Sea Wolf - White water, white bloom

Sea Wolf- White water, white bloom

Dangerbird / DevilDuck / Indigo
VÖ: 12.11.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eine Liebe im Herbst

Wir schreiben das Jahr 2009: Arcandor ist Geschichte. Heath Ledger gewinnt posthum den Oscar für seine Rolle als blutrünstiger Clown. Der Norweger Alexander Rybak gewinnt den Eurovision Song Contest und ist somit zumindest mitverantwortlich für "Unser Star für Oslo" und die damit verbundene Lena-Manie. Und Werder Bremen gewinnt sogar den DFB-Pokal. Zudem bringen Sea Wolf gegen Ende des Jahres ihr zweites Album "White water, white bloom" heraus. Wir schreiben das Jahr 2010: Arcandor bleibt vorerst Geschichte. Der in Österreich geborene Christoph Waltz gewinnt einen Oscar für seine Rolle als blutrünstiger Nazi und wird von der deutschen Presse einstimmig zum Landsmann erklärt. Lena gewinnt ... ja, das ist bekannt. Werder Bremen verliert im Finale des DFB-Pokals gegen Bayern München. Zudem bringen Sea Wolf gegen Ende des Jahres ihr zweites Album "White water, white bloom" heraus. Klingt komisch? Ist aber so.

Manchmal muss man auf europäischem Grund eben etwas länger warten, um die langersehnte Platte der Lieblingsband endlich in den Händen halten zu dürfen. Im Falle von Sea Wolf immerhin fast ein ganzes Jahr. Warum, ist nicht immer ganz klar, in diesem Fall jedoch recht eindeutig: weil "White water, white bloom" entgegen des eiskalten Titels eher ein Herbstalbum ist. Das im November schon recht spät kommt, wobei die Kalifornier natürlich nichts von den kalten, trüben Jahreszeiten in Europa ahnen. Doch der Nachfolger des so großartigen wie unbemerkten "Leaves in the river" fühlt sich offenbar sichtlich wohl in seinem neuen Zuhause. Der Opener "Wicked blood", zugleich die erste Single, gibt da schon eine ordentliche Richtung vor: Ruckartig und von Streichern begleitet bewegt sich der Song zumindest für einen kurzen Augenblick weg von den ruhigen Klängen, die man von Sea Wolf für gewöhnlich kennt.

Lange verstecken die sich allerdings nicht. Bereits "Orion & dog" holt die gleichen Streicher hervor, bleibt aber abgesehen von diesen um einiges sparsamer an großen Gefühlsausbrüchen. Hier liegt das Augenmerk auf den kleinen Emotionen, ebenso wie bei "The orchard", bei dem die Akustikgitarre zunächst im Vordergrund steht und das sich langsam dank ausgewogenerer Instrumentierung zu einem Highlight des Albums mausert. "Everything I need is written on your face" singt Sänger Alex Brown Church, und fast verknallt man sich mit ihm, wenn einen das poppige "The traitor" nicht aus den superflauschigen Träumen reißen würde. Macht aber nichts, denn Songs zum Verlieben oder auch Entlieben finden sich auf "White winter, white bloom" ohnehin mehr als genug, und dank der beiden zusätzlichen Songs am Ende der verspäteten Europa-Version hat sich das Warten ja auch wenigstens etwas gelohnt. Die Begründung für die verspätete Veröffentlichung im Herbst wäre damit auch gefunden: Im kalten, aber immerhin meist trockenen Laub lässt es sich eben viel besser genießen, als im nassen, kalten Schnee. Klingt komisch? Ja, aber auch das ist nun mal so.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Wicked blood
  • White water, white bloom
  • The orchard
  • The traitor

Tracklist

  1. Wicked blood
  2. Dew in the grass
  3. Orion & dog
  4. Turn the dirt over
  5. O Maria!
  6. Whiter water, white bloom
  7. Spirit horse
  8. The orchard
  9. The traitor
  10. Winter's heir
  11. Winter windows
  12. You're a wolf

Gesamtspielzeit: 41:36 min.

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