The Antikaroshi - Per/son/alien

The Antikaroshi- Per/son/alien

Exile On Mainstream / Soulfood
VÖ: 10.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dafür dagegen

Nein, so richtig entscheiden wollen sich The Antikaroshi nicht. Postcore? Postrock? Noch irgendwas mit "Post-"? Auf jeden Fall: die 90er. Denn was damals schon Post war, das wird heuer nicht mehr älter. Die drei Postdamer ... Verzeihung ... Potsdamer gehen mit "Per/son/alien" bis in die Tiefe dieser Zeit und dieser Stile. Da gibt es in "Bernays" ein knallig melancholisches Riff, das aber erstmal gute eineinhalb Minuten stolpernd vorbereitet wird - um sich dann noch mit rhythmisch konternden Shouts herumzuärgern und von einigen "Lalalaaaas" gar auf die Schippe genommen zu werden. Dennoch: Auch hieraus formen The Antikaroshi einen nur am Rande humorbegabten, stattdessen vollmundig ausgearbeiteten, melodischen Brocken von einem Song. Die Emotionen sitzen halt nicht allzu locker. Aber sie graben sich ihren Weg. Genau so, wie so etwas sein sollte.

Ziert sich "Quandt" mit zunächst krautigen, dann spacerockenden, immer mehr in Richtung Dauerlauf tendierenden Zwischenspielen vor dem schnellen Zugriff, so gibt gleich das folgende "Eric" einen Postcore-Haudegen der Marke Hoover oder Bluetip zum Besten. Damit, im Übrigen, haben The Antikaroshi ihr Repertoire auch schon ausformuliert. Und konzentrieren sich folgend darauf, die Einzelteile zu immer neuen Ansätzen zusammenzuschieben. Ob sie dabei mit "Jacek i Placek" zu drückend-sphärischem Mathrock und Vocoder-Gesängen Mondräuber spielen; ob sie den vor allem in den Bassläufen allgegenwärtigen Funk bei "Deitenbeck" zunächst in die Beine fahren, um ihn dann umso kräftiger strahlen zu lassen; oder ob sie mit "Ruhleder" einen weiteren, launischen Hit nachlegen: Sinn ergibt das immer. Spaß auch. Und Nackenschmerzen sowieso.

"Per/son/alien" ist genau der Postcore-Postrock-Klon, der er sein will. Inklusive aller Ecken und Kanten, die dabei nun einmal dazugehören. Ein möglichst glatter Übergang interessiert The Antikaroshi ebenso wenig wie eine nur eindimensionale Identitätspolitik ihres Zweitwerks und überhaupt ihrer Musik. Mehrmals bremsen sie vor dem eindeutigen Indie-Hit, bürsten Takte und Rhythmen versuchsweise lieber gegen den Strich, blasen aufkommende Elegie in ihrem nahezu nüchtern zu nennenden Sound auf und davon. Ihre Entscheidungsschwäche ist und bleibt ihre größte Stärke.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Bernays
  • Eric
  • Jacek i Placek
  • Ruhleder

Tracklist

  1. Retep
  2. Bernays
  3. Quandt
  4. Eric
  5. Josef
  6. Jacek i Placek
  7. Deitenbeck
  8. Ruhleder
  9. Achilles
  10. Azazel

Gesamtspielzeit: 54:39 min.