Wino - Adrift

Wino- Adrift

Exile On Mainstream / Soulfood
VÖ: 01.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Musik an und für sich

Ach ja, Scott Weinrich und seine Mitmusiker. Nun hätte man ja meinen können, er habe nun endlich mit dem guten "Punctuated equilibrium" ein stabiles Line-Up gefunden, stirbt tragischerweise Bassist Jon Blank kurz vor einer Tour. Wie es aber bei Improvisationstalenten nun einmal so ist, marschiert Wino kurzerhand alleine auf die Bühne, nur mit Akustikgitarre in der Hand. Und wird nach allen Regeln der Kunst abgefeiert.

Nun also zunächst wenig überraschend ein rein akustisches Album. Was jedoch bei vielen Künstlern dafür sorgt, ihre sattsam bekannten Songs in ein akustisches Gewand zu kleiden und dabei dennoch immense Materialschlachten aufzufahren, treibt Wino in gewohnt konsequenter Manier auf die Spitze. Denn hier klingt tatsächlich nur eine Akustikgitarre; lediglich für vereinzelte Soli greift Produzent Ray Tilkens in die Saiten einer E-Gitarre.

Das auch für ausgesuchte Fans verblüffende ist: Es funktioniert. Und wie es funktioniert. Denn das atemlose "I don't care", was er vor ewigen Jahren bereits mit The Obsessed live spielte, oder das spannende "Mala suerte" zeigen Wino tatsächlich als Singer/Songwriter in der Tradition eines Townes Van Zandt, dessen erklärter Fan er ist. Die Coverversion von Motörheads "Iron horse / Born to lose" ist hingegen genau so staubtrocken, wie es von Wino getrost erwartet werden kann. Und Lemmy grinst leise dazu in sich hinein.

Ganz stark auch "Shot in the head" von Savoy Brown, bei dessen Solo Ray Tilkens zwischendurch mal keck "Give me a bottleneck" fordert. Überhaupt gelingt es Wino, "Adrift" zu keiner Sekunde langweilig werden zu lassen, indem auch einmal ein psychedelisches Instrumental wie "O.B.E." eingestreut wird. Natürlich sind offensichtliche Vorbilder wie Bob Dylan oder gar Johnny Cash unerreichbare Ikonen, wenn es jemandem gelingt, in knapp 42 Minuten mal eben über 30 Jahre stilistische Prägung komplett vergessen zu lassen, dann gebührt ihm höchster Respekt. Und als Solo-Künstler gibt's halt auch keine außerplanmäßigen Line-Up-Wechsel.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • I don't care
  • Mala suerte
  • Iron horse / Born to lose
  • Green speed

Tracklist

  1. Adrift
  2. I don't care
  3. Hold on love
  4. Mala suerte
  5. Old and alone
  6. Iron horse / Born to lose
  7. Suzanes song
  8. D-bear
  9. Whatever
  10. Shot in the head
  11. O.B.E.
  12. Green speed

Gesamtspielzeit: 41:52 min.

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