Christina Stürmer - Nahaufnahme

Christina Stürmer- Nahaufnahme

Amadeo / Polydor / Universal
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Najaaufnahme

Eines muss man Christina Stürmer ja lassen. Sie hat als Nicht-Gewinnerin einer Casting-Show in einem Land mit knapp über acht Millionen Einwohnern schon mehr Alben veröffentlicht als so mancher Möchtegern-Superstar aus Deutschland. Das mag daran liegen, dass luftig-sorgenloser Poprock mit einer richtigen Band im Hintergrund nie aus der Mode kommt. Oder daran, dass die mittlerweile 28-jährige mit ebendieser Band unermüdlich durch die Lande tourt und immer wieder jene Ochsentour durchzieht, die die meisten der gehypten Dieter-Bohlen-Protegés höchstens vom Hörensagen kennen. Also, Credibility ist da. Das hilft aber alles nichts, wenn die Songsammlungen regelmäßig in der Belanglosigkeit versumpfen.

Flüchtig ist das treffende Adjektiv, um die meisten der Songs auf "Nahaufnahme" zu beschreiben. Auf einem Popalbum ist es schließlich fatal, wenn der Opener unbemerkt vorbeizieht wie ein Schäfchenwölkchen an einem lauen Herbstnachmittag. "Zeitlupe" fängt lahm an, steigert sich im Mittelteil zu gelähmt und endet langweilig. Seltsam gebremst präsentiert sich auch die Single "Wir leben den Moment". Anders als der Text es suggeriert, spielen da keine Endorphine verrückt, und von "Uns hält nichts mehr zurück" kann ebenfalls keine Rede sein. Kaum sind zwei Songs vorbei, steckt "Nahaufnahme" bis Oberkante Unterlippe im Treibsand der Ideenlosigkeit.

Und anstatt nach ein paar Songs mal das Tempo anzuziehen und einfach aus Prinzip mal ein bisschen Krach zu machen, schleicht sich bei Song Nummer vier schon die erste Vollballade ein. Schlagzeug und Klavier quälen sich in "Macht nichts" im wahrsten Sinne des Wortes eintönig durch die obligatorischen dreieinviertel Minuten. Wer einen Popsong im Radio hört, dem bleibt doch im besten Fall die Melodie im Ohr hängen, damit er seine Büro- oder Tischnachbarn damit quälen kann. Nicht so bei Christina Stürmer. Da erinnert man sich allenfalls noch an das Piercing über dem rechten Auge. Oder war es das linke?

Nicht nur musikalisch, auch inhaltlich herrscht auf "Nahaufnahme" ausgemachte Tristesse. Ob nun "Die Nacht singt keine Lieder" oder "Gib mir den Sommer zurück" - die Lethargie hat alles fest im Griff. Dass Stürmer in zwölf Songs nur ein halbes Mal, in "So wie Du bist", aus dem Quark kommt und so etwas wie ein aufgeregtes Kribbeln vermittelt, während der Schlagzeuger für ein paar Momente mal nicht nach Roboter klingt, ist auch schon fast eine Leistung. Immerhin hat Stürmer selbst es erkannt: "So wie es ist / Geht's nicht weiter."

(Maik Maerten)

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Highlights

  • So wie Du bist

Tracklist

  1. Zeitlupe
  2. Wir leben den Moment
  3. Der beste Morgen
  4. Macht nichts
  5. Wenn die Welt untergeht
  6. Juniherz
  7. Mit jedem Millimeter
  8. Warum
  9. Die Nacht singt keine Lieder
  10. Gib mir den Sommer zurück
  11. So wie Du bist
  12. Die beste Zeit

Gesamtspielzeit: 42:48 min.

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