Maximum Balloon - Maximum Balloon

Maximum Balloon- Maximum Balloon

DGC / Cooperative / Universal
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Über den Wolken

So ein Heißluftballon muss etwas Wunderbares sein. Einsteigen, abheben, höher und höher steigen, die Welt wird immer kleiner, die Freiheit dafür immer größer, langsam Richtung Horizont gleiten und einfach alles hinter sich lassen. Was schon für Otto Normalverbraucher ein Traum wäre, ist es erst recht für einen viel beschäftigten Musiker und Produzenten wie Dave Sitek. Endlich einmal ausbrechen aus dem Kreislauf Songs schreiben, Songs aufnehmen, Platte rausbringen, Interviews geben, auf Tour gehen, noch mehr Interviews und noch mehr Konzerte geben. Dabei immer im Auge behalten, wie es mit der eigenen Band weitergeht, ob Fans und Kritiker den Daumen heben oder senken. Und dann wieder alles von vorn. Ganz anders bei Maximum Balloon, Siteks Soloprojekt. Hier hatte er endlich einmal Zeit, die Songs aufzunehmen, die im Laufe der Zeit beim Produzieren anderer Künstler entstanden, auf deren Alben aber fehl am Platze gewesen wären.

Um diese Rohdiamanten in die richtige, brillante Form zu schleifen, hat Sitek einige seiner Lieblingssänger eingeladen, den Songs Stimme zu verleihen. Obgleich so jedes Stück von einem anderen Gast eingesungen wurde, ist "Maximum Balloon" dennoch ein Album wie aus einem Guss. Schon "Groove me" zusammen mit Stylo-Rapper Theophilus London geht schnurstracks Richtung Dancefloor, auf dem die heißesten Girls im ganzen Laden schon die Hüften kreisen lassen. Überhaupt ist die Musik von "Maximum Balloon" immer wieder auffallend sexy. Celebration-Sängerin Katrina Ford erinnert im Synthpopschieber "Young love" von fern an die souveräne Distinguiertheit von Annie Lennox, Karen O von den Yeah Yeah Yeahs haucht sich später ebenso lasziv wie unschuldig naiv durch die Discoreferenzen von "Communion". Selbst Kyp Malone schwitzt in "Shakedown" zu verrauchten Funkgitarren Soul aus jeder Pore.

Dazwischen springen in "If you return" Little Dragon mit ihrer Vokalistin Yukimi leicht wie eine Feder über die Dächer, während "Tiger" die pumpende Peaktime-Bombe schlechthin ist. Sitek kann aber auch ganz anders. In "The lesson" lässt er Holly Miranda durch eine Mischung aus nebligem Geisterwald und Industriemaschinenpark wandern - beängstigend gut. David Byrne zieht danach die alte Talking-Heads-Narrenkappe auf und hüpft kopfüber, kreuz und quer durch das vollkommen durchgeknallte "Apartment wrestling".

Im Vergleich zur Experimentierfreude und Sperrigkeit seiner Hauptband orientiert sich Sitek mit Maximum Balloon im Ganzen dennoch sehr viel stärker in Richtung sonniger, freundlicher Popsong und Dancefloor. Hierfür sorgen Funkgitarren, der nötige Drive durch geschickt eingestreute Bläsersätze und immer wieder Referenzen an die synthetische Popmusik der Achtziger, die häufig zitiert, aber niemals plump imitiert werden. Die ersten zwei, drei Durchläufe macht "Maximum Balloon" zwar den Eindruck eines allzu homogenen, typischen Produzentenalbums. Danach aber schält sich Detail um Detail heraus, setzen sich die Melodien im Kopf fest und hebt das Album mit jedem weiteren Hören mehr vom Boden ab wie bei einem unbeschwerten Sommerflirt. Ganz ohne Ballon.

(Harald Jakobs)

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Highlights

  • Groove me (feat. Theophilus London)
  • If you return (feat. Little Dragon)
  • Tiger (feat. Aku)
  • The lesson (feat. Holly Miranda)

Tracklist

  1. Groove me (feat. Theophilus London)
  2. Young love (feat. Katrina Ford)
  3. Absence of light (feat. Tunde Adebimpe)
  4. If you return (feat. Little Dragon)
  5. Shakedown (feat. Kyp Malone)
  6. Communion (feat. Karen O)
  7. Tiger (feat. Aku)
  8. The lesson (feat. Holly Miranda)
  9. Apartment wrestling (v's David Byrne)
  10. Pink bricks (feat. Ambrosia Parsley)

Gesamtspielzeit: 38:28 min.

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User Beitrag
basddsa
2011-04-20 21:18:48 Uhr
Gefällt mir nach dem ersten Hördurchgang wirklich verdammt gut! Shakedown ist schonmal ziemlich geil.
ada
2010-10-21 19:45:01 Uhr
if you return hat es mir momentan ziemlich angetan.
Lulatsch
2010-10-14 07:12:58 Uhr
Aus meiner Sicht reichen die guten Songs bis "Tiger", danach aber baut das Album tatsächlich sehr ab. Auch von mir eine 7/10.
Dielemma
2010-10-14 00:26:21 Uhr
schöne rezi und gutes album, das vor allem einen furiosen start hinlegt (bis "if you return"). leider wird das niveau nicht komplett durchgehalten, dann wäre das ganze aber auch nahe an tv on the radio dran. bei mir bisher eine gute 7/10
knorx
2010-10-02 22:04:55 Uhr
alles andere als lahm
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