The Strange Death Of Liberal England - Drown your heart again

The Strange Death Of Liberal England- Drown your heart again

DevilDuck / Indigo
VÖ: 22.10.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Der Rokochor

Weißes Hemd, schwarze Hose. Die Haare kleben an der Stirn, und die Hosenträger sind straff gespannt. So rennt er von einem Ende der Bühne zum anderen. Und röhrt dabei mit der gewaltigen Inbrunst eines vor Leidenschaft platzenden Mannes aus den Tiefen seines Körpers. Der Bass klingt voll, das Schlagzeug treibt, das Glockenspiel klimpert - Meat Loaf ist bei "You took the words right out of my mouth" angekommen. Und während man noch versonnen dem Treiben auf YouTube folgt, verdichtet sich der Eindruck: The Strange Death Of Liberal England mögen als Referenzen immer The Cure nennen, ihr Herz schlägt in Wahrheit für den gewaltigen Koloss aus Dallas. Das Mini-Album "Forward march!" deutete das auch bereits an, doch waren die Songs, diese tapferen Fackeln im Wind, noch so archaisch und ungebremst, dass man eher an die Französische Revolution dachte, als an eine in ihrer Ekstase aus dem Ruder laufende Rock-Oper. "Drown your heart again" hat da einen anderen Anstrich: "Flagships" plustert sich mit all seinen Federn auf, ist ganz Rokoko, lässt ein Glockenspiel los, orchestriert sich mit Pomp und Trompeten und Sänger Adam Woolway, ja - der singt wie ein liebeskranker Meat Loaf.

Jeder Song wird von einem Chor getragen, von Trompeten, einem Orchester und diesem stetigen Glockenspiel. Wenn die Gitarren im zügigen "Like a curtain falling" schrammeln und sich aufbäumen, kann man die Trompeten beinahe überhören und die Streicher ignorieren. Es sind die Momente, in denen "Drown your heart again" nicht so sehr zugewuchert und verschlungen ist. Diese Klarheit steht dem britischen Quintett gut zu Gesicht, doch haben das in diesen Zeiten Arcade Fire schon zur Perfektion getrieben. The Strange Death Of Liberal England wissen sich abzunabeln. Und das mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen.

Im traurigen Seemannslied "Autumn" gibt's endlich die Gelegenheit zum Luftholen - und das ist bitter nötig. Das Akkordeon spielt seine träge Melodie, während der Song langsam wächst. Klar - der Chor singt schon bald wieder aus voller Brust, doch ist das durchaus angenehm. Das wütende, laute "Come on you young philosophers!" ist so dermaßen großartig, dass man über so manches Gequetsche und Gepinsel gerne hinwegsieht: Das ist ein potenzieller Lieblingssong. Was für eine Wucht! "Drown your heart again" muss man sich erarbeiten, manchmal sogar schön trinken. Man wird hier und da jedoch reichlich belohnt.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Autumn
  • Come on you young philosophers!
  • Yellow flowers

Tracklist

  1. Flickering light
  2. Flagships
  3. Rising sea
  4. Like a curtain falling
  5. Lighthouse
  6. Autumn
  7. Shadows
  8. Come on you young philosophers!
  9. Yellow flowers
  10. Dog barking at the moon

Gesamtspielzeit: 48:03 min.

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User Beitrag
mispel
2010-11-15 18:58:27 Uhr
Also die erste Hälfte des Albums find ich recht gut, vor allem "Rising Sea" hat es mir angetan. Aber von der zweiten Hälfte bleibt bei mir gar nix hängen. Insgesamt bin ich doch ein bißchen enttäuscht, wenn man das Album mit dem sehr guten Vorgänger vergleicht. Würd ne knappe 7/10 geben, davon aber ein halber Sympathiepunkt.
Schade find ich, dass sie wieder nur als Vorband durch Deutschland touren. Das haben sie gar nicht nötig.
expert
2010-11-15 16:18:29 Uhr
öde drubbe das
hmmmm
2010-11-15 15:35:45 Uhr
The Strange Death Of Liberal England - eigentlich wäre das ja der viel passendere BandName für "I Like Trains"...
Gordon Fraser
2010-11-15 15:31:20 Uhr
Ok, manchmal etwas zu viel Pomp, aber darauf hat einen "Forward March!" ja eigentlich schon vorbereitet. War überrascht, dass es schon beim ersten Durchgang gezündet hat und sich bis jetzt noch auf einer sehr soliden 7/10 gehalten hat. Einzelne Songs wie das grandiose "Shadows" stechen heraus und gehen direkt ins Herz. Ich wünsche der Band damit den verdienten Durchbruch.

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