Crash:Conspiracy - <>

Crash:Conspiracy- <>

IME / Rough Trade
VÖ: 12.11.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Rette Deine Freiheit

2017. Die deutsche Regierung sorgt für Sicherheit. RFID-Chips in Pässen und Ausweisen erlauben Bewegungsprofile, Zensur hört auf den harmlosen Namen "Zugangskontrolle", und längst haben Youtube und Facebook Hintertüren für die Obrigkeit installiert. Globalisierte Konzerne nehmen immer mehr Einfluss auf die Öffentlichkeit, in dem sie die Freiheitsvorstellungen ihrer chinesischen Zentralen umsetzen. Neuerdings setzt das BKA sogar Brainscanner ein, um Widerstand bereits zu brechen, bevor er überhaupt auftritt. Doch der regt sich: Um das Apollon-Blog hat sich nach dem Tod seines Gründers ein Netzwerk gegen die zunehmende Überwachungskultur gebildet. Auch die Band Crash:Conspiracy um einen gewissen Ino Control gehört dazu, doch wegen ihrer aufrüttelnden Musik werden ihr republikweit Auftrittsmöglichkeiten verwehrt. Schöne neue Welt.

2010. Die Fernsehserie "Alpha 0.7 - Der Feind in Dir" wird im November erstausgestrahlt. Sie erzählt von der dystopischen Gesellschaft des Jahres 2017, begrenzt sich dabei als erste deutsche Transmedia-Serie aber nicht auf das Fernsehen. Parallel läuft unter http://www.alpha07.de/ ein Alternate-Reality-Game. Düstere Videoschnipsel und unruhige Musik sorgen in Blogs und sozialen Netzwerken für mulmige Unruhe. Seltsame Runen tauchen quer durchs deutschsprachige WWW auf. Im Radio wird die Geschichte als Hörspiel weitergeführt. Und mittendrin erscheint mit "<>" das Debütalbum von Crash:Conspiracy. Virales Entertainment.

Frontmann Ino Control entpuppt sich schnell als Aydo Abay. Seine Experimentierfreude hat den Ken-Anführer für "<>" in elektronische Gefilde geleitet, die einen stimmungsvollen Blick in eine hypothetische Zukunft erlauben. Statt verstörender Avantgarde erwartet den Zuhörer dort aber eher unterkühlter Retrofuturismus. Housebeats, New-Age-Elektronik, Wave-Gitarren und Synthpop-Ästhetik treffen auf Abays Händchen für minimalistische Melodien. Die sphärisch-clubbige Atmosphäre vieler Tracks erinnert dabei bisweilen an Dazerdoreal, denen vor Jahren mit "Hard disc to hell" und "L'autiste" indietronische Meisterwerke gelungen waren. Und Abay befindet sich seit seinem Ausstieg bei Blackmail auf einem kreativen Höhenflug.

Dabei mag "<>" angesichts der gesellschaftlichen Brisanz der fiktiven Band Crash:Conspiracy mitunter fast verzagt klingen. Agit-Punk klingt jedenfalls völlig anders als dieser besinnlich-verschwörerische Indie-Pop. Statt brettharter Riffs setzen Crash:Conspiracy auf resignative Harmonien und subtile Verschiebungen. Konsumkritik und Aufruhr lauern schließlich in den Texten. "Protester" gleitet auf warmen Bässen auf analoges Blubbern zu. "Sleeplab" übt den elektronischen Mindfuck. Ein molliges Klavier treibt "Monotype" an, und Abay beschwört die hymnische Verweigerung zu Zerrgitarren: "These companies, they keep me in suspense." In "Wright", "The escapist" und "Slowsand" hingegen pumpen Sägezahn-Bässe, während Filter, Effekte und Acid-Bleeps den allgemeinen Stoizismus aufrütteln. Bei "Moonlit" sorgen dann ein wuchtiger Chor und zwitschernde Synths für Pop-Schlüsselreize. Damit rufen Crash:Conspiracy zwar nicht die digitale Revolution aus, aber "<>" sorgt für beeindruckend eingängigen Protest. Der ist schließlich nicht erst 2017 notwendig. Sondern gestern, heute und morgen.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Protester
  • Monotype
  • Wright
  • Moonlit
  • Slowsand

Tracklist

  1. <
  2. Protester
  3. Sleeplab
  4. Monotype
  5. 2014
  6. Wright
  7. Moonlit
  8. Grey
  9. The escapist
  10. Slowsand
  11. Pretester
  12. Everything
  13. >

Gesamtspielzeit: 50:42 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum