Hood - Cold house

Hood- Cold house

Domino / Zomba
VÖ: 05.11.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eiskalte Hitze

Ungewöhnliche Musik erfordert ungewöhnliche Bilder. Bilder von bunt schillernden Schmetterlingen, die über verschneite Felder flattern und sich im Glitzern der Eiskristalle sonnen. Von knisternden Lagerfeuern unter Wasser. Von blühenden Landschaften mitten in der Kargheit der Wüste. Eine solche Oase stellt "Cold house", das fünfte Album von Hood, dar. Schwermütige Folk-Zartheiten und schwebendes Elektronikgeknister greifen ineinander und kuscheln sich an die warme Kälte der Songs an.

Während tränenreiche Geigen, getupfte Akustikgitarren und die trauernde Stimme von Chris Adams das Leben des wolkenverhangenen Norden Englands wie einen langen, ruhigen Fluß zu malen scheinen, blubbert es unter dessen Oberfläche. Leidenschaften aus Nullen und Einsen plustern sich auf, schlagen verirrte Haken und stoßen schließlich an die Luft. Dort treffen sie auf resignierte Gedanken oder enttäuschte Hoffnungen, nur um wenig später auf Knopfdruck das neonhelle Licht zu sehen.

Der neu gefaßte Mut kriecht aus der Steckdose. Wie der sprichwörtliche Geist aus der Maschine schwebt er durch die zerbrechlichen Songs und verbreitet Hoffnung. Wenn man jedoch auf die depressiv anmutenden Songtitel wie "You show no emotion at all" oder "I can't find my brittle youth" stößt, die trotz allem den Kopf nicht hängen lassen, wundert man sich, wie es Hood mit ihrem elektroinfizierten Post-Folk gelingt, sanfte Grooves, jazzige Wolken, verhuschte Gitarren und zielstrebige Raps ihrer Freunde von Anticon unter die gemeinsame Haube des Bandnamens zu bringen.

Die Antwort liegt in den Melodien, den echten Songs, mit denen sich Chris und Richard Adams und ihre Mitstreiter Gareth Brown und Stephen R vom erstarrten Gefüge der gegenwärtigen britischen Rockmusik lösen wollen, ohne sich den Zerfaserungen des Post-Rock zu unterwerfen. "Der Grund, warum Post-Rock Melodien vermeidet, ist, daß er keine Songs schreiben kann. Er kann keine Melodie schreiben, in die sich die Leute verlieben." Und während anderswo schon zum Prozac gegriffen wird, säuseln Hood lieber Zeilen wie "You feel like the world is yours" und erfreuen sich an ihren Irrtümern und Fehlschlägen. Es geht eben nichts über den Spaß am eigenen Untergang.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • They removed all trace that anything had ever happened here
  • I can't find my brittle youth
  • You're worth the whole world

Tracklist

  1. They removed all trace that anything had ever happened here
  2. You show no emotion at all
  3. With branches bare
  4. Enemy of time
  5. The winter hit hard
  6. I can't find my brittle youth
  7. This is what we do to sell out(s)
  8. The river curls around the town
  9. Lines low to frozen ground
  10. You're worth the whole world

Gesamtspielzeit: 46:15 min.

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