Shakira - Sale el sol

Shakira- Sale el sol

Epic / Sony
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Kein Schritt voraus

Es ist eine Krux mit der Zukunft. Wer heute noch etwas gelten will im Popgeschäft, muss sie stets im Auge haben und immer einen Schritt voraus sein, egal ob sich das in der Musik widerspiegelt oder nicht. Und wenn das nicht von alleine funktioniert, müssen entweder Produzenten wie David Guetta her, die alles unter einem Haufen House-Bombast begraben - oder zumindest eine möglichst ausgeklügelte Gästeliste. Die erste Option probierte Shakira letztes Jahr unter anderem mit Timbaland und den Neptunes an den Reglern aus. Heraus kam "She wolf". Punkt, Achselzucken, Mantel, Kopfschütteln, Schweigen, Schamesröte und so. Auf ihrem neunten Album hat sich die Kolumbianerin nun für eine dezentere Gästeliste entschieden.

Wie sie es wohl geschafft hat, sowohl Dizzee Rascal als auch Pitbull für "Sale el sol" zu gewinnen, wo es doch sicher fettere Credibility-Beweise gibt als die Präsenz auf einem Shakira-Album? Doch Rascal klemmt sich "Loca" lässig unter den Arm und nimmt die lateinamerikanische Rhythmik mit wie die stumpfste Partynummer. Pitbull wirkt in "Rabiosa" dagegen ziemlich farblos und lässt sich von einer kraftvoll durch den Track fegenden Shakira komplett den Schneid abkaufen. Dass sie mit dem elektronischen Wumms und Bläsern klarkommt, liegt vor allem an der Produktion, die sich zwar nach wie vor fett gibt, aber dabei nicht alles in die Ecke drängt. Auch in "Devoción" ist sie die Chefin und beherrscht die kraftvollen Drums mit ihrem Gesang. Illustre Gäste sind eben nicht alles. Shakira kann wie in "Antes de la seis" auch zu einer einfachen Klaviermelodie singen und leise die Gitarre im Hintergrund säuseln lassen. Kein Schritt voraus, sondern einfach ein guter Song.

Wieso überhaupt in Richtung Zukunft davonstiefeln, wo das Album zum Ende hin von der Vergangenheit lebt? Nicht genug dass "Waka waka" auf allen Radiostationen der Republik neben den Hits aus den Achtzigern und Neunzigern als das Beste von heute durchgehen dürfte - hier gibt es das Stück gleich in drei verschiedenen Versionen. Auch "Sale el sol" recyclet sich selbst, obwohl Shakira vorher bewiesen hat, dass sie in der Lage wäre, ein Album ohne Füllmaterial durchzuziehen. "Loca" und "Rabiosa" folgen ebenfalls noch einmal auf Spanisch - und es schmerzt schon, wenn man an den optimistischen und luftigen Opener "Sale el sol" zurückdenkt, der eigentlich klar macht, dass Shakira mehr zu bieten hat als das Wiederkäuen alter Kamellen.

Denn die Stimme, mit der sie sich aus dem Grau des Pop spielen könnte, ohne dabei auf irgendwelche Trends schielen zu müssen, hat Shakira zweifelsohne. Doch zu oft bleibt sie in einem lateinamerikanischen Klischee stecken, bei dem man das Gefühl nicht los wird, dass sie sich bloß findigen Verkaufsstrategien anpasst. Somit fühlt sich "Sale el sol" nur zur Hälfte wie ein echtes Album an, wenn der Power-Pop beiseite gelassen wird oder sich dem eigentlichen Geist der Platte unterordnet. Der Rest fährt sich selbst an den Karren, da Shakira offenbar nicht genau weiß, was sie will. Aber immerhin beweist sie Stehvermögen. Wacker, wacker.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Antes de las seis
  • Devoción

Tracklist

  1. Sale el sol
  2. Loca (feat. Dizzee Rascal)
  3. Antes de las seis
  4. Gordita (feat. Residente Calle 13)
  5. Addicted to you
  6. Lo que más
  7. Mariposas
  8. Rabiosa (feat. Pitbull)
  9. Devoción
  10. Islands
  11. Tu boca
  12. Waka waka (This time for africa) K-Mix
  13. Loca (feat. El Cata)
  14. Rabiosa (feat. El Cata)
  15. Waka waka (Esto es áfrica) K-Mix
  16. Waka waka (This time for africa) featuring Freshlyground

Gesamtspielzeit: 49:36 min.

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