Ebo Taylor - Love and death

Ebo Taylor- Love and death

Strut / Al!ve
VÖ: 22.10.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Groove is in the heart

Paul Simon, Peter Gabriel und die Talking Heads, in jüngerer Zeit Vampire Weekend, Yeasayer oder The Very Best. Die Liste der Künstler, die afrikanische Musiktraditionen aufgreifen und mit westlicher Popmusik zusammenführen, ist lang und ließe sich noch bequem erweitern, nähme man die Dancemusikszene hinzu, in der sich in den letzten Jahren Stile wie Kuduro oder Kwaito ausgebreitet haben. Doch so bekannt die Nachahmer auch sind, so unbekannt sind hierzulande meist die Vorbilder. Immerhin bemühen sich Labels wie Strut, Analog Africa, Honest Jon's, Soundway oder Numero Group seit geraumer Zeit, Schätze aus abgelegenen Weltgegenden auf die musikalische Landkarte zurückzuholen. Dabei wird viel alte, nur unter absurden Abenteuern auffindbare Musik gesammelt und neu aufgelegt, aber auch manche begeisternde neue Platte produziert.

Eines dieser vielen hervorragenden Alben ist "Love and death" des ghanaischen Highlife-Gitarristen, Bandleaders, Arrangeurs, Produzenten und mittlerweile Hochschuldozenten Ebo Taylor. Der mittlerweile 74jährige Taylor hat in den 50ern und 60ern in den führenden Big Bands seines Landes begonnen und in den folgenden Jahrzehnten mit zahlreichen Stars der ghanaischen Highlife- und Afrobeat-Szene Platten aufgenommen – die hierzulande kein Mensch kennen dürfte, da sie teilweise gar nicht international vermarktet wurden. Mit dem neu erwachten Interesse an Afrobeat und anderen Sounds des schwarzen Kontinents wird nun aber auch Taylor nach oben gespült und versammelt auf "Love and death" einige klassische Kompositionen wie "Victory" oder "Love and death" mit neuem Material wie "Kwame".

Was an den acht Stücken des Albums so beeindruckt, ist die Souveränität, mit der ein Killergroove an den nächsten gereiht wird. Jeder der Songs geht von der ersten Sekunde an ins Tanzbein. Und wen es bei den Uptemporhythmen nicht von alleine auf die Tanzfläche treibt, der wird von den Bläsersätzen am Kragen dorthin gezogen. Der lebensbejahenden Freude, die Stücke wie "Nga nga" erfüllt, kann man sich einfach nicht entziehen. "Love and death" ist aber weit entfernt davon, klischeehafte Gute-Laune-Musik für das Baumarktradio zu liefern. Dafür sorgen schon die Aggression und Dringlichkeit, mit der "African woman" oder "Mizin" vorgetragen werden.

Trotzdem, und das macht die Meisterschaft Taylors aus, bleibt selbst im größten Sturm und Drang immer auch ein Moment lässiger Entspanntheit spürbar, das den Stücken jede Anstrengung nimmt. So groovt etwa "Victory" mit derartiger Coolness durch seine Saxophon- und Trompetensoli, dass mancher Nachwuchsfunker am liebsten das Instrument an den Nagel hängen würde. Das unangefochtene Meisterstück des Albums aber ist der Titelsong, der es wie kein anderer schafft, zwei gegensätzliche Stimmungen miteinander zu verschmelzen. "Love and death walk hand in hand / The way to the grave / Is just the same", singt Taylor mit einer Würde und Weisheit, für die man wohl tatsächlich 70 Jahre alt werden muss. Dazu die treibenden Polyrhythmen, um die sich sanft Taylors Gitarre schlängelt und dem Song eben jenes melancholische, beinahe traurige Gegengewicht gibt, das ihn so faszinierend macht. Hier lässt einer seine Hörer tanzend das Leben genießen, vergisst darüber aber auch die Seele nicht. Wenn etwas auf meiner Beerdigung gespielt wird, dann bitte das hier. In Endlosschleife.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • African woman
  • Love and death
  • Mizin

Tracklist

  1. Nga nga
  2. African woman
  3. Love and death
  4. Victory (Instrumental)
  5. Mizin
  6. Kwame (Instrumental)
  7. Aborekyair aba
  8. Obra

Gesamtspielzeit: 44:49 min.

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