KNO - Death is silent

KNO- Death is silent

A Strange Piece Of Music / Groove Attack
VÖ: 22.10.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tausche Sense gegen Pudel

Keine Hello-Kitty-Unterhosen, keine "Smokey-Eyes", keine Kirsch-Haarklammern, kein Gegrunze. All der ganze Schmonz wird einfach mal beiseitegeschoben. Recht so, denn schließlich musste sich Gevatter Tod in den letzten Jahren mehr als genug gefallen lassen. Die Sense legte er noch freiwillig und völlig berechtigt ab, tauschte sie gegen den Pudel des Todes. Doch irgendwann war es einfach genug. Zwar reichten die Verniedlichungen noch nicht bis zu Plüschfigur und "Die in there baby"-Kätzchenpostern, aber gerade die Musikstile, die sich ihm eigentlich verschrieben hatten, sägten zuletzt zunehmend an des Knochenmanns Zerstörungskraft. Rettung kommt nun ausgerechnet aus dem HipHop. KNO heißt der Mann, der sonst Beatbastler und Reimspucker der CunninLynguists ist. Dieser legt mit "Death is silent" sein erstes Soloalbum vor, das sich komplett um die menschliche Sterblichkeit dreht. Sei der Tod auch ausgelutschter als ein Trinkpäkchen im Kindergarten: Hier wühlen Reime, Samples und Beats direkt in den Tiefen des Unterbewusstseins, doch ganz ohne Heldentod oder dicke Kanonen. Denn KNO wilderte schon mit seiner Crew abseits des Mainstreams herum, weshalb auch der Tod bei ihm in besten Händen ist.

Am Rande des Klangs startet KNO in die ersten Sekunden, bevor die Drums einsetzen, Glocken ertönen und Tränen kullern. Ein paar Bläser stehen an der Klippe und röcheln aus dem Blech. Die Samples sitzen hier genau an den passenden Stellen, die Beats halten sich im Hintergrund und verschmelzen mit der Bassline. "La petite mort (Come die with me)" könnte kaum gemeiner anziehen in seiner Hook, nachdem die Rhymes schon über verschroben säuselnde Klänge liefen. KNO hat die Atmosphäre des ganzen Albums perfekt abgestimmt. Track für Track tickt die innere Uhr von "Death is silent" leise herunter. Dabei werden Klischees eingerissen, da kann "Rhythm of the rain" die ollen Tropfen vom Himmel beten, wie es will. In seinen guten Momenten umkurvt KNO den Kitsch, in seinen besten stampft er mit voller Wucht hinein. "Spread your wings" schrammt fast sekündlich an dem dicken Napf vorbei. Dass als Feature mit Deacon The Villain und Natti die beiden anderen Drittel der CunninLynguists auf "Death is silent" vertreten sind, geht als Kniff auf, da der Flow über alle Tracks läuft trotz unterschiedlicher Rapper. Auch die anderen Gäste fügen sich ein und ordnen sich der schwarzen Schnur unter, die KNO verfolgt.

Ist dann "Smile (They brought your coffin in)" ein Bastard von einem Interlude, das den Finger noch einmal in die Wunde legt, verfliegen mit den letzten Tracks Angst und Depression. "Not at the end" schlägt mit einem Klavier zum ersten Mal so etwas wie versöhnliche Töne an. "I'm here now / There's nothin to fear now / One day you will die." Es zählen das Hier und das Jetzt. "Death is silent" ist keine Therapie, sondern der nagende Zweifel und die Angst vor dem eigenen Dahinscheiden. KNO findet eine direkte Sprache, um sich diesem Thema anzunehmen, und weiß, in welchen Momenten Worte vollkommen fehl am Platz wären. So endet die Platte mit "The new day" auf einem tighten Beat, der die Furcht nicht zur Seite schieben kann. Stimmen geistern durch die letzten Sekunden, und die Stimmung verabschiedet sich in den Nebel. Das Ende steckt "Death is silent" in den Knochen, mit jedem Ton, mit jedem Rhyme, mit jedem Takt. Der Sand rieselt durch das Glas. Alles erinnert hier an die eigene Vergänglichkeit. Selbst der Pudel des Todes.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Loneliness (feat. Nemo Achida & Deacon The Villain)
  • Rhythm of the rain (feat. Thee Tom Hardy & Tunji)
  • When I was young (feat. Natti & Substantial)

Tracklist

  1. Death is silent
  2. If you cry (feat. Natti)
  3. Loneliness (feat. Nemo Achida & Deacon The Villain)
  4. La petite mort (Come die with me)
  5. Rhythm of the rain (feat. Thee Tom Hardy & Tunji)
  6. Spread your wings (feat. Deacon The Villain)
  7. Smile (They brought your coffin in)
  8. Graveyard (feat. Sheisty Khrist)
  9. I wish I was dead (feat. Tonedeff)
  10. They told me (feat. Deacon The Villain)
  11. When I was young (feat. Natti & Substantial)
  12. Not at the end (feat. Tunji)
  13. The new day (Death has no meaning)

Gesamtspielzeit: 44:23 min.

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User Beitrag
Mendigo
2010-11-12 18:29:43 Uhr
ui, Björn hat ja den Großteil schon beantwortet.
Mendigo
2010-11-12 18:24:28 Uhr
Na dann fühl dich in deinen Vorurteilen bestätigt. Kno ist der Weiße des CunninLynguists-Trios, und sowohl Produzent als auch MC.

Und wenn du genau wissen willst wer auf "Death Is Silent" welche Teile rappt, dann kannst du da bei den einzelnen Texten nachgucken.
hermit
2010-11-12 18:11:56 Uhr
Ja, dann weiß ich schon wessen Stimme seine ist. Dieser eine Typ, der halt auch bei den CunninLynguists rappt. Hätte ja sein können, dass Kno trotzdem der Name des DJs ist und dieser Typ halt der Haupt-MC auf dem Album. Aber immernoch quält mich die Frage, ob der Typ weiß ist. Das würde mich in meinen Vorurteilen bestätigen...
Björn
2010-11-12 18:09:17 Uhr
EmCee und Beatbastler. Im Stream auf der Bandseite kannst Du in den Lyrics sehen, welche Stellen von ihm gerappt werden.
hermit
2010-11-12 17:58:39 Uhr
Ist Kno denn nun ein Weißer oder nicht? Bzw. ist er übrhaupt der MC oder nur der DJ? Fragen über Fragen...
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