorfschulze
2010-11-25 20:04:48 Uhr
Ich bin froh über die Scheibe von Soungarden,ihr Westjammerlappen, und ich hoffe dass die Brüder nach Berlin kommen und uns Osttitten ordentlich einheizen...

Ihr könnt ja zu Pearl Jam in die Wuhlheide gehen, Eddie zuhören und euer Jurkenhals wird immer dicker und mitjammern und nachher zu eurer Alten im Bette sagen... oh wa ditt schön...

ULTRAMEGAOK
oh man
2010-09-25 23:09:01 Uhr
temple of dog sind sowas von überbewertet.
sup pop
2010-09-25 23:03:12 Uhr
grauenhaft! wer braucht das???????
anno
2010-09-25 22:55:20 Uhr
wer produziert? Timbaland?
nörtz
2010-09-25 21:45:41 Uhr
Solange das, was sie produzieren, brauchbar ist, sind sie noch lange nicht durch.
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