Kings Of Leon - Come around sundown

Kings Of Leon- Come around sundown

RCA / Sony
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ich ist ein Anderer

Etwas Bedeutendes hatte sich angekündigt: Die Kings Of Leon kehren dem Sound ihrer Welteroberung den Rücken. Stadion-Rock? U2-Rock? Mädchen-Rock? Waren niemals das Ziel. Was die Kings Of Leon eigentlich wollten, das war die Beglückung ihrer Väter, das war die Weiterführung der Folk-Musik in die Postmoderne. Bleiben sollten die Demut, die Schönheit von Licht, Duft und Menschen, die romantische Verklärung der Südstaaten. Denn dort, wo sich die vier Followills ihre erste Sonnenbräune verdienten, kratzten die Hemden noch und der Schweiß der Männer roch nach alten Lappen. Zwischen dem fetten Bassdrum-Sound und der optischen Optimierung ging dieser Bezug zur Heimat irgendwann verloren. Die Band bestrafte sich selbst mit Drogen-Partys und Prügel-Orgien.

Das fünfte Album der Familienband räumt auf. Es ist ein reinigendes Ritual für das Quartett, das sich in jeder eingespielten Note niederschlägt. "Come around sundown" glüht, es straht vor Wahrhaftigkeit. In der Vorabsingle, "Radioactive", die sich wie eine Schlange durch sengende Hitze windet, kündigte es der gewaltige Gospelchor an: "It's in the water / It's in the story of where you came from / And when they crash / And come together / Just drink the water / Where you came from." Das klingt nach Buße, das klingt nach Sehnsucht, das ist der Wunsch nach Geborgenheit. Wie damals, als John Lennon "Help" sang. Die Kings Of Leon hatten sich verloren. Und schlagen der Weltöffentlichkeit mit "Come around sundown" nun ein Schnippchen.

Das Album klingt nicht wie sein Vorgänger und ist auch nicht mit irgendeiner anderen Platte der Band vergleichbar. Die Songs sind dermaßen ausgetüftelt und eingetütet, dass selbst My Morning Jacket mit diesen Arrangements leben könnten. Ihr Songwriting haben die Kings Of Leon nun auf die Spitze getrieben. Sie vermischen Country mit Blues, Bluegrass mit Pop und Melancholie mit strahlender Freudigkeit. Würde man nicht auf einem anderen Breitengrad festsitzen, dann würde man sich nicht nur an dieser kindlichen Naivität erfreuen, sondern sich das Hemd vom Körper reißen und mit Unterhemd und Hosenträgern durch die Maisfelder Tennessees rennen. Denn genau das hier ist der Soundtrack dazu.

Diese Verweigerung von kapitalen Hits ist ein Statement. Denn was kann es für eine Band schon Deprimierenderes geben, als sich auf einer großen Bühne zu offenbaren und den Status ihrer Seele zu sezieren, während das riesige, glotzende Publikum nur darauf wartet, ihnen endlich irgendwas von "Sex" entgegenzublöken? Die Hits heißen hier "Pyro", "The immortals" und "Beach side" und haben Refrains, die sich nicht sofort mitsingen lassen. Es sind Songs, die sich langsam aufbauen, die sich mal auflehnen, die sich mal tragen lassen. Wenn die Gitarre bei Minute zwei des bissigen "No money" den Orgasmus eines Feedbacks intoniert, dann ist der Zauber dieser Band schlagartig präsent: Er besteht aus der Liebe dieser vier Menschen zu einer Musik, die sich zufällig genau so anhört, wie die Liebe zur Musik vieler Millionen anderer Menschen.

Eine Freude ist auch die angetäuschte Feuerzeugballade "The face", die wandert und wandert, bis sich der Bass überschlägt und das Schlagzeug verheddert. Und natürlich versteckt auch "Come around sundown" seinen größten Moment gleich im Opener. "The end" schlendert gemütlich, die Gitarre kreischt aus weiter Ferne und Caleb Followill fleht wie ein verstoßener Sohn: einfach herzergreifend. Die Kings Of Leon klingen nicht mehr müde und überfordert. Sie klingen wie eine Band, die sich ihrem Schicksal ergeben hat und das Beste daraus macht. Für sich. Und alle anderen.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • The end
  • Back down south
  • Beach side
  • Birthday

Tracklist

  1. The end
  2. Radioactive
  3. Pyro
  4. Mary
  5. The face
  6. The immortals
  7. Back down south
  8. Beach side
  9. No money
  10. Pony up
  11. Birthday
  12. Mi amigo
  13. Pickup truck

Gesamtspielzeit: 47:42 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
clondike
2011-09-08 11:44:28 Uhr
Der Lockruf des Goldes/Geldes!
trani
2011-09-08 11:25:59 Uhr
wenn ich die entwicklung solcher bands verfolge, bekomme ich einen richtigen hass auf die welt. was waren die damals gut, als sie vor 250 leuten im gebäude 9 gespielt haben.
Ich kann sowas einfach nicht verstehen, wie man so glücklich sein kann, total in die reihe der U2 und John Bon Jovi Schiene zu rutschen.
brny
2011-09-06 13:34:30 Uhr
ich finde es immer noch fad. und "only by the night" fand ich sogar noch ziemlich gut.
True Story
2011-09-06 12:10:16 Uhr
ich hab mir vorher alle KOL-Platten seit Aha-Shake zum Release gekauft, aber bei Come Around Sundown fand ich die Singles schon so absolut mies und langweilig, dass ich mir das Album bis heute noch nicht einmal angehört habe.
stadium
2011-09-06 12:06:22 Uhr
Hammer Album! Lässt alle bisherigen KOL-Scheiben hinter sich. diese Gitarren, dieser Bass,diese Stimme, diese Atmosphäre. SO und nur SO hat heutzutage Zeitgemäßer Pop zu klingen!
Vorallem "Radioactive" und "Pyro" zeigen das auf. Jahrhundert-Songs. Wie gemacht für die großen Arenen. Und bei "No Money" geben sie sogar wieder richtig Gas! Perfektes Atmo-Pop Album. Thats All!

9/10
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