The Concretes - WYWH

The Concretes- WYWH

Something In Construction / Rough Trade
VÖ: 29.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

HDGDL

The Concretes waren immer eine Bastion liebenswerter Althergebrachtheit. Keine Spur von neumodischem Firlefanz oder Anbiederung an den Zeitgeist. Stattdessen Klick im Hirn, Glut im Herzen, The Velvet Underground und Nico auf den Ohren. Mit oder ohne Victoria Bergsman. Und jetzt das: Die Schweden betiteln ihr viertes Album mit einem Akronym. Einem neuzeitlichen Schnickschnack also, den schätzungsweise neun von zehn Menschen täglich mehrfach in ihr Handy tippen. Okay, auch wir von Plattentests.de kommunizieren untereinander manchmal auf diese Art, aber natürlich rein geschäftlich. Etwa so: "FYI: VÖ von SSLYBJ auf KW 23 verschoben. GLG + schönes WE." Aber The Concretes? Dürfen die das überhaupt?

Machen auch wir es kurz: Klar dürfen sie. Hauptsache, am Ende kommt dabei ein so bezauberndes Album wie "WYWH" heraus - auch wenn es seine Magie erst mit Verzögerung entfaltet. The Concretes wollen diesmal nämlich in die Disco. Nicht in die mit den zuckenden Stroboskopen und trampelnden Partymassen allerdings. Sondern in eine, wo sich die Gäste verstohlen mit nach unten gerichtetem Blick auf der Tanzfläche herumdrücken oder aber zusammengekauert in der Ecke hocken und am Ende alleine nach Hause schleichen, auch wenn sie am nächsten Tag sagen, dass es ein toller Abend war. Die Bitte "Sing for me" bleibt ungehört, "Oh my love" war schon wieder nicht da, und wenn doch, hätte er oder sie wahrscheinlich nur gesagt: "I wish we'd never met".

So oder ähnlich lauten die Dinge, von denen Lisa Millberg melancholisch bekümmert zu den im Verborgenen erblühenden Songs erzählt. Die Beats pumpeln latent maschinell und von teilweise Dub-artigen Basslinien flankiert, hier ziehen liebreizende Keyboard-Wölkchen vorbei, da zerren scheinzahme Gitarrenlicks am Nervenkostüm. Ganz behutsam, versteht sich - man könnte ja etwas kaputtmachen. Und sei es nur das Herz eines Mädchens, das zudem längst ein Einsehen mit demjenigen hatte, den sie einst vergraulte: "Honey if you take me back / I'll change / I won't leave again / I can't promise more than that I'll try." Selten waren Bekenntnisse einer Tiefstaplerin steinerweichender. Und es ist diese unbedingte Emotionalität und die vorbehaltlose Art, wie sich diese Lieder mutwillig nackt machen, die "WYWH" über den oft zu kalkulierten Herzschmerz des letzten Kent-Albums "En plats i solen" und die grellrosa Bubblegum-Pappe des Pipettes-Zweitlings "Earth vs. The Pipettes" erhebt.

Dass sich mit Zeilen wie "What would you say / If we leave this perfectly good party, you and I / And go have our own?" im schwachgiftig kratzenden "What we've become" auch die eine oder andere angedeutete Zote in dieses Album schmuggelt, gehört dazu. Und ist spätestens beim abschließenden Titelstück wieder vergessen, wenn das "WYWH" als die Worte "Wish you were here" endlich einmal ausgesprochen wird und zwei Verliebte ausschließlich über Postkarten kommunizieren. A propos kommunizieren: Es gäbe noch einiges zu sagen, doch leider kommt eine SMS dazwischen. Wahrscheinlich der Chefredakteur. Doch es ist jemand anders. Und auf dem Display steht lediglich: HDGDL. Wie rührend. Fast wie "WYWH".

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Good evening
  • I wish we'd never met
  • What we've become
  • WYWH

Tracklist

  1. Good evening
  2. My ways
  3. Crack in the paint
  4. I wish we'd never met
  5. All day
  6. What we've become
  7. Oh my love
  8. Knck knck
  9. Sing for me
  10. WYWH

Gesamtspielzeit: 38:45 min.

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