Ill Niño - Revolution revoluçion

Ill Niño- Revolution revoluçion

Roadrunner / Universal
VÖ: 05.11.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Ill communication

Bussi hier, Bussi da. Sonne scheint, alles klar. Doch am Horizont verdüstert sich die Atmosphäre, dunkle Wolken ziehen über das verliebte Paar. Und dann wird es kalt. Wahrheiten kommen an den Tag, versteckte oder nur verdrängte. Und dann ist alles aus. Die Wut muß hinfort aus dem betrogenen jungen Mann. Klar, geht ja nicht anders. Freundin in zwölf Stücke zersägen? Macht Flecken. Ganz fiese sogar. In den Wald gehen und schreien? Kriegt ja doch keiner mit. Um also nicht die unschuldigen Eichhörnchen im nahen Forst zu erschrecken und nebenbei noch der ganzen Welt die Kunde vom eigenen Schicksal aufzudrängen, brüllt Cristian Machado lieber die Liebhaber harter Musik in Grund und Boden.

"God save us! This new life has brought us this new knife" schreit uns Machado gleich zu Beginn entgegen, und seine fünf Kollegen von Ill Niño brezeln dem verschreckten Hörer im folgenden eine Krachwand like a hurricane um die Ohren. Die Intensität eines Chino Moreno, um den sich jeder gleich Sorgen macht, wenn er von Messern singt, erreichen die sechs harten Buben in solchen Momenten zwar nicht, doch spielen auch sie an der oberen Heftigkeitsgrenze und legen das eine oder andere Flimmerhärchen im Hörorgan konsequent schachmatt. Und schon früh auf dieser Platte steht jeder Hörer vor der wichtigsten Entscheidung für den weiteren Konsum des Tonträgers. Gefällt der Wechsel zwischen toilettenspülungsartigen Vokaltieftönern und clean gesungenen Passagen oder nervt es eher und orientiert sich zu offensichtlich an Genregrößen? "Nothing´s clear" singen Ill Niño und beantworten die Frage gleich mit.

Die Band hat ein Werk auf die Welt losgelassen, das in einer merkwürdigen Zwischenstellung hängen bleibt. Einerseits beweisen die Jungs in ihren besten Augenblicken, daß sie ein zweifelsohne vorhandenes Potential besitzen und dieses bei wohl bedachtem Einsatz auch zu einigen Glanzlichtern treiben. Andererseits klingen sie leider häufig nach einer berechenbaren Mischung aus Versatzstücken allseits beliebter Combos. Tiefe Verneigungen in Richtung Machine Head grenzen fast ans Füßeküssen. Und auch das Einfließen südamerikanischer Wurzeln ist man von Sepultura und Soulfly nicht nur grundsätzlich, sondern auch stilsicherer gewohnt.

"What the fuck have I been through, what happened?" fragt sich ein ängstlicher Machada gegen Ende des Aggressionsklumpens und stellt kurze Zeit später scheinbar unverrückbar fest: "Fuck you and all your ways". Den musikalisch hübschen Abschluß bildet dann aber doch noch eine versöhnlich stimmende Ballade ("With you") inklusiver zaghafter Reflektion der eigenen Wut und Rückkehrwünschen. Da wird der Gute schlußendlich doch noch weich. Ist halt nicht immer alles so einfach im rauhen Film namens Leben.

Rettung für des Sängers Seele? Die aufgestaute Wut dürfte vorerst abgebaut sein. Während man aber beispielsweise bei Will Haven in nahezu jeder Sekunde um das Seelenheil des Shouters fürchtet, möchte man den gepeinigten Herrn Machada lieber in den Arm nehmen und ihm einige beruhigende "Is' ja gut, Junge" mit auf den weiteren Lebensweg geben. Die von Ill Niño angezettelte Revolution ist bedauerlicherweise vorerst ein laues Lüftchen. Zumindest ist keine namensgebende Naturkatastrophe herausgekommen und für einen passablen Nachfolger können sich die Buben ja demnächst neu verlieben. Das Entlieben für den entsprechenden Wutbrocken kommt dann schon von alleine.

(Torben Rosenbohm)

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Highlights

  • Unreal
  • Liar
  • Predisposed

Tracklist

  1. God save us
  2. If you still hate me
  3. Unreal
  4. Nothing's clear
  5. What comes around
  6. Liar
  7. Rumba
  8. Predisposed
  9. I am loco
  10. No murder
  11. Rip out your eyes
  12. Revolution/revoluçion
  13. With you

Gesamtspielzeit: 45:46 min.

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