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Mt. Desolation - Mt. Desolation

Mt. Desolation- Mt. Desolation

V2 / Cooperative / Universal
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Worauf trinken wir?

Es gibt Schnapsideen und es gibt Guinnessideen. Letztere sind zwar nicht immer rekordverdächtig, aber dafür meistens bierernst. Ob sie trotzdem hochprozentig sind? Nun, das liegt natürlich an den Braumeistern. Die heißen in diesem Fall Tim Rice-Oxley und Jesse Quin, und ihren Umgang mit dem Reinheitsgebot konnte man bereits im Rahmen ihres Wirkens als Songwriter/Pianist und Bassist der Kapelle Keane begutachten. Jetzt nennen sie sich Mt. Desolation - über einen Zusammenhang dieses Namens mit dem einen oder anderen Album ihrer Hauptband wollen wir an dieser Stelle lieber nicht spekulieren. Jedenfalls saßen die beiden an einem verregneten Herbstabend zu später Stunde bierselig in einem irischen Pub und sinnierten darüber, gemeinsam ein Country-Album aufzunehmen. Und sie haben's getan.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die zehn Stücke sind eher Popsongs, auch wenn alle wichtigen Country-Klischees bedient werden: galoppierendes Schlagzeug, Fiddle, Akkordeon, Lagerfeuer-Melodien, sehnsuchtsvolle Mundharmonika, weibliche Backing Vocals und natürlich Banjo und Pedal Steel. Weitaus interessanter als die Musik ist allerdings die Gästeliste - John Roderick (The Long Winters), Tom Hobden (Noah And The Whale), Ronnie Vannucci (The Killers), Winston Marshall (Mumford & Sons). Aber mal so ganz unter uns: Wenn man es nicht wüsste, würde man keinen von ihnen heraushören. Man käme noch nicht einmal auf die Idee, dass Mt. Desolation die beiden Typen von Keane sind. Und das ist keineswegs negativ gemeint - denn Rice-Oxley und Quin haben zusammen mit Produzent Emery Dobyns (Antony & The Johnsons, Fran Healy, Noah And The Whale) ein Album aufgenommen, das auf eigenen Beinen steht. Auch noch mit zehn Guinness im Blut.

Das einzige, was hier ein wenig schwankt, ist die Qualität der Songs. Mt. Desolation legen mit dem von Rice-Oxley geschriebenen und gesungenen "Departure" los, einem herrlich fluffigen Country-Pop-Nümmerchen wie aus dem Lehrbuch. Direkt im Anschluss versuchen Quin und "Annie Ford" allerdings, wie Bruce Springsteen zu klingen - und hören sich eher wie eine leicht überdurchschnittliche Bruce-Springsteen-Coverband an. Sympathisch bleiben sie dabei trotzdem. Und man kann über eine Einschlafhilfe wie "Bitter pill" oder das etwas schunkelig geratene "Another night on my side", ein Duett mit der eher unbekannten Jessica Staveley-Taylor, wirklich großzügig hinweghören, wenn ein Album gleichzeitig so herausragende Songs wie das mysteriöse "State of our affairs", den von Jack Kerouacs Roman "The Dharma bums" inspirierten, erstklassigen Country-Blues "The 'midnight ghost'" oder die hinreißende Akustikgitarrenballade "My my my" parat hat. Das lässt sich natürlich auch etwas nüchterner ausdrücken: Es gibt gute und es gibt schlechte Ideen. Und dieses Album war dann doch eine gute. Prost, Jungs!

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Departure
  • State of our affairs
  • The 'midnight ghost'
  • My my my

Tracklist

  1. Departure
  2. Annie Ford
  3. Bridal gown
  4. State of our affairs
  5. Bitter pill
  6. Another night on my side
  7. The 'midnight ghost'
  8. Platform 7
  9. My my my
  10. Coming home

Gesamtspielzeit: 49:09 min.

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