Incense - Approx. 45 min.

Incense- Approx. 45 min.

Suburban / Zomba
VÖ: 12.11.2001

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Staub und Asche

Irgendwo in Den Haag brennt ein Feuer. Wenn es draußen kalt ist und schon früh dunkel wird, stecken dort drei junge Männer die Kabel in ihre Verstärker und ergreifen die Stöcke ihres Drumsets. Langsam schichten sie mit kratzigen Streicheleien das Holz auf. Die ersten Flammen züngeln noch ein wenig schüchtern von sich hin. Dennoch wird es spürbar wärmer. Scharfer Geruch liegt in der Luft, als der dreckige Staub der Großstadt vom Feuer verzehrt wird. Noch knistert es fast gemütlich, aber hinter seinem Rücken spielt Selwyn Slop schon mit dem Verschluß seines Benzinkanisters.

Die Ausbrüche des Sängers und Gitarristen von Incense speisen sich in der Tat oft von flammender Leidenschaft. Wo Songs wie "Starlet" oder "Leaving the misery" anfangs sanfte Wärme versprechen, explodieren sie immer wieder in Stichflammen und lodernden Riff-Kaskaden, nur um bald wieder in sich zusammen zu sinken. Beim Wechselspiel von Crescendo und Decrescendo wird Slop von Schlagwerker Remco Cornelissen und Bart Baekelamdt am Tieftöner unterstützt. Gemeinsam zündelten sie nun für ihr Debüt im Studio von Pieter Kloos (Motorpsycho) mit Noise und Melancholie an ausladenden Songs herum, brannten Löcher in deren Strukturen und ließen die mantraartigen Akkordreihungen von schneidenden Soli verzehren.

Manchmal gelingt "Approx. 45 min." dabei eine ähnlich beherzte Fusion aus Emotion und Energie, wie sie zuletzt die Schweden von Fireside auf "Elite" zusammenschweißen konnten. Anders als die Nordmänner jedoch haben Incense wenig mit postmodernen Anwandlungen am Hut. Nicht mit dem Lötkolben, sondern einfach mit Geduld und Spucke werden Stücke wie "Memo stitch" oder "Embrace" zusammengehalten. Leider fällt im weiteren Verlauf ihres Erstlings die eine oder andere Idee einfach herunter und verschwindet auf Nimmerwiederhören im Staub. So aber sorgen sie selbst wieder für weiteres Knistern ihres Feuers. Flammen sind schließlich hungrig.

(Oliver Ding)

Bei Amazon bestellen / Preis prüfen für CD, Vinyl und Download
Bei JPC bestellen / Preis prüfen für CD und Vinyl

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Memo stitch
  • Embrace

Tracklist

  1. Starlet
  2. Memo stitch
  3. See you, say you, miss you, kill you
  4. More days TC
  5. Embrace
  6. Too far gone
  7. Leaving the misery
  8. Lucky 1

Gesamtspielzeit: 44:45 min.

Bestellen bei Amazon

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Anhören bei Spotify