Suuns - Zeroes QC

Suuns- Zeroes QC

Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Knall auf Fall

Wer einen albernen Namen hat, kann zunächst einmal nichts dafür. Doch wenn man seine Band Suuns nennt, ohne dass Kaugummi in der Computertastatur klebt, mutet das schon ein wenig merkwürdig an. Man muss jedoch wissen, dass das Quartett aus Montreal ursprünglich Zeroes hieß, sich aber dann auf das Veto einer Gruppe mit älteren Rechten hin umbenennen musste. Und damit so etwas nicht noch einmal passiert, wählten die Kanadier ersatzweise einen Bandnamen, auf den vor ihnen sicher niemand gekommen ist, und schmuggelten den alten nebst dem Hinweis auf die heimische Provinz Québec immerhin noch in den Titel ihres Debütalbums. Ätsch.

Für Suuns bestenfalls eine windige Genugtuung - aber auch ein Hinweis darauf, dass sich die Band auf "Zeroes QC" nicht beirren lässt, wenn sie ihren hybriden Sound zusammenschweißt. Da prallen übersteuerte, schwer atmende Beats auf schrill zerplatzende Riffs, wehen heulende Geisterstimmen aus der Zwischenwelt herüber und werden eigentlich unschuldige Rocksongs bis zur Unkenntlichkeit durch den Staub geschleift. Kratzender Post-Punk trifft auf Krautrock, Industrial-Gerüttel auf Dance-Wumms, Knall auf Fall.

Durch den Opener "Armed for peace" schleppt sich eine retardierte, auf Nine Inch Nails' "Closer" hängengebliebene Rhythmusmaschine, bis eine monströse Gitarrenattacke den Song aufstemmt und schließlich Ben Shemies körperloser Gesang zum Vorschein kommt. Auch "Gaze" guckt mit Brachialität nach Art entschleunigter Death From Above 1979 und massakriertem Saxophon keinesfalls in die Röhre. Und ist die beharrlich durchlaufende Sequenz von "Arena" auf der Lieblingstanzfläche von DFA Records und Soulwax angekommen, weiß man: Hier kann grundsätzlich alles passieren. Von bangem Pfeifen im Dunkeln über verhuschte Vocal-Lautmalereien bis hin zu einem Stück wie "Marauder", das mal kurz den Selbstzerstörungsmechanismus sämtlicher Instrumente aktiviert.

"Sweet nothing" lässt unheilvoll Sirenen heulen und repetitive Synths flackern wie Leuchtröhren kurz vorm Durchbrennen, und "Up past the nursery" flüstert und brodelt sich genauso in unmittelbare Nähe der Psych-Indies Clinic wie die Drones von "Organ blues". Jace Lasek von The Besnard Lakes zieht derweil beifällig die Augenbrauen hoch: ein schickes Verwirrspiel, das er hier mitinszenieren durfte und zu dem man auch noch tanzen kann. Zwar meist mit einer Hand auf den Rücken gefesselt - aber selbst dann steht "Zeroes QC" trotz gekippter Stimmungen und albernem Bandnamen noch wie eine Eins. Wenn das mit der Null schon nicht ganz geklappt hat.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Gaze
  • Arena
  • Sweet nothing
  • Up past the nursery

Tracklist

  1. Armed for peace
  2. Gaze
  3. Arena
  4. Pie IX
  5. Marauder
  6. Sweet nothing
  7. Up past the nursery
  8. PVC
  9. Fear
  10. Organ blues

Gesamtspielzeit: 37:41 min.

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