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Warpaint - The fool

Warpaint- The fool

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 22.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Rückzug Baby

"Nichts ist schwerer als der Rückzug aus einer unhaltbaren Situation", wusste Carl von Clauswitz schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Den Clausewitz haben Warpaint aus Los Angeles mit Sicherheit nicht gelesen, doch musikalisch ein wenig zurückgezogen hat sich die momentan als Quartett bestehende Band seit ihrer EP "Exquisite corpse" im letzten Jahr schon. Nicht viel zwar, aber das Unmittelbare und das Direkte findet auf dem Debütalbum der vier Damen nur noch bedingt statt. Oftmals muss der Hörer bei "The fool" schon sehr geduldig sein, um die Größe dieser kalifornischen Post-Punk-Band um Sängerin Emily Kokal zu erkennen. Nicht immer erschließen sich die ausufernden Spielereien sofort, die ab und an auch einfach nur geschmackssichere Dudeleien sind.

Das Konzept von Warpaint ist dabei relativ simpel. Harmonisch vereinen sich hier klassische Singer-Songwriter-Strukturen mit Gesangslinien, wie es sie auch bei Cat Power zu entdecken gibt, und elektronischen Elementen, die in ihrer Verspielt- und Verspultheit an Wire und !!! erinnern. Eine Ausnahme bildet das völlig akustisch gehaltene, fast antiquierte "Baby", das für sich genommen sehr schön ist, aber auf dem Album etwas deplaziert wirkt. Hinzu kommt der Charme einer Girlieband, der sich entweder als herrlicher Pop bewundern oder aber als unnötiger Kitsch verachten lässt. Wer sich zu den Bewunderern zählt, wird sich auch daran ergötzen, wie sich die einzelnen Songs in die düstere Atmosphäre einfügen. Ganz vorne dabei ist das obsessive "Undertow". Es kommt ohne viel Schickschnack daher und geht im Mittelteil richtig in den Galopp, nachdem es anfangs gemächlich losgetrabt ist. Die Tempowechsel und das ständige Changieren von instrumentellen und vokalen Parts sorgen dafür, dass die Ladies von Warpaint die Spannung aufrechterhalten können.

"The fool" läuft somit nie aus dem Ruder. Dies hätte nur allzu leicht geschehen können, spiegelt das Album doch die Konfusität des Lebens in Los Angeles wieder, die schon eh und je für Aufregung sorgt, wie Thomas Pynchons neuer Roman "Inherent vice" eindrücklich beweist. Dafür ebenfalls verantwortlich zeichnen sich Produzent und Grammy-Gewinner Tom Biller sowie die Mixerqualitäten von Siouxsie Sioux. Doch Angst haben, dass es hier zu homogen und langweilig zugeht, muss man wahrlich auch nicht. Dafür sorgen die atemberaubenden Drums von stets wechselnden Schlagzeugern. Bei "Shadows" hat man sogar das Gefühl, sich auf Portisheads "Third" verirrt zu haben. Polemisch gesehen, treten Warpaint im Ganzen vielleicht zu geschmacksicher auf. De facto aber ist dieser Rückzug die beste Verteidigung des guten Geschmacks.

(Carsten Rehbein)

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Highlights

  • Undertow
  • Shadows
  • Baby

Tracklist

  1. Set your arms down
  2. Warpaint
  3. Undertow
  4. Bees
  5. Shadows
  6. Composure
  7. Baby
  8. Majesty
  9. Lissie's heart murmur

Gesamtspielzeit: 47:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

flow79

Postings: 185

Registriert seit 09.09.2020

2020-09-18 08:06:25 Uhr
Ich kenne nur Warpaint und Heads up, und mag beide sehr gerne. Gerade das etwas "verfahrene" des s/t finde ich interessant.

MopedTobias

Postings: 16082

Registriert seit 10.09.2013

2020-09-17 16:27:12 Uhr
Kann die Kritik an der s/t schon nachvollziehen, mir ist das von "Teese" bis "CC" auch zu zerfasert. Ähnliche Probleme hat "The fool" allerdings auch, vor allem im mittleren Drittel ist die auch etwas ziellos. Vielleicht nicht so stark ausgeprägt wie auf der s/t, dafür hat letztere mit "Drive" einen Top-20-Song der 2010er und zumindest bis Track fünf einen absolut wundervollen Flow und die entsprechende Grundstimmung. Ich hör tatsächlich alle drei Alben dieser Band (ja, auch die unterschätzte "Heads up") auf einem ähnlich hohen Niveau mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen.

Oceantoolhead

Postings: 1586

Registriert seit 22.09.2014

2020-09-17 16:15:04 Uhr
@Affengitarre

Genau da liegt für mich der Clue. Die Selftitled flowt für mich nicht gut, da ab Teese der Fokus aufs Songwriting dem von Stimmung und Flow weicht. Ist ja nicht so als würde das komplette Album nur aus Skizzentracks bestehen. Die Tracks bis Biggy (Teese is eher so ein zwischen Ding ) sind alles schön herausgearbeitete Songs. Danach kommt dann viel experimentelles Rumgedudel bis dann Drive wieder den Ansatz der ersten 5 Lieder aufgreift. Dieser Bruch zerstört für mich den inversiven Aspekt des Albums etwas, auch wenn dies über eine einheitliche Produktion versucht wird aufzufangen. Aber Lieder wie Feeling Alright oder CC fangen im Irgendwo an und spielen sich dann ins Nirgendwo hinein.
Da hat The Fool eine ganze Menge mehr Fokus und auch eben das tightere Songwriting. Klingen an einigen Stellen ("Warpaint") teilweise schon fast nach Tool und präsentieren das insgesamt auch interessanter Soundgewand. Die Debut EP zeigt ähnliche Stärken auch wenn die Lieder dort gerne etwas kürzer Editiert hätten werden können (Elephants im Single Edit hat weitaus mehr drive als die 6 Minuten Version).

Affengitarre

User und News-Scout

Postings: 7835

Registriert seit 23.07.2014

2020-09-17 16:00:49 Uhr
Oder dessen schwaches Songwriting ab Song Nr. 5

Wobei es mir da tatsächlich gar nicht so darauf ankommt, bei der selftitled geht es insgesamt wie gesagt eher um Stimmung und Flow, da stören mich die teilweise etwas skizzenartigen Tracks nicht. Ich sehe beide Alben auf einem ähnlichen Niveau, das Debüt hat die starken Einzeltracks und der Nachfolger funktioniert wunderbar als Gesamtwerk.

@lumiko

Ja, wag dich gerne ran, wird dir gefallen!

lumiko

Postings: 847

Registriert seit 09.09.2015

2020-09-17 15:55:01 Uhr
Klasse Band - muss mir das Album mal anhören.

"Set Your Arms Down" und "Undertow" gefallen mir schon mal richtig gut.

Undertow strahlt so was Warmes aus,schöner Song.
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