Torche - Songs for singles

Torche- Songs for singles

Hydra Head / Indigo
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Asymmetrische Songführung

Mit der Symmetrie ist es so eine Sache. Auf der einen Seite wohnt ihr eine gewisse Schönheit inne. Je symmetrischer ein Gesicht ist, desto eher entspricht es dem allgemeinen Schönheitsideal. In der Natur herrscht Ebenmäßigkeit sowieso vor: Tiere haben zwei Augen, vier Beine, zwei Ohren, alles schön gleichmäßig auf beide Seiten verteilt. Jedenfalls dann, wenn sie dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen wollen, denn umso skurriler erscheint dem gemeinen Zweibeiner mit den Augen direkt in der Stirn der schiefe Körperbau des Steinbutts oder der Scholle. Auf der anderen Seite ist Symmetrie langweilig. Wer die eine Seite kennt, kann von der anderen nicht mehr groß überrascht werden.

Ganz abgesehen davon, dass "Songs for singles" auch problemlos auf eine Seite einer Vinylscheibe passt, führen Torche mit ihrem neuem Album beispielhaft vor, wie spannend - und schön - Asymmetrie sein kann. Denn nach der Hälfte der Spielzeit sind schon drei Viertel der Songs wieder vorbei. Kaum hat es sich der Hörer auf dem Sofa bequem gemacht und die Dose Cashewkerne aufgerissen, da schallen auch schon die ersten, gedämpften und gebremsten Akkorde von "Face the wall" aus den Boxen, und wirft einem Steve Brooks ein verhalltes "Shame on you" vor die Füße. Weil wir nicht richtig zugehört haben. Weil aber auch alles bis dahin so schnell ging. Von "UFO" bis "Cast into unknown" treten Torche ohne Rücksicht auf Verluste das Gaspedal durch bis auf den Asphalt. Die Übergänge zwischen Akkord-, Rhythmus- oder gar Songwechseln verschwimmen im Schlagzeugwirbel und die Gitarren sprühen Funken.

Dass Torche trotz des Geschwindigkeitsrausches in weniger als zwei Minuten, ja sogar in weniger als einer Minute noch ihre typischen, poppig grinsenden Melodien zwischen den Bergen des Stoner- und Sludge-Wahnsinns unterbringen, spricht nur dafür, dass es überhaupt nicht schnell genug gehen kann. Eingängigkeit und Härte verdichten sich auf engstem Raum zu purer Energie, die sich in den wenigen Pausen auf ein kaum zu bändigendes Feedback reduziert und sich während der Refrains in Katarakten in die Tiefe stürzt.

Bis sich dann zu Beginn von "Face the wall" an der Mündung des reißenden Flusses plötzlich das weite Meer auftut. Der Ozean ist zwar kein stiller, aber ein ruhiger. Torche nehmen sich in den letzten beiden Songs Zeit, Ideen und Melodien wirken zu lassen und aufeinanderzuschichten. Im Leerlauf, den Schwung der ersten Hälfte von "Songs for singles" ausnutzend, rollt "Out again" schließlich nach über sechs Minuten ins Ziel, während sich das letzte Riff in der Unendlichkeit von Raum und Verstärker verliert, dort, wo das Konzept von Symmetrie längst überholt und obsolet ist.

(Maik Maerten)

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Highlights

  • Shine on my old ways
  • Cast into umknown
  • Face the wall

Tracklist

  1. UFO
  2. Lay low
  3. Hideaway
  4. Arrowhead
  5. Shine on my old ways
  6. Cast into unknown
  7. Face the wall
  8. Out again

Gesamtspielzeit: 21:47 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Walenta
2010-10-14 20:12:47 Uhr
Richtig, richtig gut ist die mal wieder geworden! Eigentlich alles wie bisher von ihnen gewohnt, nur der Schlagzeuger ist meines erachtens nach noch besser geworden....insofern: Stagnation auf hohem Niveau?
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