Shad - TSOL

Shad- TSOL

Black Box / Decon / Groove Attack
VÖ: 05.11.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

The fresh prince

Und plötzlich sind es nur noch Buchstaben. Ein Abkürzungswahn geistert durch die Welt, die keine Zeit mehr hat, um überflüssige Vokale einzupflegen. Zum Verständnis reichen die Rudimente eines Worts doch vollkommen aus. Da muss einem ein Mann wie Shad schon sympathisch sein, der sein drittes Album "TSOL" nennt. Was das bedeutet? Das weiß er womöglich selbst nicht, es klingt aber nett. Wer allerdings Zeilen droppt wie "I want a Claire Huxtable" und den Fresh Prince in seinen Videos gibt, hat sowieso irgendwie schon gewonnen. Was nun als Vermutung nahe liegt, bestätigt Shad auch musikalisch gerne. Die Beats von "TSOL" atmen Boom Bap. Bei Shad gibt es keine aufgeladenen Elektronik-Eskapaden, sondern einen satten Kopfnicker-Sound, der an viele Aufnahmen Anfang der Neunziger erinnert.

Das setzt direkt mit "Rose garden" ein, das die ewige Schwester Soul im Refrain heranzieht. Der Beat geht direkt rein, und Shads Flow läuft da wie geschmiert drüber. Auch in "Lucky 1's" geht der Trick auf. Die Scratches sitzen, und Ian Kamau läuft als Feature auf. "Axe never touch trees meaning I don't puff weed / But I hope to plant much seeds before I must leave." Shads Zeilen sind intelligent und genau auf den Punkt. Conscious im guten, HipHop im besten Sinne. Keine stumpfen Wortspiele, kein Zwang, sondern ein unaufgeregter Flow, der sich durch alle Tracks auf dem Album zieht. "Call waiting" drückt seine Weisheiten dann mit ein paar Synthiesounds auf, bevor "Yaa I get it" mit seinem breiten Beat so ziemlich alles zur Seite schiebt und mit seinen Rhymes ein paar Handkantenschläge verteilt. "I'm Jesse James meets Jet Li / Killin' these fakes at break-neck speed." Wenig später fährt dann "At the same time" die komplette textliche Stärke auf, die Shad besitzt. Es geht um Verwunderung, Gefühle, Unverständnis und Musik. Die Worte verkommen nicht zur hohlen Phrase, sondern bekommen ihre Bedeutung erst dadurch, dass sie Shad über die Lippen gehen.

Erst "We, myself and I" zündelt dann wieder mit einer Gitarre, mischt die Scratches und Rhymes zu einer Wucht, die den Rausschmeißer gibt. Es ist einfach unglaublich, welche Raffinesse und Straffheit "TSOL" durchzieht, wie toll die klare Produktion zu der Platte passt und wie Shad ohne Probleme über all dem steht. "Music is a great way to heal / And a safe place to feel." Shad hat die Zeile aus "Listen" selbst verinnerlicht und macht jeden Track einzigartig und doch passend in das Mosaik, das "TSOL" aufzieht. Die Leichtigkeit fliegt nur so über die Dreiviertelstunde, in der sich die Beats entfalten können. Shad schielt nicht Richtung Zukunft und nimmt aus der Vergangenheit nur die Erfahrung, kopiert nicht ihren Sound. Der Kopf nickt mit, der Groove passt in jeden Schuh. Irgendeine Zeile wird es schon schaffen, im Gehörgang zu bleiben, versprochen. Und dann sind Buchstaben plötzlich sogar mehr als Worte.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Rose garden
  • Lucky 1's
  • Yaa I get it
  • At the same time

Tracklist

  1. Intro
  2. Rose garden
  3. Keep shining
  4. Lucky 1's
  5. AGOODNAME
  6. We are the ones (Reservoir poetry)
  7. Telephone
  8. Call waiting (Interlude)
  9. Yaa I get it
  10. Listen
  11. At the same time
  12. We, myself and I
  13. Outro
  14. Bonus Track

Gesamtspielzeit: 44:24 min.

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