Sternblut - Stark

Sternblut- Stark

Warner
VÖ: 24.09.2010

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Och Kinder

Ein Mindestalter fürs Musikgeschäft gibt es schon lange nicht mehr. Die Schwesternherzen Ramona und Deborah Holzmann, letztere gerade mal berechtigt zum Führen eines Mopeds, starten durch als die "Zack & Cody" des Teenie-Pop. Und obwohl Sternblut geradewegs den mentalen Kellergewölben der Jugend-Serie entsprungen scheinen, ihrer ersten Liebe im "Haus Anubis" auf den Grund und in "Berlin, Berlin" gleich wieder tierisch auf den Keks gehen, teilen sie sich ebenso einen Ausdruck mit den Geschwistern Hofmann oder Gitti und Erika.

Die Augen glänzen wie in Vaseline ertränkte Hundebabys. Auf der Bühne wird an besonders emotionalen Stellen betont einfühlsam zueinander herübergenippert. Und in Interviews führt die Frage nach den musikalischen Anfängen schwuppdiwupp zur Familienchronik. Nun gut, vielleicht sagen Sternblut häufiger "Geil" und "Boah" als "Gaudi" oder "Is des schee". Aber eine beinahe schon animalisch auf Nahrungserwerb und Kloppe fixierte Figur wie ICarlys Samantha "Sam" Puckett taucht in ihrer Teenieklamotte nun wahrlich nicht auf. Die Klavierschmonzette "Ohne Dich" gönnt sich zwar ihre paar schnoddrigen Vokale und schnalzend-schmalzenden Betonungen - dennoch geht hier der Beweis von allertiefster Emotionalität zuzüglich Stimmgewalt lediglich in die andere Richtung. Das Prinzip jedoch bleibt absolut das gleiche. Wobei man mittlerweile ja, im Schwafelbad der Radioquoten und von "Zimmer Frei!"s Götzimausi national "sensibilisiert", zwischen schlechtem und gutem Schlager zu unterscheiden hat. Oder auch nicht.

Denn gute Musik mag zwar ebenso für sich sprechen wie schlechte. Doch allerärgerlich bleiben auch pawlowsche Nullnummern wie das "rockige" "Ich brauch Dich nicht" und das "traurige" "Zu schön", die sich auf "Stark" beinahe schon im Stechschritt die Klinke in die Hand geben. Da kann man Tokio Hotel oder einer Britney Spears für das kleine bisschen Spektakel zutiefst dankbar sein. Aber auch das liegt ja nun selbstverständlich und ausschließlich im Ohr des Hörers. Noch so ein Satz, dem endlich mal wieder gehörig der Po versohlt gehört. Und sei es nur, um zur Abwechslung und wider besseres Wissen ein wenig Meinung ins Rund zu werfen.

Von den G'schwistern Sternblut ist das nämlich zu keiner Sekunde zu erwarten. Hin und hergerissen ist der Hörer: Lässt sich das Selbstkomponieren und -spielen von Kuschel-Hits wie "Komm, wir malen uns das Leben" so ganz allgemein und prinzipiell einfach mal auf der Habenseite verbuchen? Akzeptiert man die Tatsache, dass es bisher noch nicht allzu viele Gelegenheiten gab, derartigen Jungspunden beim - immerhin - versierten Musizieren zuzuhören, als weiteren Pluspunkt ex machina? Gilt Welpenschutz bei allem außerhalb des StGB? Oder stellt sich doch eher die Frage, was man denn eigentlich so spielt, mit 15 Lenzen, wenn man das große, ganze, geile Leben will? Beziehungsweise: Ist der neue adoleszente Sturm und Drang tatsächlich und zu Recht die Sehnsucht nach der schmusig heilen Welt?

Um die geht es nämlich mit jeder Note und jeder Zeile von "Stark". ICarlys Sam hätte ihnen dafür das Milchgeld durch die Nase gezogen, für Spareribs ausgegeben und sich mit den Knochen ihr verächtliches Lächeln poliert. Sternblut hätten gedacht: "Gemein! Daraus machen wir einen Song! Das hat sie nun davon." Sprich: Japp, das hier ist genauso lahm, wie sich das gerade anhört. Und jeder MittvierzigerIn sei warnend hinterhergeschmettert: "Aufgepasst! Die verderben unsere Kinder!"

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

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Tracklist

  1. Stark
  2. Ich brauch Dich nicht
  3. Ohne Dich
  4. Komm, wir malen uns das Leben
  5. Ich wünschte
  6. Keiner weiß es
  7. Mein Engel
  8. Halluzinationen
  9. Zu schön
  10. Du schreist
  11. Frei
  12. Für immer

Gesamtspielzeit: 44:27 min.