Take That - Progress

Take That- Progress

Polydor / Universal
VÖ: 19.11.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Fünfe grade

2006: Robbie Williams erfährt eine öffentliche und bis dato nie gekannte Demontage. Der elektronische Ausritt "Rudebox" wird, teils zu Unrecht, als gescheitert angesehen und von der Presse zerrissen, die Fans sind irritiert, der Künstler auch und nimmt eine Auszeit. Zeitgleich kommen Take That ohne Williams zurück, singen "Patience" und verkaufen vom zugehörigen, erwartungsgemäß poprockigen Album "Beautiful world" Millionen Einheiten. Wie die Wege wieder zueinandergefunden haben, ist hinlänglich bekannt, die Reunion ein herbeigeschrie(b)enes Popmärchen, das oft prophezeit und nun schließlich Realität wurde. "The flood" war eine einträchtige, harmonische und leicht opulente Pop-Single, und mit "Progress" folgt ein Album, für das Williams anno 2006 geschmäht worden wäre.

"The flood" erfüllte Pop-Sehnsüchte, angefangen vom kontrollierten Aufbau über die Harmonisierung der Stimmen bis hin zu den unvermeidlichen Streicherparts - schließlich war die große Geste schon immer Teil von Gary Barlows Songwriting. Wer sich aber nun aufs Sofa kuschelt und versonnen lächelnd dem Take-That-Poster aus "Back for good"-Zeiten zuwendet, erlebt eine Überraschung erster Güte. Was Stuart Price als Produzent bei "The flood" noch unterdrückte, quillt nun aus allen "Progress"-Fasern: elektronischer, synthiedominierter Pop! Man könnte Price vorwerfen, dass er jeden Künstler von Kylie Minogue über Madonna bis hin zu den Killers zwanghaft damit überschüttet - wenn jene nicht genau wüssten, welchen Sound er präferiert und hin und wieder ja auch beherrscht. Ein Zwiespalt, der auch im Falle von Take That gilt.

Für Williams muss das deprimierend sein. Während sein 2006er Ausflug noch zerrupft wurde, kehrt er nun zu seinen alten Bandkollegen zurück, wendet sich auch mit ihnen vom Standard-Pop ab und der Elektronik zu - und verkauft am ersten Tag in England so viele CDs wie keine Band im noch jungen Jahrhundert zuvor. Andererseits aber auch eine Möglichkeit für ihn, mit dem damaligen Kapitel versöhnlich abzuschließen. Auf "Progress" klingt es jedenfalls so, als sei er nie weg gewesen und als habe das reformierte Quintett tatsächlich Spaß am neuesten Output. Das flirrende, synth-rockende "SOS" mit Mark Owens Lead-Vocals und Williams' rauhbeinigen Einschüben wird vermutlich Single und Hit zugleich. "Wait" entwickelt sich zur melodiösen Boyband-Ausgabe von "Rudebox", ehe das dumpfbassige, steroid dampfende und leicht glamrockige "Kidz" kurzweilig die "Black holes and revelations"-Phase von Muse wiederbelebt.

Barlow taucht unterdessen fast ab in die Welt der Credits, seine geliebten Elton-John-Auftritte am Klavier beschränken sich auf den versöhnlich-balladesken Radio-Pop-Abschluss "Eight letters" oder die Autotune-Harmonien von "Happy now", wo er gemeinsam mit Williams auf dem Terrain von Pet Shop Boys und Scissor Sisters wildert. Jason Orange und Howard Donald begnügen sich mit sporadischen Auftritten im simpel hämmernden "Affirmation" oder beim Hidden Track - auch wenn beide nicht so sehr nölen wie Owen in "What do you want from me". Trotzdem dürfen Take That mit Fug und Recht den Albumtitel "Progress" verwenden, weil ihr eingeschlagener Weg zwar nicht musikhistorisch innovativ, aber immerhin bandintern neu ist. Wer ganze Fluten zurückhalten kann, schafft es nämlich auch, nach jahrelanger Abstinenz dem Erwartungsstrom entgegenzutreten und unisono den Zeitgeist zu adaptieren. Und zumindest das machen Take That souverän.

Anm. d. Red. Leider war die Bewertung dieses Albums im Newsletter falsch verzeichnet. Korrekt ist 5/10. Wir bitten um Verzeihung.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • SOS
  • Kidz

Tracklist

  1. The flood
  2. SOS
  3. Wait
  4. Kidz
  5. Pretty things
  6. Happy now
  7. Underground machine
  8. What do you want from me
  9. Affirmation
  10. Eight letters

Gesamtspielzeit: 47:09 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
groovie
2011-02-14 20:25:40 Uhr
muss auch sagen, dass das Album echt nicht schlecht ist. Stuart Price Pop, der zumindest einpaar Wochen Spaß macht :)
lifi
2011-02-08 22:14:15 Uhr
Das Album ist echt nicht schlecht. Hab's mir heute angehört.
ente
2010-12-28 21:03:52 Uhr
nakdinak
manaßas
2010-12-27 20:32:33 Uhr
Rülps!
Stock Aitken Wassermann
2010-12-26 22:52:11 Uhr
Recht akzeptables Album einer Boygroup welche sich bald der 40 nähern. Gabs schonmal in schlechter mit zb mittzwanzigern
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