Seal - Seal 6: Commitment

Seal- Seal 6: Commitment

Reprise / Warner
VÖ: 17.09.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Nicht mit und ohne meine Frau

Es wäre schön, etwas über Seal zu schreiben ohne dabei den Namen Heidi Klum zu erwähnen. Interviews zu "Seal 6: Commitment" haben das Model auf Geheiß ohnehin auszuklammern. Verübeln mag man ihm diesen Schritt nicht, möchte man als Künstler nach der Schaffenszeit auch lieber über das neue Werk reden, als über triefende Kindernasen, häusliche Erziehungsaufteilung oder Initimitäten der Beziehung. Eigentlich sollte daher an dieser Stelle nichts über Frauen aus Bergisch Gladbach stehen. Aber nun fühlt man sich genötigt. Schuld daran sind der Sänger und sein Umgang mit der ersten Single "Secret".

Der blasse, vor sich hin plätschernde Vorbote zum sechsten Studioalbum zog berechtigterweise keine Aufmerksamkeit auf sich. Der Song erzählt laut Seal die Geschichte von ihm und seiner Frau: "I belong to you and you belong to me." Das dazugehörige Video verschwand in der Versenkung, also drehte man ein neues. Mit Heidi Klum. Mit Seal. Mit beiden im Bett, wie sie sich räkeln und küssen, leicht bedeckt bis nackig. Und zack ist die Single im Gespräch. Weil sich eine Heidi Klum entblättert in den Laken wälzt und plötzlich das Video zum versinnbildlichten Harmoniestatement wird. Besser macht es den Track nicht, es setzt aber die Öffentlichkeit in Kenntnis, dass Seal immer noch Musik macht.

Die gesteigerte Aufmerksamkeit für "Seal 6: Commitment" hätte es indes teilweise nicht gebraucht. Seal setzt wie schon bei der Cover-Platte "Soul" auf Produzent David Foster, der sich sicher in der Titulierung als Balladenbaron gut aufgehoben fühlt. Das Album hat folglich mit dem dancigen "System" kaum mehr etwas gemein, stattdessen finden sich im Kern leichte, soulige Popnummern, oft garniert mit orchestraler Begleitung. "Best of me", "All for love", "You get me" oder "The way I lie" geraten hierbei zu einer sich nivellierenden Einheit, die die Platte auf einem Maß einpegelt, dessen Seal sich eigentlich entrückt abwenden müsste. Und es könnte.

Seine Stimme ist immer noch vergleichbar mit einem Wintermantel: mitunter etwas kratzend, aber wärmend. Sie klingt in "Weight of my mistakes" zart schmelzend und öffnet sich mit jeder Sekunde weiter. Die anfangs nackte Ballade "Silence" nimmt partiell die Akustikgitarre zur Hand, einzelne Streicher, erst später die eigentlichen Rhythmusgeber, drückt beim erwartenden Höhepunkt überraschend auf die Bremse und verabschiedet sich leise wie kraftvoll. Apropos Abschied: Mit "Big time" überrollt Seal den Hörer mit einer (arg) opulenten Klanglawine. Aber sie ist ein wohltuender Weckruf nach zähen Minuten der Reizlosigkeit. Amazing ist leider anders.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Weight of my mistakes
  • Silence

Tracklist

  1. If I'm any closer
  2. Weight of my mistakes
  3. Silence
  4. Best of me
  5. All for love
  6. I know what you did
  7. The way I lie
  8. Secret
  9. You get me
  10. Letting go
  11. Big time

Gesamtspielzeit: 44:37 min.

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