Kyrie Kristmanson - Origin of stars

Kyrie Kristmanson- Origin of stars

No Format! / Al!ve
VÖ: 22.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Kurzgrößen

Kyrie Kristmanson trägt aus modischen Gründen etwas auf ihrem Kopf, das aussieht wie eine überdimensionale Schneeball-Hälfte mit Hormonstörungen. Statt kühlem, glattem Weiß stellt besagte Mütze allerdings eine üppige, geradezu wollig warme Behaarung zur Schau. Und wirkt wie elektrisiert. Ist aber auch nicht verwunderlich, dass man in unmittelbarer Nähe eines Kopfes, in dem dermaßen hochprozentige musikalische Schnapsideen zirkulieren, ein wenig aus der Fassung gerät. Das Kuriose dabei: Kristmanson klingt niemals beschwipst oder gar überdreht. In der waghalsigen Originalität ihrer Lieder liegt stets eine große Ernsthaftigkeit, die sich jedoch, sehr zum Wohl der Stücke, eine angenehme Natürlichkeit bewahrt hat.

Während der elektrisierte halbe Schneeball die feenhaft anmutende junge Dame gut behütet, wacht Kristmansons außergewöhnliche Stimme wie eine Löwin über den elf Liedern von "Origin of stars" - sanft, aber unberechenbar. Das ist vor allem deswegen ein Ereignis, weil die 20-jährige Kanadierin ihre Stimme intuitiv als Instrument begreift: Mal klingt sie entrückt wie eine Harfe, mal aufbrausend wie ein Trommelwirbel, mal lakonisch wie eine matt glänzende Jazz-Trompete. Die spielt Kristmanson dann auch tatsächlich, beispielsweise im herrlich windschiefen "Comet of desire", das sich anhört, als sei es in einer Kneipe aufgenommen worden, kurz vor der Sperrstunde.

Einer geht noch - das kann man von diesen Songs durchaus behaupten, die meisten von ihnen sind nur zwischen anderthalb und zweieinhalb Minuten lang. Einerseits weiß Kristmanson ihre Kompositionen ganz ausgezeichnet auf den Punkt zu bringen, andererseits wünscht man sich hin und wieder schon, dass sie doch wenigstens ein kleines bisschen länger dauern würden. "Origin of stars", ihr bereits drittes Album, kommt schließlich auf eine Gesamtspieldauer von exakt 30 Minuten. Das ist nicht nur verdammt kurz, sondern auch äußerst kurzweilig: "Song X" baut schönste Beinahe-A-Capella-Architektur auf ein Fingerschnipp-Fundament und schiebt gelegentlich noch etwas Percussion und Kontrabass ins Bild.

Am interessantesten bleiben aber Kristmansons Stimme und ihre ganz spezielle Art, Wörter zu phrasieren, Silben als Rhythmusinstrument zu kostümieren und mehr auszudrücken, als es Sprache eigentlich vermag. Im geheimnisvollen, von einer halbakustischen Gitarre untermalten "Birdsong" nimmt Kristmanson unvermittelt für ein paar Sekunden die Rolle eines tirilierenden Vogels ein. Die Natur scheint sie ohnehin außerordentlich zu inspirieren: Sie besingt zu hypnotisch einlullender Klampfe und schwebender Flöte den "Wicked wind", sinniert im Titeltrack über den Ursprung der Sterne und lässt sich im finalen "Song for a blackwind" ausschließlich von einem Schwarm schüchtern zirpender Grillen begleiten. Ob diese sich in ihrer extravaganten Kopfbedeckung eingenistet hatten, ist nicht bekannt. Aber eines dürfte nach dieser halben Stunde klar sein: Die Kanadierin ist ein kleines Naturwunder.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Song X
  • Comet of desire
  • Birdsong
  • Wicked wind

Tracklist

  1. Song X
  2. Jump
  3. Eruption
  4. Who
  5. Comet of desire
  6. Birdsong
  7. Wicked wind
  8. Origin of stars
  9. The holy
  10. Oh, Montmartre
  11. Song for a blackwind

Gesamtspielzeit: 30:00 min.

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