Aloe Blacc - Good things

Aloe Blacc- Good things

Stones Throw / Vertigo / Universal
VÖ: 15.10.2010

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Herz IV

Es braucht keinen Tresor zu Aufbewahrung, keine gesicherte Schublade im Weißen Haus. Aloe Blacc hat den Plan, den großen Plan, Mann! Und dieser liegt auf dem Grund seines zweiten Albums "Good things". Für dieses hat sich Mr. Blacc voll und ganz auf Soul eingelassen. Keine Experimente mehr wie noch auf dem Debüt, und HipHop ist nicht mal mehr als Fußnote vorhanden. Dabei ist Blacc als Rapper gestartet und hat mit Exile, Rakaa und Cradle gearbeitet. Doch nun kommt "Good things", das Blacc mit seiner Band The Grand Scheme aufgenommen hat. Der Vorbote "I need a dollar" rotiert seit Monaten, der amerikanische Fernsehsender HBO hat ihn zum Titeltrack für die Sendung "How to make it in America" auserkoren. Blaccs Gesang legt sich da über den trockenen Funk des Bass, der Flow pumpt tight durch den Rhythmus, und besser geht es kaum. Hier wird Blaccs Plan deutlich: Dieser Typ hat eine Botschaft, die er der Welt mitteilen will. Es geht um Gerechtigkeit, um Solidarität und überhaupt ums Grundsätzliche. Wie soll er das besser unters Volk bringen, wenn nicht mit solchen Tracks?

Den Fehler, seine Botschaft über die Tracks zu stellen, geht er aber gar nicht erst ein. "Loving you is killing me" und "You make me smile" zergehen vor Gefühl. Doch da ist auch die andere Seite mit dem Cover von Velvet Undergrounds "Femme fatale", dessen versoffene Harmoniesucht nach Hause geholt wird. So bleibt Soul nicht bloß Nachrichtenträger, sondern wird mehr noch zum Teil der Botschaft. Die Orgel surrt, die Drums drücken zärtlich den Takt. Streicher legen sich dazu und stehen immer kurz vorm Abdriften. Der Mann harmoniert mit seiner Band, jeder Rhythmus sitzt, jede Melodie läuft. "Good things" ist kein Teil der Vergangenheit, seine Mittel sind nicht altbacken, denn hier wird der Sound ins Hier und Jetzt transportiert. Das ist sicher auch der tighten Produktion zu verdanken, die "Good things" zum vielleicht reinsten und gestärktesten Soulalbum seit langer Zeit macht.

"Mama hold my hand" darf sich in sein Piano steigern, kann die Streicher stapeln und seine Harmonie dehnen bis zum Gehtnichtmehr. Das Schmachten verkommt dennoch nie zum Kitsch. Am Ende wird das Positive immer über dem Rest stehen, that's that. So geht auch der Titeltrack gestärkt aus seiner Beziehung hervor, schiebt die Wolken zur Seite und lässt sich in seine Naivität fallen. "What more can I say?" Aloe Blacc geht seinen Weg, fällt in keine Zitatmaschine, er nimmt Referenzen mit, ohne sie zu kopieren. Der Groove ist auf "Good things" runter geschraubt und pulsiert im Stillen unter den Tracks. So funktioniert diese Platte in ihren einzelnen Momenten, aber auch in ihrer Summe. Ob sie sich kritisch oder verliebt, verbittert oder kühn gibt, "Good things" wird dabei nicht ausladend wie ein Damenarsch, sondern nimmt mit breiten Armen auf und drückt den Hörer an die wuchtige Brust.

Wer sich an "Good things" wagt, sollte Schubladen und Vorurteile außen vor lassen, denn damit ist Blaccs Soul nicht zu fassen. Es ist ein Bauchgefühl, eine Stimmung die der Sänger mit seiner warmen Stimme transportiert. Mittlerweile stellt sich ein ähnliches Gefühl bei fast allen Releases von Stones Throw ein. Der rasierte Funk von "Loving you is killing me", der Schmachtfetzen "Mama hold my hand" - all das gehört zusammen und ergibt diesen angenehmen Sound, der "Good things" so einzigartig macht und Blaccs Botschaft so viel Nachdruck verleiht. Aloe Blacc hat tausend Dinge zu sagen, doch am Ende ist es nur eine einfache Idee, die er nahe bringen will: Alles wird gut.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • I need a dollar
  • Miss Fortune
  • Femme fatale
  • Good things

Tracklist

  1. I need a dollar
  2. Green lights
  3. Hey brother
  4. Miss Fortune
  5. Life so hard
  6. Take me back
  7. Femme fatale
  8. Loving you is killing me
  9. Good things
  10. You make me smile
  11. If I
  12. Mama hold my hand
  13. Politician (Reprise)

Gesamtspielzeit: 47:35 min.

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