Tame Impala - Innerspeaker

Tame Impala- Innerspeaker

Modular / Rough Trade
VÖ: 05.11.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die leisen Stimmen

Der Mensch ist ein Tier, das in Herden herumläuft, wie es einmal ein berühmter Aphoristiker ausdrückte. Und tatsächlich drohte der Musikhörer in den letzten Jahren unter einer neuerlichen Stampede von Blumenkindern unterzugehen. Überall Freak Folk, Indie-Psychedelia und Gruppen, denen die Vollbärte in die Instrumente baumeln - kein Wunder, dass man da manchmal seine Ruhe haben will, sogar als Musiker wie Kevin Parker. Der Australier weiß nämlich zuweilen selbst nicht zu sagen, ob es sich bei Tame Impala - übrigens nach einer Antilopenart und damit einem Tier benannt, das in Herden herumläuft - nun um ein Soloding oder doch um eine komplette Band handelt.

Die Grenzen sind jedenfalls fließend auf dem Debüt des ... nennen wir es einmal psychedelischen Kollektivs aus Perth. Mal werkelt Parker allein im Studio, mal zusammen mit seinen drei Mitmusikern. Und erntete damit für "Innerspeaker" in der Heimat reichlich Lorbeeren sowie einen Platz unter den Top 5 - obwohl bei Tame Impala das Gehör zuweilen ähnlich schwierig zu fixieren ist wie der Blick angesichts der x-fach gedoppelten Landschaft auf dem Cover. Die Gitarre spielt auf einem Kanal zwirbelnde Mantras, während auf dem anderen dichte Keyboardschwaden aufziehen, die Rhythmusspuren schräg vorwärts torkeln und der Gesang aus einer weich gepolsterten, von weißen Mäusen und Kaninchen bevölkerten Stratosphäre zu kommen scheint.

Dauerbreit grinsender Psych-Pop steht dabei genauso im Raum wie bedröhnter Hardrock. MGMT und Wolfmother umkreisen sich misstrauisch, ziehen sich an und stoßen sich wieder ab - mit äußerst reizvollen Ergebnissen. "Desire be desire go" und "Lucidity" spinnen aus aufgekratztem Upbeat und knarzig schabendem Riffing halluzinogene Ohrwürmer, kecke Licks und funky Dingsbums sorgen bei "Solitude is bliss" für das gewisse "Electric feel", und "The bold arrow of time" macht sogar deftig und gekonnt auf Spacerock, ohne dass die Hose allzu dick wird. Parker sitzt derweil in der Ecke und kichert beseligt in sich hinein. Die anderen sind doch eh alle bloß neidisch, weil die leisen Stimmen nur zu ihm sprechen: "There's party in my head / But nobody's invited."

Wenn sie ihm nur ein kleines bisschen weniger Unfug einflüstern würden. Etwa, dass er "Expectation" sechs Minuten lang ohne nennenswerte Variation stur durchpauken und damit genau das aushebeln soll, was dem Song den Titel gibt. Oder bei "Runway, houses, city, clouds" möglichst wirre Psychedelia-Unruhe zu stiften und zu allem Überfluss noch zwei Minuten wiederkäuenden Nachschlag ans Ende zu klatschen. Beides keine wirklich guten Ideen - doch vielleicht braucht Parker seine Bandkollegen einfach auf Albumlänge statt nur als sporadische Gäste. Damit sie ihm sagen, wann ein Stück zu Ende ist und eben keine ausgewalzten Wurmfortsätze mehr benötigt. Man sollte zumindest einmal darüber reden. Und wenn es nur ganz leise ist.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Desire be desire go
  • Solitude is bliss
  • The bold arrow of time

Tracklist

  1. It isn't meant to be
  2. Desire be desire go
  3. Alter ego
  4. Lucidity
  5. Why won't you make up your mind?
  6. Solitude is bliss
  7. Jeremy's storm
  8. Expectation
  9. The bold arrow of time
  10. Runway, houses, city, clouds
  11. I don't really mind

Gesamtspielzeit: 53:21 min.

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