Mice Parade - What it means to be left-handed

Mice Parade- What it means to be left-handed

Fat Cat / Pias / Rough Trade
VÖ: 01.10.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Auf links gedreht

Für einen derart versierten Mutiinstrumentalisten, wie Adam Pierce einer ist, muss jede Aufnahmesession eigentlich zur Gratwanderung werden. Wen oder was lädt man zu seiner Musik ein, wenn man im Grunde genau weiß, dass man alles zwischen Saiten-, Tasten- und Schlaginstrumenten mindestens ebenso gut selbst spielen kann? Wo endet das eigene Ego, und wo beginnt die Freude an der Überraschung? Mice Parade, Pierces Alter Ego und Anagramm seines Namens, stellten sich dieser Frage stets im Musikerkollektiv. Und oftmals hatte der Hörer das Gefühl, ihr Geheimnis lag letztlich darin, dass Pierce selber gar nicht so genau wusste, was und wie es hier eigentlich zu spielen galt. Allein das machte den Weg frei für seine zahlreichen Kombattanten. Ganze sechs Studioalben zeugen höchst verspielt und eloquent von eben dieser Ungewissheit. Doch "What it means to be left-handed" macht hier auf einmal so überhaupt nicht mehr mit.

Denn im Grunde ist das, was hier mit wirklich jeder Sekunde auf den Hörer einströmt, genau das, was man als stets verwirrungsbereiter Indie-Geek an den Kings Of Convenience nachdrücklich vermissen könnte - oder aber was man Jim O'Rourke nie raten würde, weil man vor dem Ergebnis zurückschreckt. Wer also entweder das volle Getümmel oder die bis ins Kleinste ziselierte Stimmung schätzt, für den ist "What it means to be left-handed" eine einzige Inkosequenz. Ein Ärgernis gar, einerseits zu verschwenderisch, andererseits viel zu lax. Für alle anderen ist die vor sich selbst zurückschreckende Popdominanz von "Fortune of folly" und "Kupanda" jedoch genau der richtige Weg. Mit diesem Album und mit diesen Songs tauchen Mice Parade bis auf den Grund ihrer musikalischen Variablen und funktionieren dabei - der journalistische Lapsus sei ausnahmsweise gestattet -vielleicht erstmals weniger als Kollektiv, sondern als vollwertige Band.

So spielen "Couch & carpets" oder das in den Gitarren kaskadierende, sich dabei aber auf ergreifende Klavierdreiklänge stützende "Old hat" ihre Melodien so direkt aus wie nie zuvor. Im Lemonheads-Cover "Mallo cup" und bei "In between times" schmeißen sich straighte Beats, verzerrte Gitarren und einzelne Electronica zwischen Folk-Pickings, Latin-Tremolos und - im wahrsten Sinne - Allerwelts-Percussions. Mice Parade finden dazu unbedingt erhebende Delgados-Refrains, folkrockende Stringenz wie Yo La Tengo oder Sebadoh und gar den ein oder anderen abgehenden Zwischenpart, den sie zwischen Shoegaze und Noisepop gegen den nächsten Bossa-Shaker prallen lassen. Zudem regieren Songs wie "Do your eyes see sparks" oder "Recover" Pierces in der Produktion zwar dahingelupfte, dadurch aber eben auch absolut erhebende Duette mit Caroline Lufkin. Und natürlich Doug Scharins Schlagwerk, das vielleicht seit den seligen Rex nicht mehr derart hibbelig und zugleich mit den immer genau passenden Betonungen daherkam.

Kombiniert mit den durchgängig melancholischen, in perlende Melodien getauchten Arrangements, entwirft "What it means to be left-handed" eine sonnendurchflutete, gleichwohl tänzelnde und innerlich nervöse Stimmung, die in ihrem komplexen Zwitter-Dasein nur sehr selten einmal derart auf den Punkt gespielt wurde. Es ist schwer zu sagen, ob Pierce hier tatsächlich genau das Potential ausspielt, das immer schon in Mice Parade schlummerte. Oder aber ob er zwischen Jazz bis Trance einfach so einiges beiseitelässt, was frühere Veröffentlichungen so einzigartig und verhuscht klingen ließ. An und für sich könnte diese Musik jedoch kaum großartiger sein. Und genau dies scheint selbst Mice Parade ausnahms- und erfreulicherweise absolut zu reichen.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • In between times
  • Recover
  • Old hat
  • Mallo cup
  • Fortune of folly

Tracklist

  1. Kupanda
  2. In between times
  3. Do your eyes see sparks
  4. Couches & carpets
  5. Pond
  6. Recover
  7. Old hat
  8. Mallo cup
  9. Remember the magic carpet
  10. Even
  11. Tokyo late night
  12. Fortune of folly
  13. Mary Anne (U.K. surf version)

Gesamtspielzeit: 39:02 min.

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