Graziella Schazad - Feel who I am

Graziella Schazad- Feel who I am

Warner
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Ego-Booster

Graziella Schacht-Azad hatte eigentlich immer schon alles, was man braucht, um eine große Karriere starten zu können. Bereits im Kleinkindalter lernte die Tochter einer Deutschen und eines Afghanen alle erdenklichen Instrumente und besuchte das Musikgymnasium Carl-Philipp-Emanuel-Bach (für alle Nicht-Kenner: großes Ding!). In einem Alter, in dem ihre Freundinnen sicher noch mit Puppen spielten und Kaugummi im Haar hatten, schrieb die kleine Graziella ihre ersten Songs und begann ein Violinen-Studium - eine Art Doogie Howser der Musik also. Und weil das alles bereits so gut passt, und sie noch dazu durchaus hübsch anzusehen ist, änderte sie ihren so umständlich nach Lehrerehepaar klingenden Doppelnamen in Schazad, das gab dem Ganzen noch einen exotischen Kick.

Nach diversen Anläufen mit wechselnden Bands versucht sich die Berlinerin nun als Solokünstlerin mit ihrem Debüt "Feel who I am". Darauf probiert sie alles mal ein bißchen aus, und der Griff in die bunte Bonbonkiste könnte kaum noch tiefer gehen. Von der glasklaren Popnummer wie "Pain", die klingt, als wäre sie gerade erst den späten 90ern entsprungen, bis hin zum Country-Pop wie in "Everybody", das schon nach Bluegrass klingt - hier ist alles machbar. Dass Schazad dabei leider immer arg aufgesetzt wirkt und die Musik trotz des ein oder anderen flotten Rhythmus nicht ganz aus der Hüfte kommen mag, ist vergleichsweise noch am ehesten verkraftbar. Dass die Musik aber in etwa so austauschbar ist wie die einer x-beliebigen, wesentlich talentfreieren Castingteilnehmerin, die ihre Perlen nicht musik-, sondern karrieregeil vor dem Dieter wirft, schon weniger.

So stellt sich schon die Frage, wer von der Plattenfirma denn auf die waghalsige Idee gekommen ist, das im Original schon seit Jahren totgenudelte "Take on me" der baldigen Rentner A-Ha zu covern, noch dazu auf derart uninspirierte Art. Da nudeln eine Akustikgitarre und ein Glockenspiel, und Schazad mimt dazu locker-lustig die Spaßtante, die so ernsthaft hätte Musik machen können, sich dann aber doch offensichtlich auf die böse Seite ziehen ließ. Anders lässt sich auch nicht erklären, warum sie auf "My enemy" die vertonte rockig-angehauchte Kratzbürste gibt, noch dazu zu einer Melodie, die selbst Shakira nur mit viel Wohlwollen hätte verziehen werden können.

"Feel who I am" steht dann noch für die Standard-Drama-Ballade des Albums. Ein Titeltrack, den der Hörer Gott sei Dank gar nicht lange suchen muss, da er bereits ganz zu Anfang seine ganz eigene Ego-Booster-Show abzieht. Das verspielte "Puzzle in a puzzle" lässt allerdings erahnen, wie gut das erste, richtige Album von Graziella Schazad hätte klingen können. Da wird die Violine gezupft, und Schazads Stimme bekommt endlich die Chance, ihre volle Farbe zu entfalten. Anders als auf dem Rest des Albums kommt hier die Sängerin zur Geltung, die auf "Feel who I am" im Verborgenen bleibt - und die in der Bonbonkiste leider zu oft daneben gegriffen hat.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Picture in a puzzle

Tracklist

  1. Feel who I am
  2. Picture in a puzzle
  3. Take on me
  4. Inner peace
  5. Welcome
  6. Breathe and reboot
  7. Everybody
  8. Leave me alone
  9. Miracle
  10. My enemy
  11. Look at me
  12. Pain
  13. Désolé

Gesamtspielzeit: 42:32 min.