Troy von Balthazar - How to live on nothing

Troy von Balthazar- How to live on nothing

Third Side Records / Al!ve
VÖ: 08.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ganz schön genügsam

Viel wird der Mensch sicher nicht zum Leben brauchen. Luft und Liebe, Arbeit und Familie, viele Maximalminima lassen sich je nach persönlicher Präferenz ausfindig machen. Aber ob denn wirklich ein blankes Nichts ausreicht, wie es Troy von Balthazar im Titel seines neuen Albums verspricht? Jedoch: Glaubwürdigkeit besitzt der Mann, denn bereits der selbstbetitelte Vorgänger konnte zeigen, dass er in der Lage ist, zumindest mit ein bisschen weniger, nämlich ohne die schroffen Gitarren seiner Band Chokebore, kleine Schmuckstückchen zu zimmern. Und allzuweit entfernt vom Sound des ersten Soloalbums befindet sich "How to live on nothing" nicht.

Wieder durchzieht von Balthazar fragile, fragmentarisch anmutende Songs mit groben elektronischen Loops und meist zartem, manchmal jedoch auch düster verzerrtem Gesang. Melancholische Grübeleien begleiten die Musik: "I drink to keep the tiger away / I sail my boat across the bay / I do what I can to get through the day / I drink to keep the tigers away", heißt es in dem von dunklem Klaviertönen begleiteten "The tigers". Ertrunkene Qualen des Alltags, oft in absurden Versen vorgetragen und neuerdings sogar in einem Buch, dem bereits vergriffenen "3 Girls", versammelt.

Aber ganz so streng geht von Balthazar trotz akustischer Songs wie "To a girl with one wing gone", "My diamond brain" oder "Communicate" mit dieser Devise nicht um. Im Opener "Catt" scheint er sich auf die Reise durch einen mysteriösen Wald zu begeben. Begleitet wird er dabei von Adeline Fargier Jasso, die bereits auf dem Vorgänger zu hören war. Im wunderbaren "Dots and heart", dem Highlight des Albums, umschmeicheln sich beide sanft fordernd in dem Versuch, sich gegenseitig aus der Reserve zu locken. In "Very famous" und dem in seinem Übermut fast schon schmerzenden "Happiness and joy" geht dagegen selbst ohne weiblichen Gesang geradezu die Sonne auf. Doch auch hier nagt der Zweifel, wie von Balthazar mit einem versteckten "that stair goes nowhere" andeutet.

Bei "Santiago" mit seinen fast schon trendigen Elektroeffekten und dem nervenzehrenden "In limited light" hält die laute Verstörung Chokebores Einzug, mit denen von Balthazar im Vorfeld von "How to live on nothing" auch wieder einige Konzerte gegeben hatte. Ungewöhnt versöhnlich und erneut splitterfasernackt nimmt sich dagegen das Ende des Albums mit dem in leichten Gospel getauchten "Infinity face" aus, das dem eingangs proklamierten Nichts schließlich doch eine Absage erteilt: "I want someone to hold me and clap when I come through the door / But I'm so sick an tired of waiting / That I don't even care anymore." Auch wenn es ihm nicht gefällt, aber wenn die Einsamkeit von Balthazar dazu bringt, solche Platten aufzunehmen, dann darf er sich gerne noch eine Weile mit ihr herumschlagen.

(Tobias Wallusch)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Happiness and joy
  • Dots and hearts
  • Infinity face

Tracklist

  1. Catt
  2. Very very famous
  3. The tigers
  4. Happiness and joy
  5. To a girl with one wing gone
  6. Mt. Balthazar
  7. My diamond brain
  8. In limited light
  9. Wings
  10. Communicate
  11. Santiago
  12. S.
  13. Dots & Hearts
  14. Infinity Face

Gesamtspielzeit: 39:33 min.

Bestellen bei Amazon

Threads im Plattentests.de-Forum