Ezio - This is the day

Ezio- This is the day

Tapete / Indigo
VÖ: 22.10.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Schlichter

Dass sich die Faszination von Ezio Lunedeis Musik vor allem live entfaltet, ist mittlerweile eine Binsenweisheit. Natürlich hat ein Singer-Songwriter sein Publikum zu begeistern. Natürlich sollen die poetischen, prophetischen und politischen Zeilen ganz nah am Menschen sein, und wo könnte ein Künstler dichter an diese Menschen herantreten als unterwegs und auf der Bühne? Und doch hat Ezio das gleiche Problem wie die Wagenladungen seiner Kollegen: Seine Alben sind meist nur der halbe Deal. Man darf dies natürlich nicht immer den Produzenten in die Schuhe schieben, die mit Streichern hier, Keyboards da und ganz viel Hall den schlichten Songs vergebens die großen Gesten oder gar Arena-Qualitäten aufdrängten. Manchmal hatten Ezio und sein flitzefingeriger Partner Booga eben einfach wenig zu sagen.

Bei Tapete Records jedoch weiß man den feinsinnigen Poeten zu nehmen. Was Wunder, wenn das Label von einem Singer-Songwriter gegründet wurde und daher stets eine Schwäche für Schöngeist und Hintersinn hatte! Also hat Ezios ewige Wanderschaft ein Ende, und es bleibt mehr Zeit für die Songs. Das allgemeine "Einfach mal machen lassen" hatte schon bei "Ten thousand bar" prima funktioniert, und auch "This is the day" glänzt durch den geringen Willen zum Glanz.

Es sind schlichte Songs, die gemächlich von Akkord zu Akkord schreiten und dabei große Gefühle meist im Kleinen abhandeln. "A small dream" ist genauso, wie es sein Titel vorgibt. Ezio haucht über die hüpfende Zupfgitarre wie einst Donovan, und alles ist hübsch winzig. Erstaunlicherweise aber fackelt Ezio auch nicht lange, um in "Bad bad place" einfach mal einen Rocker mit zünftiger Verzerrung rauszuhauen, und legt mit "The one and only" noch einen drauf. Vor ein paar Jahren hätte sich der Künstler für derlei Klänge vermutlich noch selbst aus dem Studio geworfen.

Technisches Gerät ist jedoch höchstens verzichtbares Hilfsmittel. Natürlich kennt Ezio seine vorwiegend akustischen Stärken. Das wunderbar entspannte "Supermarkets" gönnt sich ein paar Nanananas. "Each time you cry" verwischt die Saiten mit viel Hall und Chorus. Tupfen, streichen, wischen - was sich wie ein Malkurs anhört, ist echtes Gitarrenhandwerk zweier Könner, die nur gelegentlich die Hilfe ihrer kleinen Band brauchen. Die addiert höchstens ein wenig Bumm-Tschak von Bass und Schlagzeug, macht damit aber alles richtig. "Can't stop dreaming" holt ein paar klagende Geigen dazu, die so lange da bleiben, wie Ezio in "Bicycle" augenzwinkernd besoffene Fahrrad-Touren durch die Stadt gesteht oder im süffigen "Mad at myself" den eigenen Kontrollverlust verflucht. Es bleibt - wie immer - viel Platz für sanfte Poesie. Und einen gelegentlichen Tritt auf den Verzerrer.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Supermarkets
  • Bicycle
  • The one and only
  • Mad at myself

Tracklist

  1. A small dream
  2. Bad bad place
  3. This is the day
  4. Supermarkets
  5. Bruce Springsteen
  6. Can' stop dreaming
  7. Marina
  8. Bicycle
  9. Each time you cry
  10. The one and only one
  11. I still want you

Gesamtspielzeit: 48:17 min.

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