Tim Kasher - The game of monogamy

Tim Kasher- The game of monogamy

Affairs Of The Heart / Indigo
VÖ: 19.11.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In den Wechseljahren

Wenn man sich mit Tim Kashers musikalischem Schaffen auseinandersetzt, könnte fast der Eindruck entstehen, man habe es mit einer multiplen Persönlichkeit zu tun. Seine dreckige, schizophrene und laute Seite offenbart Kasher regelmäßig bei Cursive, dieser pathologisch verspulten Rock-Combo, während er bei den folkigen The Good Life den popverliebten Baumumarmer gibt. Dass der bärtige Songwriter auf seinem Solo-Debüt nun ein drittes Alter Ego erfindet, macht seine psychologische Landkarte noch ein Stück unübersichtlicher. "The game of monogamy" handelt vom müßigen Thema Erwachsenwerden und den Todesängsten, die gerne damit einhergehen. Doch vor allem skizzieren die elf Stücke die großen, mittleren und kleinen Problemchen der modernen Paarbeziehung. Allein das Video zur ersten Single "Cold love" spricht Bände: Männer, versteckt Eure Zahnbürsten!

Das Album beginnt mit einer märchenhaften Ouvertüre, bevor in "A grown man" die Instrumente verstummen und Kasher lediglich mit brüchiger Stimme bewaffnet gegen die fortschreitende Adoleszenz antritt. Und wenn der Song anfängt zu toben und zu brausen, wilde Bläser und komische Chöre aus dem Sack lässt und alles im kraftvollen Chaos zu blühen beginnt, ist er schon zu Ende: 121 Sekunden pure Verzweiflung. Das flotte "I'm afraid I'm gonna die here" hoppelt nervös los, während Kasher hyperventilierend hinterherhechelt und letztendlich den absoluten Kontrollverlust zelebriert. Die Single "Cold love" ist schmissig, bissig und handelt vom Umgang mit der schmutzigen Wäsche in Liebesbeziehungen - oder eben den kümmerlichen Überresten hiervon. Auch wenn Kasher vielleicht manchmal etwas indifferent wirkt, hat er mit dem zauberhaften "There must be something I've lost" eines der schönsten Lieder seiner Karriere komponiert: Reduzierter Doppelherz-Folk mit schlauem Text und grandiosen Streichern.

"The game of monogamy" ist vielleicht das am wenigsten zwingende Album in Kashers Laufbahn. Alles kann, nichts muss, und überhaupt ist erlaubt, was gefällt. Etwas mehr Wagemut hätte dem ein oder anderen Stück gut zu Gesicht gestanden, doch eine große, funkensprühende Party war ohnehin nicht geplant, wie er im reumütigen "No fireworks" zu Protokoll gibt. Nichtsdestoweniger gewährt dieses Album einen unverfälschten Blick auf das zerrissene Seelenleben eines Wanderpredigers. Kasher bleibt ein Typ, dem man den sorgenden Familienvater ebenso abnehmen würde wie den finsteren, misanthropen Outlaw mit Hackebeil im Kofferraum. Womit die seltsame Aura der Ambiguität, die ihn von jeher umweht, wunderbar auf den Punkt gebracht wäre: Gut und Böse sind zwei Enden, und sie liegen näher beieinander, als einem lieb sein kann: "The game of monogamy" ist hierfür der Beweis. Kein Jekyll, kein Hyde - nur ein Mann in den besten Jahren. Wer braucht da noch Teenage Angst?

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • I'm afraid I'm gonna die here
  • Cold love
  • There must be something I've lost

Tracklist

  1. Monogamy overture
  2. A grown man
  3. I'm afraid I'm gonna die here
  4. Strays
  5. Cold love
  6. Surprise, surprise
  7. There must be something I've lost
  8. Bad, bad dreams
  9. No fireworks
  10. The prodigal husband
  11. Monogamy

Gesamtspielzeit: 37:59 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
eben
2011-02-14 01:00:49 Uhr
konzert in berlin!

http://www.zitty.de/bright-eyes-tim-kasher-und-azure-ray.html
Ryka
2010-11-16 17:59:13 Uhr
hübsches Video auch
pdhab
2010-11-16 17:43:32 Uhr
"Spendabel zeigt sich auch Tim Kasher, der kommenden Freitag sein neues Album "The Game Of Monogamy" veröffentlicht. Zum Einstimmen bietet der Musiker gleich zwei Songs der Platte zum kostenlosen Download an. Sowohl "I'm Afraid I'm Gonna Die Here", als auch "Cold Love" finden sich genau hier:

http://www.tonspion.de/musik/tim-kasher/musik/1316997"

Quelle: visions.de

Bin gespannt.
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