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Panteón Rococó - Ejército de paz

Panteón Rococó- Ejército de paz

Unter Schafen / Al!ve
VÖ: 01.10.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Friedens-Chor

Panteón Rococós "Ejército de paz" - zu deutsch: "Friedensarmee" - dürfte ungefähr das Gegenteil des amerikanischen Friedenscorps sein: Wo die amerikanische Behörde auf Initiative von John F. Kennedy während des Kalten Krieges das Verständnis fremder Nationen für die USA stärken sollte, trägt das fünfte Album der neun mexikanischen Ska-Musiker ihr Unverständnis für Korruption, Entrechtung und Gewalt in ihrer Heimat mit wütender, aber feiertauglicher Sozialkritik in die Welt. Auch 15 Jahre nach der Bandgründung (beinahe zeitgleich mit der gewaltsamen Erhebung der von Panteón Rococó unterstützten zapatistischen Bewegung in Süd-Mexiko) bleibt die Gruppe damit Mexikos tanzbares gutes Gewissen - und Deutschlands halbbekannteste Ska-Truppe überhaupt.

Linksautonome und Ska-Fans schätzen die Band und Hits wie "La carencia" längst als feste Konstanten der Szene, einem größeren deutschen Publikum dürften sie aber erst seit ihrer Support-Tour für Die Ärzte im Jahr 2008 bekannt sein. So finden die kompromisslos energiegeladenen Liveshows des Nonetts in Mexiko City oder beim diesjährigen "100 Jahre St. Pauli"-Konzert im Millerntorstadion schon mal vor fünfstelligen Zuschauerzahlen statt, während anderswo nur ein paar dutzend Eingeweihte Jugendzentren zum Kochen bringen. Was auch daran liegen könnte, dass Panteón Rococó mit ihrem Mestizo-durchtränkten Sound minimal fremder klingen als die sonnigen kalifornischen Ska-Bands oder die simple Punk-Attitüde ihrer spanischen Gesinnungs- und Klanggenossen Ska-P.

"Ejército de paz" zeigt die Band altersreif und angriffslustig zugleich. Einerseits tönt die erprobte Widerstands-Lyrik von Bläser-getriebenen Schlagwortsongs wie "Democracia fecal" oder "Conflictos": "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" und lokale Selbstverwaltung sind die Utopie, "die da oben, wir hier unten" lautet die Anklage. Das mag zunächst als sehr simple Weltsicht erscheinen. Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen wie Drogenkrieg und anhaltender Missachtung der indigenen Mexikaner erhält es aber seine Berechtigung. Andererseits gehen Panteón Rococó an vielen Stellen über den gängigen Rahmen von lateinamerikanischem Ska hinaus: "Abajo y a la izquierda" beispielsweise ergänzt sein TexMex-Motiv durch Synthesizer.

Auch "Dale equilibrio" verzwirbelt lateinamerikanische Perkussion mit elektrischen Beats, und "Jardin de amapolas" bringt es gar zu einem hypnotischen Bastard aus Mestizo-Nummer und Kraftwerk. "Payaso de mentiras" wiederum geht guten Gewissens als Disco-Ska durch. Solche Experimente sind nett und nach eineinhalb Dekaden angebracht, die Stärke der Band bleiben aber atemlose und am Ende vollends eskalierende Uptempo-Stücke wie "Si, ya lo se". Und eine melancholische Pianoballade wie "Vete lejos" passt auch eher zu den Südamerikanern von La Vela Puerca oder No Te Va Gustar. Reflektierter, aber eben auch sanfter ist dieses Album geworden, und spiegelt damit nicht die Live-Qualitäten der Band wieder. Der Albumtitel passt dafür umso besser: Als Friedens-Chor haben Panteón Rococó zwar das Gewehr im Anschlag, aber auch eine Blume im Lauf.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • Democracia fecal
  • Si, ya lo se
  • Arreglame el alma

Tracklist

  1. Salvame
  2. Cerdoz
  3. Abajo y a la izquierda
  4. Dale equilibrio
  5. Jardin de amapolas
  6. Democracia fecal
  7. Si, ya lo se
  8. Sacude
  9. Payaso de mentiras
  10. Control remoto
  11. Conflictos
  12. Arreglame el alma
  13. Vete lejos

Gesamtspielzeit: 46:10 min.

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