Alter Bridge - AB III

Alter Bridge- AB III

Roadrunner / Warner
VÖ: 08.10.2010

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Auf Bildungsurlaub

Wenn einer eine Reise tut, dann kommt er nicht nur viel herum. Er lernt im besten Fall auch neue Kulturen und Lebensweisen kennen. Myles Kennedy, ehemaliger Frontmann von The Mayfield Four, ist ganz schön viel herum gekommen in den letzten Jahren. Nicht genug, dass Kennedy letztes Jahr neben seiner Arbeit mit Alter Bridge auch von Soloambitionen schwadronierte. Darüber hinaus steuerte er für Slashs durchwachsenes Album "Slash" den vielleicht besten Track "Starlight" bei. Und weil Kennedy grad eh nichts besseres zu tun hatte, begleitete er den Ex-Gunner auch noch auf seiner Tour als Sänger und arbeitete ganz nebenbei mit seiner aktuellen Hausband Alter Bridge an deren neuem Album. Die ehemaligen und nun wieder Creed-Mitglieder um Kennedy harrten der Dinge, und warteten geduldig auf die Rückkehr des Frontmannes, um nun mit "AB III" die nach eigenen Angaben natürlich beste Platte der Bandgeschichte herauszubringen.

"AB III" beginnt mit "Slip to the void" beschwörend wie ein Tool-Album. Und die Hoffnung ist groß, dass hier, beim dritten Anlauf, doch einmal mehr ensteht, als ordinärer US-Hardrock-Metal moderner Prägung. Der überraschend gut gelungene Opener explodiert und dampfhämmert sich unter der großen Begeisterung von Kennedy - der ja im Grunde eine hervorragende und prägnante Stimme besitzt - durch die fast fünf Minuten. Auch "Still remains" bratzt einfach alles weg, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Beide Songs sind brachial und entwickeln eine mitreißende Dynamik, die sich leider nicht über die gesamte Albumlänge entfalten kann.

Die Überraschungen halten sich letztendlich in engen Grenzen, beziehungsweise nur so lange, bis unter den ehemaligen Creed-Mitgliedern doch wieder der Scott-Stapp-Gedenkpreis weitergereicht wird - und "AB III", je weiter es fortschreitet, erneut Opfer überambitionierter Beliebigkeit wird. Myles Kennedy kann noch so viel dagegen ansingen, die Gewohnheiten obsiegen. Plötzlich klingt fast jeder Song ähnlich pathosschwanger wie Creed, nur eben mit neuem Sänger. Manchmal, wie mit den triefenden Balladen "Wonderful life" und "Life must go on", versuchen sich Alter Bridge sogar an den ruhigeren Songs der Granden des Grunge, verenden aber als Westentaschen-Pearl-Jam.

Mit anderen Worten: Alter Bridge machen einfach genau das, was sie schon immer gemacht haben. Nur in den wenigen Momenten, in denen die Band konsequent eine härtere Spur einschlägt, erwacht "AB III" aus seinem creedschen Dornröschenschlaf. Schade, dass das viel zu selten der Fall ist, und dass - eine kleine Randnotiz - "AB III" mit seinen rund 66 Minuten einfach zu lang geraten ist. Viel dazu gelernt haben Kennedy und seine Mitstreiter in den letzten Jahren jedenfalls nicht. Wie auch, wenn einen die Reise immer nur in dieselbe muffige Hütte führt, einfach weil man es nicht anders kennt?

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Slip to the void
  • Still remains

Tracklist

  1. Slip to the void
  2. Isolation
  3. Ghost of days gone by
  4. All hope is gone
  5. Still remains
  6. Make it right
  7. Wonderful life
  8. I know it hurts
  9. Show me a sign
  10. Fallout
  11. Breathe again
  12. Coeur d'alene
  13. Life must go on
  14. Words darker than their wings

Gesamtspielzeit: 66:02 min.

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