The Gracious Few - The Gracious Few

The Gracious Few- The Gracious Few

earMusic / Edel
VÖ: 05.11.2010

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

In Dankbarkeit erstarrt

Eine zweite Chance bekommt nicht jeder. Darth Vader hatte Glück und konnte seinem Sohn noch beweisen, dass in ihm doch ein guter Mensch steckt. Auch Chris Cornell wurde "Scream" relativ schnell verziehen, als Soundgarden und seine langen Haare wieder da waren. Aber Rudolf Scharping, die untreue Ex und Kevin Kuranyi? Von ihnen ward nie wieder gehört. Die drei Viertel von Live, die von Ed Kowalczyk sitzen gelassen worden, können also dankbar sein, dass sie mit tatkräftiger Unterstützung von Candlebox-Sänger Kevin Martin und seinem Gitarristen Sean Hennessy noch mal auf die Rockbühne zurückdürfen. Vielleicht sind sie sogar ein bisschen zu dankbar.

Die richtige Mischung aus knarziger Eingängigkeit und Rockradio-tauglichem Powergeriffe findet die Band nämlich leider nur selten. Zwar hört man zu jeder Sekunde, dass da fünf Profis ihre Instrumente bedienen, aber die Songs sind meist ein bisschen zu sehr geschliffen, um richtig begeistern zu können. Die Single "Honest man" kriegt den Spagat noch am besten hin: Zwischen heulende Gitarrenwände und sich überschlagendes Drum-Gewitter mischt sich ein grandios treibender Refrain. Der Song tritt sich insbesondere nach dem Solo und den einfachen, aber effektiven Breaks in der Bridge immer wieder selbst in den Hintern und überrollt die Zielflagge mit wehendem Haupthaar und verschwitztem Grinsen.

Zu oft verabschieden sich die Songs aber nach rekordverdächtig kurzer Zeit in die Wüste der verzerrten Belanglosigkeiten. Besonders ärgerlich ist das immer, wenn sich die ersten zehn Sekunden noch ganz hoffnungsvoll anhören, "The few" dann aber zu einem schlechten Ugly-Kid-Joe-Stück verkommt oder sich die unvermeidliche Ballade mit dem äußerst passenden Titel "Crying time" über fünfeinhalb endlose Minuten quält. Überhaupt: Vieles auf "The Gracious Few" verliert an Griffigkeit, weil die Band sich über die Maßen ausbreitet. Hier noch ein Solo, da noch eine langsame Bridge, um dem Bassisten etwas mehr Platz im Vordergrund zu geben. Nicht jeder Song profitiert von so etwas.

Es gehört zur Janusköpfigkeit der Platte, dass gerade ein mit Gitarrenspuren, Om-Gesängen und pathosgetränkten Refrains vollgestopfter Song wie "Tredecim" hier zu den spärlichen Großtaten gehört. Und zwar, weil er überall ein bisschen aneckt, über die Stränge schlägt, ein Stück zu laut ist, ein Stück zu schief klingt und sich nicht in übertriebener Vorsicht suhlt und aus Ehrfurcht vor der zweiten Chance erstarrt. Davon lässt sich die Band nämlich allzu oft bremsen - besonders gut getan hat das "The Gracious Few" nicht.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Honest man
  • Tredecim

Tracklist

  1. Appetite
  2. Honest man
  3. Guilty fever
  4. The few
  5. The rest of you
  6. Crying time
  7. Silly thing
  8. Closer
  9. What's wrong
  10. Tredecim
  11. Nothing but love
  12. Sing
  13. All I hear

Gesamtspielzeit: 58:09 min.

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