Robbie Williams - In and out of consciousness - Greatest Hits 1990-2010

Robbie Williams- In and out of consciousness - Greatest Hits 1990-2010

Chrysalis / Virgin / EMI
VÖ: 08.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Das Rampenferkel

Die Akte "Solo" scheint geschlossen. Das war's. Robbie Williams verspürt nach eigenen Angaben keinen Drang, in naher Zukunft seine Solokarriere fortzusetzen. Seine Zukunft gehört Take That. Wie zum Beleg startet die Retrospektive mit den einzig beiden neuen Songs "Shame" und "Heart and I", aufgenommen mit Gary Barlow, und sie endet mit "Everything changes", dem einsamen Indiz der Take-That-Vergangenheit. Der Song dient als Schlagzeile der anstehenden Veränderung und ist ein erneuter Knicks vor Songwriter Barlow. Bebilderungen im CD-Inneren und Booklet tun ihr Übriges, setzen bildlich einen Schlussstrich und hinterlassen eine wehmutige Note.

Bereits beim erstmaligen Kontakt erweckt "In and out of consciousness - Greatest Hits 1990-2010" Erinnerungen an die Anfangszeit, als das unterdurchschnittliche Cover von "Freedom" wenig Ruhmreiches erahnen ließen. Damals als Williams mit "Old before I die" und "South of the border" Oasis nacheiferte, sich daraus gepflegte Hass-Predigten der Gallaghers entwickelten, und das Interesse am einstigen Boyband-Mitglied schwand. Dann kam "Angels", veränderte Williams' Wahrnehmung, seinen Erfolg und nicht zuletzt auch seine Zukunft. Selten hatte in den letzten Jahren ein Song derart deutlich den Wendepunkt einer Künstlerkarriere markiert. All seine Phasen erleben eine Art Exhumierung, die Sinatraisierung zu "Swing, when you're winning", der leise Abstieg des Entertainers aus dem Größenwahn zu Zeiten von "Intensive care", der brutale Absturz mit dem electro-experimentierfreudigen "Rudebox", das lautstark angekündigte und doch leicht verpuffte Comeback im Vorjahr bis letztlich zum "Brokeback Mountain"-Schmusekurs in "Shame".

Das Album gibt sich keine Mühe, die Singles der zurückliegenden Jahre neu zu arrangieren, mit jedem Song purzelt der Hörer einfach ein paar Monate im Erscheinungsturnus zurück. Zwar fällt dann auch auf, dass 1990 den Start von Williams musikalischer Arbeit markiert und nicht den Beginn seiner Solokarriere, aber das wäre zum Anprangern zu pedantisch. Stattdessen füllt man das Feuerzeug noch einmal schnell nach, schmachtet zu "Angels" und "Feel" (wohl aus Platzgründen hier mit Fade-Ende), erkennt "No regrets" als einen großen Song, schnipst lässig im Jacket, um bei "Mr. Bojangles" möglichst cool zu wirken, staunt immer wieder über die Selbsttherapie in "Come undone" und fragt sich, ob "Let me entertain you" auch in dreißig Jahren noch von mittelmäßigen Top40-Coverbands gespielt wird?

Das war's also? Was, wenn die geteilte und damit so wohltuende Aufmerksamkeit und Verantwortung in der Popwelt nicht mehr genug ist. Ihm oder den alten neuen Bandkollegen. Nächstes Jahr, in ein paar Jahren, irgendwann? Dann streift sich Williams vielleicht doch wieder das Entertainer-Dress über den häuslichen Wollpullover. Solange noch ein Rampenferkel in ihm grunzt, er sich seine amüsante Extravaganz bewahrt und nicht in der Ehe mit Ayda Field ablegt, fühlt es sich falsch an, etwas wie "Rob has left the buidling" oder "Tschüss" zu schreiben. Das will nicht so recht über die Tasten gehen, die Worte eines auf Plattentests.de vermutlich erstmals zitierten Freddie Quinn dagegen schon: "Schön war die Zeit." Auf Wiederhören.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Advertising space
  • Come undone
  • The road to Mandalay
  • No regrets

Tracklist

  • CD 1
    1. Shame
    2. Heart and I
    3. Morning sun
    4. You know me
    5. Bodies
    6. She's Madonna
    7. Lovelight
    8. Rudebox
    9. Sin sin sin
    10. Advertising space
    11. Make me pure
    12. Tripping
    13. Misunderstood
    14. Radio
    15. Sexed up
    16. Something beautiful
    17. Come undone
    18. Feel
    19. Mr. Bojangles
  • CD 2
    1. I will talk and Hollyoowd will listen
    2. Somethin' stupid
    3. The road to Mandalay
    4. Eternity
    5. Let love be your energy
    6. Supreme
    7. Kids
    8. Rock DJ
    9. It's only us
    10. She's the one
    11. Strong
    12. No regrets
    13. Millennium
    14. Let me entertain you
    15. Angels
    16. South of the border
    17. Lazy days
    18. Old before I die
    19. Freedom
    20. Everything changes

Gesamtspielzeit: 156:27 min.

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