Black Dub - Love lives

Black Dub- Love lives

Jive / Sony
VÖ: 05.11.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Ein Dub gefällig?

An der Mischpultfront ist Daniel Lanois so eine Art Alleskönner. Er hat unter anderem mit U2, Peter Gabriel und Bob Dylan zusammengearbeitet und produzierte gar Dylans bestes Album der 1990er Jahre, welches sogar einen Grammy gewann: "Time out of mind". Doch Zeit vergeht, weshalb Lanois sich gedacht hat, er könne ja ein Erfolgsprojekt starten, bei dem er selbst die Instrumente schwingt. Et voilà: Das Debütalbum des Kollektivs Black Dub heißt "Love lives" und kombiniert Hipness mit Massenkompatibilität. Abwarten ist angesagt. Vorabgeschickt wurde schon der beste Song des Albums "I believe in you", der zum Soulklassiker mutieren und die Chartstreppen hochmarschieren könnte. Die Stimme der 23jährigen, in Belgien geborenen Trixie Whitley hat hierbei einen wohltuenden Effekt. Gitarre und Drums sind dosiert eingesetzt. Zu viel wird dennoch nicht gewagt. Die Musik steht im Vordergrund, nicht die Musiker.

Klassischer Jazz trifft auf avantgardistischen Blues und nimmt manische Züge an. Das ist perfekt durcharrangiert, wirkt oftmals wie eine einstudierte Jamsession und lässt recht wenig Raum für wahre Emotionen. Der Bass harmoniert bestens mit den Percussions, Whitleys Gesang fügt sich gut in den Bandrhythmus ein. Es steht außer Frage, dass hier ausschließlich hervorragende Musiker und Musikerinnen zum Einsatz kommen, doch nicht jede Idee zündet, nicht jede Kombination ist sonderlich wirkungsvoll. Man merkt die Freude am Spiel, doch Gefallen kann schnell in Gefälligkeit umschlagen. "Sing" ist so ein Stück, in dem sich der amerikanische Geist einmal so richtig entfalten kann, und die Seele nach außen gekehrt wird. Es poltert schön und laut und behält trotzdem seine Leichtigkeit bei. Hier bittet der Dub zum Step.

An Abwechslung mangelt es "Long lives" keineswegs. Insbesondere das flehende Gospel-Stück "Nomad" groovt ordentlich. Jetzt noch ein richtiger, großer Chor dazu: Perfekt. Den gibt es zwar nicht, aber schon der Wechselgesang zwischen Whitley und ihren männlichen Kollaborateuren lässt nicht viel zu wünschen übrig. Zum Ausklang geht es dann sogar einmal verstörend zu. Das abschließende Instrumental "Sirens" lässt den Hörer so schnell nicht los und könnte Schlaflosigkeit verursachen - was "Love lives" im Ganzen leider nicht gelingt. Einerseits fehlt es einigen Stellen ein wenig an Hingabe, andererseits haben ähnliche Ansätze in diesem Jahr schon angenehmer überrascht, wie etwa Janelle Monáes "The Arch Android". Für Lanois geht es diesmal leider nicht ganz an die Spitze. Zu wenig für einen derart alten Hasen, aber durchaus respektabel für einen Newcomer.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • I believe in you
  • Nomad
  • Sing

Tracklist

  1. Long lives
  2. I believe in you
  3. Ring the alarm
  4. Last time
  5. Surely
  6. Nomad
  7. Slow baby
  8. Silverado
  9. Canaan
  10. Sing
  11. Sirens

Gesamtspielzeit: 45:13 min.