Cyndi Lauper - Memphis blues

Cyndi Lauper- Memphis blues

Naive / Indigo
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Kalter Dampf

Eine ganze Stadt hat den Blues. Hier groovt der Mississippi und die Vögel swingen. Mit einer vagen Ahnung und einigen Ideen im Gepäck buchte Cyndi Lauper einen Flug und reiste frohen Mutes nach Memphis. Zwölf Songs später und noch besserer Laune sagt der gefeierte Popstar: "This is the album I've wanted to make for years!" Cyndi Lauper fühlt sich wie Bessie Smith höchstpersönlich und hat sich erneut einen Traum erfüllt: Das Chamäleon der Popmusik covert auf "Memphis blues" ihre liebsten Blues-Songs und hat berühmte Musiker zum Mitmachen eingeladen. Das Ergebnis riecht ein wenig nach dem stickigen Dunst und den sumpfigen Ufern des mythischen Flusses.

Es bleibt Spekulation, ob Lauper das Album ohne ihre angeforderte Hilfe in eben solcher Perfektion verwirklichen hätte können. Charlie Musselwhite, der sich hier mit seiner Mundharmonika zu solch grandiosen Höhen emporbläst, als ob er noch einmal mit Muddy Waters auf der Bühne stehen würde, verdichtet das Album. Der legendäre Allen Toussaint kollabiert am Klavier und gibt dem Sound die Süße New Orleans'. B.B. King ist ebenso dabei wie Gitarren-Shooting-Star Jonny Lang. So liest der Hörer die Gästeliste und ist sich bereits vor der ersten vernommenen Note sicher: Da geht nichts schief.

Und tatsächlich hat jeder der Musiker auf "Memphis blues" seine Schuldigkeit getan. Das Schlagzeug groovt, der Bass rollt, die Mundharmonika, die Gitarre, ja auch der Chor erzählen vom Leben des amerikanischen Südens. Jede Note entspringt dem Wurzelgrund des Blues, des Rock'n'Rolls. Erdig ist das, lebensfroh, eine kleine Farbenexplosion. Die Musiker sind über jeden Zweifel erhaben. Und Lauper? Die suhlt sich in dieser grandiosen Vorlage. Ihre Stimme klettert von oben nach unten, ist mal laut, mal leise. Und immer sehr präsent. Das wird zum Problem.

Denn "Memphis blues" klingt so perfekt, so rund und geglättet, das es am Ende des Tages mit Blues nur noch das 12-Takt-Schema teilt. Zufällig und intuitiv ist hier nichts. Den beschworenen Mississippi-Groove gibt's wie bestellt, während der Dreck unter den Fingernägeln getilgt wurde. Traditionals wie das legendäre "Rollin' and tumblin'" erzählen auch in ihrer nächsten Coverversion nichts Neues. In "Cross roads" versucht sich Lang an Clapton und scheitert. So ist "Memphis Blues" ein nettes Bluesalbum, das sich wie ein erzwungenes Best Of der Blues-Geschichte wahrnehmen lassen will. Dass sich ausgerechnet Lauper dazu berufen fühlt, hinterlässt einen bitteren Geschmack im Mund. Nichtsdestotrotz: Eine nette Idee.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Don't cry no more
  • Wild woman don't get the blues

Tracklist

  1. I'm just your fool (feat. Charlie Musselwhite)
  2. Shattered dreams (feat. Allen Toussaint)
  3. Early in the morning (feat. Allen Toussaint & B.B. King)
  4. Romance in the dark
  5. How blue can you get (feat. Jonny Lang)
  6. Down don't bother me (feat. Charlie Musselwhite)
  7. Don't cry no more
  8. Rollin and tumblin (feat. Kenny Brown & Ann Peebles)
  9. Down so low
  10. Mother Earth (feat. Allen Toussaint)
  11. Cross roads (feat. Jonny Lang)
  12. Wild woman don't get the blues

Gesamtspielzeit: 49:05 min.

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