Paul Smith - Margins

Paul Smith- Margins

Billingham / Cooperative / Universal
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die heißkalte Dusche

"It's not like George Michael leaving Wham!" Eine von Paul Smiths Lieblingsaussagen, spricht man ihn auf etwaige Konsequenzen an, die sein erstes Album unter eigenem Namen fürs Gefüge seiner Band haben könnte. Smith wird also auch künftig auf skandalträchtige Paarungsaktivitäten mit Personen unterschiedlichsten Geschlechts und die damit verbundenen hochnotpeinlichen Auftritte in der Boulevardpresse verzichten, und auch Maximo Park wird es weiterhin geben. Nicht, dass derartige Befürchtungen beim Erscheinen von Duncan Lloyds Soloalbum "Seeing double" aufgekommen wären - doch der ist eben "nur" Gitarrist und nicht Frontmann und Aushängeschild mit Stimme, Charme und Melone.

Gitarre spielt Smith auf "Margins" dann auch gleich selbst - Produzent und Schlagzeuger Andy Hodson sowie Bassist David Brewis von Field Music bleiben vornehm im Hintergrund, während Smith wortklauberisch und ideenreich auseinandersetzt, worin der Unterschied zwischen einem Soloalbum und einem "own album" besteht. Dabei fegt er keineswegs rastlos durch die Gegend oder hampelt und gestikuliert, wie man es von ihm gewohnt ist - auch nicht im übertragenen Sinne. Zu in sich gekehrt und kontemplativ wirkt "Margins", als dass die gleiche Zappeligkeit, das gleiche Brodeln wie bei Maximo Park von diesem Album ausgehen könnte. Statt dessen drückt es sich zumeist in diversen Randgebieten herum, lässt Indie-Pop auf Songwriterkunst und Liebestaumel auf Beziehungsschmerz treffen. Und kommt erst langsam auf Touren.

"North Atlantic drift" und "The crush and the shatter" hätten mit gebremstem Tempo und nur gelegentlich lauteren Momenten auf "Quicken the heart" allenfalls einen Platz weiter hinten eingenommen. "Improvement / denouement" wagt sich in luftig weichgezeichnete Psychedelia-Bereiche, erst das aufgeräumte "Strange friction" und das dynamische Zusammenspiel von rollenden Drums und verhallter Gitarre in "I drew you sleeping" gehen in swingender, exzellenter Popmusik auf. "Dare and dive" gehört mit der deutlichsten Anlehnung an Maximo Park dann nicht zu den stärksten Songs - einen neblig Kraut-infizierten Groover wie die Single "Our lady of Lourdes" oder das akustische "Alone, I would've dropped", bei dem die frühen And Also The Trees drohend durch den Raum spuken, bekommen Smith, Hodson und Brewis bedeutend besser hin als Rockmusik im herkömmlichen Sinne.

Eine defensive, zuweilen gebrochene Klanglandschaft, die Smiths Selbstbeschau über intime Gefühle und fleischliche Gelüste meist vorzüglich zu Gesicht steht - wobei er seine ganz eigenen Vorstellungen hat. Einmal ist Liebe für ihn, mit kaltem Wasser abzuwaschen, weil die Freundin nebenan duscht, und sich an fremden Orten nur bei ausgeschaltetem Licht zu küssen - dann wieder sprechen Zeilen wie "Strange friction of your body next to mine / In a New York hotel room, your flesh delighting in mine" eine eindeutigere Sprache. Und so durchzieht dieses Album eine reizvolle Spannung genauso wie eine innere Zerrissenheit, über die auch viele großartige Songs nicht immer hinwegtäuschen können. Verdacht: Paul Smith grübelt ein bisschen viel. Hoffentlich nicht darüber, ob es ihm irgendwann doch einmal ergeht wie George Michael.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Strange friction
  • I drew you sleeping
  • Alone, I would've dropped
  • Our lady of Lourdes

Tracklist

  1. North Atlantic drift
  2. The crush and the shatter
  3. Improvement / denouement
  4. Strange friction
  5. While you're in the bath
  6. This heat
  7. I drew you sleeping
  8. Alone, I would've dropped
  9. Dare not dive
  10. I wonder if
  11. Our lady of Lourdes
  12. The tingles
  13. Pinball

Gesamtspielzeit: 47:07 min.

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