Monster Magnet - Mastermind

Monster Magnet- Mastermind

Napalm / Edel
VÖ: 29.10.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Wie im Actionfilm

Was Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger für den Actionfilm der achtziger Jahre waren, war Dave Wyndorf für den ultramännlichen Teil der Rockmusik der Neunziger: die stilbildende Ikone des Genres, eine Figur von knochentrockener und überragend humorloser Coolness, ohne Makel oder Schwäche, dafür gesegnet mit überlebensgroßer Aura und heldenhafter Attitüde aus Muskelbergen und Atem voll Testosteron. Was Stallone in seinen Filmen in die Luft jagte, walzten die frühen Monster Magnet mit psychedelischem Stoner- oder Space-Rock gnadenlos platt. Und wie bei den Actionfilmhelden muss jeder selbst entscheiden, ab wann die mächtigen Gesten und lässigen Dialoge platt wirkten und ob Monster Magnet schon mit oder erst nach dem testikular tiefergelegten Stadionrock von "Powertrip" schwächelten.

Während der Terminator irgendwann Kalifornien über alles stellte und Stallone seiner ausgedienten Kaste der "Expandables" jüngst die Selbstironie beibrachte, wirkte Wyndorf nämlich nicht nur körperlich satt. "Monolithic baby!" und "4-way diablo" waren für echte Weiterentwicklung zu eingerostet, für einen erneuten Aufguss des Bewährten aber zu kurzatmig. Diese Vorgeschichte braucht es, um ein Album richtig einzuordnen, das klingt, als hätte die Band nach mit dem "Powertrip"-Kraftüberschuss eine besonnenere Midtempo-Platte aufgenommen. Mit purem Doom oder Stoner sollte man das Ganze aber nicht verwechseln: "Mastermind" steht mit jeder Faser in der Tradition des 1998er Albums und nicht etwa in der von "Spine of God".

Die erste Hälfte folgt einer erprobten Formel: Die freistehende Zerr-Gitarre groovt sich auf ein simples, aber knackiges Riff ein, während Wyndorf mit tiefer Stimme lässig-luziferisch den Refrain heraufbeschwört und die Songs sich zum Ende in ein knalliges Getöse aus Backingvocals und Solo-Orgien hineinsteigern. Das ist zwar berechenbar, aber auch überraschend gut: "Hallucination bomb" etwa tarnt sich erst mit oberem Durchschnitt, um dann zur Halbzeit die Sonnenbrille aufzusetzen und grimmig loszuschlagen. Wenn dann in "Bored with sorcery" mit Wyndorf zum Refrain hin das durchgeht, was in seiner Welt Melodiegesang bedeutet oder womit er sich im kraftstrotzenden "100 million miles" gewinnbringend die Stimmbänder ruiniert, staunt man, wieviel Spaß diese latent prollige, gigantomanische Rockmusik auch 2010 noch machen kann.

Erst gegen Ende lässt das Album etwas nach, so dass man Luft hat, um "Ghost story" und "All outta nothin" mit ihrer melodiösen und beinahe melancholischen Note als ziemlich reife Versionen des Monster-Magnet-Sounds zu würdigen, wobei "The titan who cried like a baby" im Elektronebel mit Piano-Einsprengseln aber allzu eindrucksfrei davonwabbert. Spaßiger bleibt "Mastermind" bei aller Homogenität und ein paar wenigen Füllern zum Trotz beim beherzten Griff in den Schritt, und glücklicherweise nähern sich Pose und musikalischer Output bei Wyndorf und Kollegen endlich wieder einander an. Auch wenn kreative Ausflüge wie "Baby Götterdämmerung" oder "CNN war theme" fehlen und die Band nicht mehr zur einstigen Hochform auflaufen wird: "Mastermind" ist ein guter Grund, ein paar alten Actionhelden noch eine Chance zu geben.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Hallucination bomb
  • Bored with sorcery
  • 100 million miles

Tracklist

  1. Hallucination bomb
  2. Bored with sorcery
  3. Dig that hole
  4. Gods and punks
  5. The titan who cried like a baby
  6. Mastermind
  7. 100 million miles
  8. Perish in fire
  9. Time machine
  10. When the planes fall from the sky
  11. Ghost story
  12. All outta nothin

Gesamtspielzeit: 60:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
brny
2010-12-07 17:52:41 Uhr
sonntag abend in wien: war ein sehr feines konzert - die neuen songs haben jetzt richtig bei mir gezündet. "gods & punks" z.b. kam verdammt cool.

wyndorf fit, aber der mann hat deutlich zugelegt - war mir bis dato allerdings nicht bewusst, dass der schon 54 ist. hätte ihm anfang 40 gegeben weil ich glaubt, um 98 beim internationalen durchbruch war er halt so 30... denkste!

vorband: Seventh Void, mit zwei Type O Negative-jungs! sehr fein, tolle mischung aus Soundgarden und Kyuss plus eine menge eigenes! und verdammt gute entertainer!

empfehle den clip zu "heaven is gone" auf youtube!
Norman Bates
2010-11-21 19:18:07 Uhr
Gods and Punks ist ganz cool. Erinnert etwas an alte Zeiten.
Norman Bates
2010-11-20 18:27:45 Uhr
Naja, im Vergleich zu Spine Of God oder Dopes To Infinity ziemlich armselig. Es fehlen einfach die frühere Coolness und Leichtigkeit. Und ein richtiger Killer ist auch nicht drauf.

Für sich alleine genommen ist Mastermind ganz okay. Kickt aber nicht genug für 7/10.

(Gerade läuft Nod Scene im Hintergrund...)
Dennis D.
2010-10-28 23:19:31 Uhr
Zur Wertung: Zeitweise hatte ich mit 7/10 geliebäugelt, war mir dann auf voller Länge aber doch nicht stark genug dafür. Dass ich positiv vom Album überrascht war, wollte ich dennoch herausstellen. Und über die Punktzahl dürfen wir Schreiber am Ende selbst entscheiden, keine Sorge. ;-)

@logan: Die Ironie sehe ich bei den Alben bis "Powertrip" tatsächlich gar nicht, für mich ist das doper Größenwahn - und genau deshalb großartig. Aber ich werde bei Gelegenheit mal drauf achten, ob da noch Zwischentöne schlummern.
stativision
2010-10-28 12:37:12 Uhr
liest sich wie ne 7/10 und hätte sie vor dem hintergrund, dass der vorgänger 5 und der vorvorgänger 6/10 erhalten hat, auch verdient!
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