Selig - Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Selig- Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Vertigo / Universal
VÖ: 01.10.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Dauerbrenner

Schon komisch. Da hört man mehr als ein Jahrzehnt lang keinen neuen Ton mehr von Selig, und plötzlich geht es Schlag auf Schlag. Feierten Jan Plewka und Konsorten erst im vergangenen Jahr ihr viel beachtetes Comeback in Form des Top 5-Charterfolgs "Und endlich unendlich", können sie bereits jetzt mit einem Nachfolger aufwarten. Wer jetzt jedoch irgendetwas mit Eisen, schmieden und heiß murmelt, tut den Herrschaften Unrecht. Früher fackelten Selig auch nicht lange mit der Veröffentlichung neuen Liedguts. "Von Ewigkeit zu Ewigkeit" wurde im Anschluss an die letzte Tour eingespielt und bildet die erwartete Fortsetzung des Vorgängers - gepaart mit einem durchaus gelungenen Rückgriff auf die Neunziger Jahre.

Das fünfte Studioalbum wird daher all diejenigen erfreuen, die auf Selig erst mit "Schau schau" und "Wir werden uns wiedersehen" aufmerksam geworden sind. Was das angeht, haben die fünf Hamburger zum Beispiel den Titeltrack parat: "Gäb' es mehr als dieses Leben / Ich würde ewig mit Dir gehen / Jeden Tag mit Dir verwegen jeden Augenblick zu seh'n / Gäb' es mehr als dieses Leben / Ich wär zutiefst dazu bereit / Dich bis zum Ende mitzunehmen / Von Ewigkeit zu Ewigkeit." Pathetisch? Ja. Kitschig? Nein. Plewka weiß, wie er mit seinen zumeist autobiografischen Texten den Puls der Zuhörer erreicht. Dass Selig mit diesem Stück kürzlich beim Bundesvision Song Contest nur den achten von sechzehn Plätzen erreichten, wird manch einen Fan der ersten Stunde gefreut haben. Kommerz und Mainstream okay, aber bitte nicht zu viel des Okayen.

Und genau an dieser Stelle kommt dann auch der Griff in die Neunzigerkiste. Es darf wieder mehr gerockt werden. "5.000 Meilen" präsentiert sich bodenständig, rifforientiert und nach und nach als Ohrwurm für zwischendurch, während bei Songs wie "Freier Fall" oder "Doppelgänger" zudem noch das Tempo angezogen wird. Irgendwo zwischen Krautrock und Grunge, schrammeligen Gitarrensaiten und psychedelischem Irgendwas, Funk und Soul pluckern "Lass sie reden", "Dramaqueen" oder "Hol mich hier raus" vor sich hin. Dazu philosophiert Plewka über Engel, den Himmel, die Ex-Freundin, die Sonne, den Wahnsinn, Einsamkeit und das letzte Hemd. Nicht durchgängig schlüssig, aber immer greifbar.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Freier Fall
  • Wirklich gute Zeit
  • Von Ewigkeit zu Ewigkeit
  • Hey Ho

Tracklist

  1. Eingang
  2. 5.000 Meilen
  3. Freier Fall
  4. Wirklich gute Zeit
  5. Lass sie reden
  6. Von Ewigkeit zu Ewigkeit
  7. Dramaqueen
  8. Hol mich hier raus
  9. Hey Ho
  10. Tausend Türen
  11. Ich bin kein Gott mehr
  12. Doppelgänger
  13. Du fährst zu schnell
  14. Ich hoffe es hat noch Zeit
  15. Ausgang

Gesamtspielzeit: 76:55 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
afromme
2011-01-21 14:54:58 Uhr
Hat drei, vier Anläufe gebraucht, bis ich mit der neuen Platte warm geworden bin, muss ich zugeben. Ein oder zwei Phrasen (textliche wie musikalische) sind mir immer noch ein bisschen zu vorhersehbar, aber von 4/10 auf 6/10 habe ich mich inzwischen vorgearbeitet.
Um das zu kontextualisieren:

Selig: 8/10
Hier: 8/10
Blender: 7/10
Und endlich unendlich: 7/10
Von Ewigkeit zu Ewigkeit: 6/10

Dass "Du fährst zu schnell" in der Kritik nicht unter den Highlights auftaucht, ist mir derweil völlig unverständlich.
selig
2010-12-23 16:49:39 Uhr
Es ist kalt, lasst uns tanzen!
brny
2010-10-14 10:32:52 Uhr
nicht schlimm, aber ignorant. wahrscheinlich bist du einfach zu jung für selig ;-)
Aussätziger
2010-10-13 23:24:29 Uhr
Da ich in letzter Zeit immer öfter auf den Bandnamen gestoßen bin, aber von der Band noch nie zuvor gehört habe musste ich da jetzt mal reinhören.
Leider hat sich meine Vorahnung, dass es sich dabei um typisch deutsche Plattmusik handelt bestätigt. Oder was soll an der Band so toll sein? Ist es schlimm wenn ich deutsche Musik generell hasse?
Sammy
2010-10-08 21:38:31 Uhr
Einfach nur göttlich was die Vier genialen Soundhexer um Sängerlegende Jan Plewka da wieder aus dem Hut zaubern. Die Gitarrenarbeit ist allererste Sahne und geht tierisch gut rein. Auch die Texte lassen einem die abgefahrensten Bilder im Kopf erscheinen. Selig, das ist Leinwand für die Ohren. Ein musikalischer Overdrive, der dich direkt in die musikalische Umlaufbahn mitnimmt und dort lange verweilen lässt. Spacige Momente geben sich im Soundorbit die Klinge in die Hand mit der schonungslosen Realität.
Mann, wenn ich die neue Selig-Platte einlege, dann kommen bei mir soviele Erinnerungen wieder hoch. Selig waren die Deutsche Antwort auf Grunge. Ich seh mich wieder mit meinem Karohemd in der Markthalle in Hamburg stehen und zieh mir Nirvana rein. Geil! Oder 1992 in der Großen Freiheit in Hamburg, als ich mit meiner damaligen Freundin Silke Pearl Jam angeschaut habe. Wir standen ganz vorne in der 2. oder 3. Reihe und ich hab sie zu "Even Flow" ins Arschloch gefingert. Tierische Zeit war das damals.
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